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Absolute Beginner Anfänger-Glück

 ·  Die ersten Monate im neuen Job sind häufig super. Und genauso häufig super anstrengend. Wir haben fünf Ex-Studierende getroffen und uns von ihren ersten Monaten in der Arbeitswelt berichten lassen. Alles über Geschäftsessen mit Koreanern, Möbel mit Fettpolstern und einen Klassenraum mit 30 Kindern lesen Sie hier.

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Ich bin Problemlöserin und Entscheidungshelferin. Wenn eine Firma ein neues Produkt auf den Markt bringen oder seine Marke schärfer definieren will, dann entwickle ich mit meinen Kollegen Handlungsempfehlungen. Für einen Kunden befasse ich mich zum Beispiel gerade mit dem weltweiten Kaffeemarkt und erarbeite eine Marktstrategie für seine neuartigen Produkte, die einen Markt jenseits von Kaffeepads und -kapseln bedienen sollen. Damit ich weiß, wovon ich rede, lese ich mich jeden Tag quer durch unterschiedlichste Blogs, Magazine, wissenschaftliche Studien und betreibe Marktforschung. Wie man strategisch dabei vorgeht, die wahren Probleme hervorzubringen, habe ich während meines Studiums gelernt. Mein Job gefällt mir sehr gut. Dennoch hatte ich mir alles etwas aufregender vorgestellt. Ich hatte gedacht, dass ich viel mehr bewegen kann, als es derzeit der Fall ist. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, mich in die Welt unserer Auftraggeber und deren Kunden einzufühlen und Kommunikationskonzepte und Geschäftsmodelle zu entwickeln, die ihnen dabei helfen, langfristig erfolgreich zu bleiben. Leider gibt es hin und wieder Projekte, bei denen Ideen so lange totgeredet werden, bis am Ende kaum noch etwas von unseren ursprünglichen Einfällen übrig ist. Wirklich innovative Konzepte haben es schwer in Deutschland, weil sich kaum eine Firma traut, etwas ganz Neues auszuprobieren. Das ist ein Punkt, der mich stört – gerade weil wir so ein kreatives Team sind und so viel Potenzial haben. Oft komme ich abends total erschöpft nach Hause und habe keine Energie mehr, etwas zu unternehmen –, obwohl ich jetzt das nötige Geld dazu hätte. In meinem ersten Berufsjahr habe ich gelernt, dass man nichts geschenkt bekommt. Man muss seine Rechte selbst einfordern, etwa wenn es um Gehaltserhöhungen geht, und sich klare Ziele setzen. Mein nächstes heißt Istanbul. Dort will ich mich nächstes Jahr selbständig machen – und einfach mal ausprobieren, was ich aus eigener Kraft bewegen kann.

WER?
Deniz Ficicioglu, 29
WAS?
Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikationsstudium an der Universität der Künste, Berlin
UND JETZT?
Seit Oktober 2011 Strategin bei der Innovationsagentur „Nerd Communications“ in Berlin

Jeden Morgen, wenn ich meinen Anzug anziehe und mir eine Krawatte umbinde, schlüpfe ich in meine neue Rolle als Berufstätiger. „Kleiden Sie sich jeden Tag so, als könnten Sie jederzeit zu einem Termin ins Hotel Vier Jahreszeiten gehen.“ So lautet das Motto des Handelshauses, für das ich arbeite. Trotzdem ist die Stimmung dort viel lockerer als gedacht. Nach der Arbeit gehe ich oft mit Kollegen zum After-Work-Club, und letztens waren wir in der Golflounge. Mein Studium an der HSBA hat mich sehr gut auf die Anforderungen des Berufslebens vorbereitet, weil ich die Hälfte der dreijährigen Ausbildung bereits in verschiedenen Unternehmen verbracht habe. Schon drei Monate vor Studienende hatte ich die Zusage für meinen ersten Job in der Tasche – ein sehr beruhigendes Gefühl. Trotzdem ist es ganz anders, plötzlich fest in einem Unternehmen zu arbeiten. Ich möchte nicht mehr so viele Fragen stellen und muss die Firma repräsentieren. C. Illies & Co. exportiert Maschinen nach Asien. Viele der Technologien sind so komplex, dass ich mich genau einlesen muss, bevor ich mich mit Handelspartnern treffe. Vor allem bei Terminen mit Geschäftskunden aus dem Ausland wird mir meine Verantwortung bewusst. Gerade war ich mit sechs Koreanern in München, die mich mit Fragen gelöchert haben. „Wie viele Einwohner hat München? Welche sind die wichtigsten Firmen hier?“ Da ist es hilfreich, die passenden Antworten zu haben. Reisen ins Ausland finde ich aufregend und anstrengend zugleich, weil ich den ganzen Tag mit den Kunden verbringe und professionell wirken muss. Man lernt, mit älteren Leuten zu reden, und übernimmt deren Verhaltensweisen. Oft erwische ich mich dabei, dass ich mich auch in meinem Privatleben gewählter ausdrücke. Außerdem bin ich nicht mehr so spontan wie früher und plane Lunchtermine mit Freunden zwei Wochen im Voraus. Zum Glück arbeiten viele meiner Kumpels auch schon. Im Unterschied zu denen, die noch studieren, sind wir viel organisierter und auch ein Stück weit abgeklärter.

