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Erste Klasse in der Boxengasse Wir begleiten ein Team zur Formula Student Germany auf dem Hockenheimring

Einmal im Jahr treten auf dem Hockenheimring mehr als hundert Uni-Teams mit ihren selbst gebauten Rennwagen gegeneinander an. Dabei geht es für viele der internationalen Teams der Formula Student Germany nicht um den ersten Platz – sondern um den Job von morgen. Ein Rennbericht.

Christoph Beißwanger drückt zweimal aufs Gaspedal und lässt den Motor aufheulen. Es ist kurz nach halb elf an diesem sonnigen Morgen, und der Rennwagen mit der Nummer 55 kann jetzt endlich ins Geschehen eingreifen. Kupplung kommen lassen, auf der kurzen Geraden beschleunigen und dann nach links auf den Parcours. Christoph hat einen guten Start erwischt: Sein Wagen ist schnell auf Tempo und fädelt sich durch die engen Kurven, die von grün-weißen Pylonen markiert werden. Außer ihm sind noch vier Konkurrenten auf dem Rundkurs unterwegs, darunter Wagen 27 aus Mumbai und Wagen 29 aus Loughborough in Großbritannien. Benzingeruch liegt in der Luft, und das Knattern der fünf Motoren hackt auf die Trommelfelle der 5.000 Zuschauer in Hockenheim.

Einer von ihnen ist Konstantin Jasper Schick-Witte, der sich gerade an das Metallgitter lehnt, das den Startbereich der Rennstrecke abschottet. Die blaue Baseballkappe sitzt schief auf seinem Kopf, und sein Blick sagt: Es ist eine Qual. Denn jetzt kann Konstantin nichts mehr tun. Nur noch hoffen, dass der Wagen durchhält. Fast jede freie Minute hat der 23-jährige Maschinenbaustudent in den letzten Monaten in das schwarz-weiß-rote Rennauto investiert, das aussieht wie ein geschrumpfter Formel-1-Bolide, der irgendwo unterwegs seine Spoiler verloren hat. Immer wieder gerät der Wagen aus Konstantins Blickfeld, verschwindet hinter einer Mauer oder hinter den Zuschauern. Dann schießt ihm sofort diese Frage in den Sinn: Ist er liegen geblieben? „Es ist schon extrem unangenehm, wenn man gar keinen Einfluss mehr hat“, sagt Konstantin. Vor allem die Öltemperatur macht ihm Sorgen. Viel zu hoch war sie in den letzten Tagen. Hält der Motor das so lange aus? Ein gutes Jahr lang haben Christoph, Konstantin und 28 Kommilitonen vom Team „Fasttube“ der TU Berlin auf diesen Tag hingearbeitet. Es ist der erste Sonntag im August, und heute erreicht die Formula Student Germany auf dem Hockenheimring ihren jährlichen Höhepunkt: 108 Rennwagen müssen jetzt beweisen, dass sie schnell und zuverlässig sind. 77 Autos mit Verbrennungsmotor und 31 Elektrorennwagen treten dieses Jahr in den Kategorien „Formula Student Combustion“ und „Formula Student Electric“ gegeneinander an. In den fünf sogenannten dynamischen Disziplinen müssen die Rennwagen Ausdauer, Fahrdynamik, Beschleunigungsvermögen, Kurvenlage und geringen Spritverbrauch unter Beweis stellen. In den drei statischen Disziplinen müssen ihre Konstrukteure bei Diskussionen mit Experten zeigen, dass sie technisches Verständnis, Kenntnisse über Fertigungsprozesse und ein Gespür für den Automarkt haben. Studierende aus 25 Ländern sind dafür nach Hockenheim gekommen. In dem bunten Gewusel am Streckenrand trifft man Teams aus Deutschland, Spanien, China, Ecuador und Australien. Am meisten fallen ein paar Amerikaner auf, die stets mit der US-Fahne über das Gelände spazieren.

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