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Los, jag mich: Die Geheimnisse der Headhunter-Industrie „Pssssst“

 ·  Kaum eine Branche gilt als so verschwiegen wie die der Headhunter. Und kaum jemand kennt sich in der Branche so gut aus wie Anwalt und Wirtschaftsjournalist Rainer Steppan. Uns hat er verraten, wie man einen Headhunter auf sich aufmerksam macht und weshalb nach einer Fehlentscheidung Yahoos CEO seinen Hut nehmen musste.

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Herr Steppan, in Deutschland gibt es mehr als 2.000 Personalberatungsfirmen, darunter zahlreiche One- oder Two-Man-Shows. Haben die alle ihre Daseinsberechtigung?
In einer freien Marktwirtschaft hat jeder seine Daseinsberechtigung, insbesondere dann, wenn er genug Kunden hat. Aber in der Tat sind die Eintrittsbarrieren niedrig: Zulassungsbeschränkungen gibt es nicht. Früher hieß es: Man braucht nicht mehr als ein Büro mit Telefon. Heute kommt wohl noch der Internetanschluss dazu.

Sind die nicht vorhandenen Zulassungsbeschränkungen daran schuld, dass die Headhunter-Branche einen so schlechten Ruf hat?
Der Ruf ist seit 1994 besser geworden. Damals hat der Gesetzgeber das Vermittlungsmonopol der Bundesagentur für Arbeit entscheidend gelockert. Seit dieser Zeit gibt es auch so gut wie keine Prozesse mehr, die das Ansehen der Branche beschädigen. Andererseits gibt es immer noch wirklich üble Gestalten in der Szene. In der Regel sind das aber keine Berater, sondern Researcher, die auf Provisionsbasis arbeiten. Sie geben sich am Telefon als namhafter Personalberater aus oder erfinden andere Storys, um die gewünschten Informationen zu bekommen.

Mit welchem Ziel?
Sie wollen wissen, ob jemand wechselwillig ist oder wer für eine aktuelle Suche von Interesse sein könnte. Vieles von dem, was da gemacht wird, ist allerdings unzulässig. Laut Bundesgerichtshof dürfen Headhunter grundsätzlich nur Zielpersonen anrufen, also Manager, die für eine vakante Position infrage kommen. Anrufe bei sogenannten Quellen, also am Arbeitsplatz von Mitarbeitern, die lediglich Informationen liefern sollen, sind nach wie vor verboten.

Wie kann man herausfinden, ob man es mit einem seriösen Personalberater zu tun hat?
Am besten ist es, einfach zurückzufragen: Wer ruft an, von welcher Beratungsfirma? Hat man es mit einem externen Researcher zu tun oder mit einem Berater? Welche Telefonnummer hat der Anrufer? Wenn man diese Informationen hat, kann man den Anrufer am Abend oder am Wochenende zurückrufen und in der Zwischenzeit im Internet recherchieren, welches Beratungsunternehmen hinter dem Anruf steckt.

Was, wenn man den Namen im Netz nicht findet?
Dann sollte man vorsichtig sein, keine detaillierten Informationen geben und schon gar keine Unterlagen verschicken.

Ist es realistisch, den Namen des suchenden Unternehmens am Telefon zu erfahren?
Das kommt ganz darauf an, um welche Position es geht. Grundsätzlich sind Headhunter verpflichtet, so diskret wie möglich zu arbeiten. Das heißt auch, dass sie den Namen des Auftraggebers erst kurz vor der Präsentation der Kandidaten preisgeben. Andererseits ist es das legitime Interesse eines Kandidaten, frühzeitig zu wissen, für welches Unternehmen er arbeiten soll.

Laut Studien werden drei Viertel aller Management-Positionen ohne öffentliche Ausschreibung besetzt. Was muss man also tun, um als Wechselwilliger in den sogenannten verdeckten Arbeitsmarkt zu gelangen?
Das ist verdammt schwer. Zunächst einmal muss man nach Headhuntern suchen, die Klienten in der Branche haben, für die man tätig ist. Es ergibt keinen Sinn, wenn zum Beispiel ein Nachwuchsmanager in einem Handelsunternehmen seine Bewerbungsunterlagen an einen Headhunter schickt, der ausschließlich für Maschinenbau-Unternehmen tätig ist. Man kann im Internet nach den Branchenspezialisten unter den Headhuntern fahnden oder vertrauenswürdige Kollegen fragen. An diese Headhunter schickt man eine sogenannte Initiativbewerbung: kurzes Anschreiben mit Lebenslauf – und zwar per E-Mail.

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07.11.2012, 09:00 Uhr

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