Home
http://www.faz.net/-h11-75xns
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
 

„Big Bang Theory“: Hinter den Kulissen der Sitcom sorgt ein Physikprofessor für den Faktencheck. Professor Urknall

 ·  Zehn Millionen Amerikaner schalten jede Woche ein, wenn eine neue Folge von „Big Bang Theory“ im Fernsehen kommt – und auch in Deutschland läuft die Sitcom erfolgreich. Damit jedes Detail stimmt, wenn die Stars der Serie über schwarze Materie oder Laserstrahlen fachsimpeln, berät Physikprofessor David Saltzberg das Big-Bang-Team. Wir haben ihn angerufen. Unser Fazit: Der Mann braucht schnellstens eine eigene Sendung …

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)
© Frizzi Kurkhaus Vergrößern Könnte der Sohn von Danny DeVito sein – ist aber David Saltzberg, Professor für Physik und Astronomie an der University of California. Und nebenher: Serienberater.

Mr. Saltzberg, Sie sind Astrophysiker. Wie wird man zum wissenschaftlichen Berater einer Sitcom?

Die Schöpfer der Serie wollten die Momente vermeiden, wenn im Fernsehen einer wissenschaftlich tut und die Fachwelt zuckt schaudernd zusammen.

Wie sieht Ihre Arbeit genau aus?

Die Autoren schicken mir die erste Drehbuchfassung der betreffenden Folge. In den Scripts gibt es Leerstellen, da steht dann: „Hier ein bisschen Physik rein, bitte.“ Zum Beispiel, wenn Sheldon und Leonard irgendwelche verrückten Experimente planen, wie zum Beispiel den Mond mit einem Laser zu beschießen.

Die meisten Zuschauer würden sachliche Fehler doch gar nicht bemerken.

Stimmt, aber es geht auch um die Ehre.

Sie sind also eine Art Drehbuchlektor?

Nein, ich bin auch am Set und dort für die Whiteboards zuständig, die Tafeln, die die Nerds in ihrem WG-Wohnzimmer oder im Büro hängen haben. Darauf stehen immer Formeln. Die beziehen sich meistens auf ein Thema im Dialog, manchmal suche ich mir aktuelle Fragen der Physik. Meine Kollegen freuen sich dann, wenn ihre neuesten Forschungsergebnisse im Fernsehen auftauchen.

Alle in der Serie gezeigten Formeln sind korrekt?

Hundertprozentig. Neulich hat mir einer von der NASA einen Fehler nachweisen wollen, aber da haben wir gleich mal nachgesehen. Von wegen falsch, die Gleichung war nur ein bisschen schlampig auf das Board geschrieben worden.

Glauben die Leute nicht sowieso: Die ganzen Wissenschafts¬zitate sind zusammenfantasiert?

Klar, aber das ist ja das Beste, wenn dann einer googelt und feststellt, dass es all diese Dinge wirklich gibt: Suprafluidität, dunkle Materie. Wir sind sozusagen wissenschaftliche Erzieher, inkognito.

Es gibt regelmäßig Laborszenen in der Serie. Sind Sie da auch gefragt?

Und wie. Neulich hat mich die Requisitenabteilung angerufen. Es ging um ein Experiment, das Leonard machen sollte. Die Originalteile dafür wären sehr teuer gewesen, Vakuumröhren, Sie verstehen.

Ehrlich gesagt …

Na, ja, ich hatte noch eine Menge passendes Zeug zu Hause rumliegen, das habe ich den Jungs gegeben, und dann haben sie nach meinen Angaben eine wunderschöne integrierte Ionenfalle gebaut. Manchmal denke ich, bevor ich Kollegenbesuch bekomme, sollte ich mir von den Requisiteuren ein paar richtig schicke Sachen basteln lassen.

Wie hat die wissenschaftliche Szene die Serie aufgenommen?

Viele dachten erst, jetzt werden wir heftig durch den Kakao gezogen. Mittlerweile sind die meisten begeistert. Ich war vor zwei Wochen bei einer Tagung, da haben mir einige Studierende gesagt, aufgrund von „Big Bang Theory“ würden sie jetzt mehr Kurse belegen. Auch wenn wir Nerds zeigen, richtig irre Typen, sind diese Leute doch total liebenswürdig.

Viele Ihrer Studierenden träumen sicher davon, mal ans Set zu kommen.

Und wie. Deshalb gibt es auch den „Geek of the week“. Während des Semesters nehme ich pro Woche einen Studierenden mit zu den Dreharbeiten. Das sind meistens Hauptfachstudierende, die besonders fleißig waren. Und die Macher der Serie kriegen im Gegenzug noch andere meiner Spezis zu Gesicht. Die sollen ja nicht denken, alle Physiker sähen so aus wie ich.

Hat Ihre Beratertätigkeit für die Serie Ihre Art zu unterrichten beeinflusst?

Wenn man eine Dialogszene im Fernsehen sieht, dann wirkt das so simpel, und man bemerkt nicht, dass Dutzende Profis im Hintergrund arbeiten, um das hinzukriegen. Eine Vorlesung dagegen ist eine simple Performance. Da wird man ein bisschen bescheidener und hält sich nicht mehr für den ganz tollen Hengst.

Sheldon, einer der Seriencharaktere, ist ein extremer Nerd: hochbegabt, arrogant und nervig. Ist das ein plausibler Charakter?

Neulich waren wir beim Mittagessen, und ich habe die Platzverteilung so kompliziert gemacht und mich dann auch noch über das Klima in der Kantine und über das Publikum beschwert, dass ein Kollege sagte: Mann, du benimmst dich schon wie dieser schräge Typ aus der Serie.

  Weitersagen Kommentieren (1) Merken Drucken

22.01.2013, 10:00 Uhr

Weitersagen
 
Der neue Hochschulanzeiger - ab heute am Kiosk und hier online.

Unsere Autorin Franziska Bulban ist auf der Suche nach einem neuen Zuhause für einen Gartenzwerg. Dazu steigt sie in das nächste Flugzeug für 200 Euro und kommt mit anderen Studenten in London, Rom und Kopenhagen ins Gespräch. Die kleine Reisekolumne des Hochschulanzeigers berichtet über dieses Experiment. Mehr