WER?
Benjamin Renner, 25
WAS?
Wirtschaftsstudium an der HSBA Hamburg School of Business Administration
UND JETZT?
Seit März 2011 als Vertriebsmitarbeiter beim Handelshaus C. Illies & Co. in Hamburg

Dranbleiben! Das ist die wichtigste Lektion, die ich in meinem ersten Jahr als freiberufliche Textilproduktdesignerin gelernt habe. Je mehr Galerien meine Möbel ausstellen und je mehr ich auf Messen für meine Produkte werbe, desto besser. Sich gut zu verkaufen, macht 60 Prozent der Arbeit aus. Die Idee kann noch so kreativ sein, aber nur wenn man sich einen Namen macht, kann man 500 Euro für einen Stuhl verlangen. Gleich nach dem Studium war mir klar, dass ich eigenständig Ideen entwickeln will. Wie schwierig das werden würde, hat mir vorher kein Dozent gesagt. Das Studium an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg ist sehr künstlerisch orientiert. Hilfestellungen, wie man sich später auf dem freien Markt behaupten kann, bekommt man leider nicht. Dabei ist die Konkurrenz riesig und der deutsche Möbelmarkt relativ klein. Meine erste Kollektion „Deform“ bestand aus Hockern mit X Beinen und Stühlen mit Fettpölsterchen – und es hat einige Zeit gedauert, bis ich die passenden Käufer gefunden habe. Eine Italienerin hat meine Möbel in ihrer Galerie bei Neapel ausgestellt, was für mich eine tolle Bestätigung war. Generell ist es gar nicht so leicht, die richtigen Leute kennenzulernen. Auf Märkten für Hobby-Kreative trifft man sie auf jeden Fall nicht, sondern eher auf Fachmessen wie der „Maison et Objet“ in Paris oder auf der DMY in Berlin. Dort auszustellen kostet leider viel Geld. Das macht es Newcomern wirklich schwer, in den Markt hineinzukommen. Bislang übersteigen meine Ausgaben meine Einnahmen noch, und ich bin auf Sponsoren angewiesen, wenn ich etwa Material wie Schaumstoff für neue Prototypen brauche. Ständig bin ich damit beschäftigt, mich selbst zu vermarkten. Ich muss Flyer entwerfen und drucken, meine Produkte fotografieren, Werbetexte schreiben und meine Website auf dem neuesten Stand halten. Nach dem Erfolg meiner eher etwas teureren Sitzmöbel habe ich mir für meine nächste Kollektion vorgenommen, Produkte zu entwerfen, die einen größeren Markt haben. Man muss eben vor allem praktisch denken, wenn man endlich mal Geld verdienen will …

WER?
Milena Krais, 26
WAS?
Textilproduktdesign-Studiuman der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg
UND JETZT?
Seit einem Jahr freiberuflich als Produktdesignerin in Hamburg tätig


In den ersten Wochen an der Schule sind so viele neue Eindrücke auf mich eingeströmt, dass ich dachte: Das schaffe ich nie! Es ist ein Unterschied, ob man sich in einem Büro einzig und allein auf vier Kollegen einstellen muss oder auf eine Klasse mit 30 Schülern, die alle ihre eigenen Probleme mitbringen, auf die man eingehen muss. Ich habe schnell gemerkt, dass in der Praxis nicht alles so funktioniert wie in der Theorie. Letztens haben sich zwei Schüler in der Pause geprügelt, und danach war kaum noch Unterricht möglich. Da ist man dann mehr mit Erziehungsarbeit beschäftigt als mit dem eigentlichen Lehrstoff. In solchen Momenten ist es wichtig, nicht enttäuscht oder frustriert zu sein. Man muss seine Erwartungen dann zum Teil zurückschrauben. Von der Uni habe ich mich nicht ausreichend auf die Schule vorbereitet gefühlt, obwohl die Uni Potsdam meines Erachtens schon sehr praxisorientiert ist. Vieles, was ich dort gelernt habe, war dennoch viel zu theoretisch. Zum Glück habe ich schon während des Studiums als Aushilfslehrerin arbeiten können, sodass der Beginn des Referendariats für mich keinen Sprung ins eiskalte Wasser bedeutete – so wie es bei vielen anderen Lehramtsanwärtern der Fall ist. Viele merken leider zu spät, dass sie sich für den falschen Job entschieden haben. Perfekt wäre es, wenn man sein erstes Praktikum schon im ersten Semester machen müsste und nicht erst im fünften. Außerdem sollte es eine Art Eingangstest geben, bei dem geprüft wird, ob jemand das Lehramtsstudium beginnen darf. Denn nicht jedem liegt die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Ich habe schnell gemerkt, dass der Schulalltag genau mein Ding ist. Ich kann gut mit Kindern und finde den Beruf sehr menschlich. Man hat viele soziale Kontakte, und es wird definitiv nie langweilig. Trotzdem bin ich nach der Arbeit häufig so erschöpft, dass ich erst mal ein Mittagsschläfchen machen muss. Seit ich arbeite, gehe ich abends nicht mehr so viel weg, weil das ungemein viel Energie kostet. Dennoch sind Auszeiten wichtig. Wenn ich unzufrieden mit meinem Privatleben bin, wirkt sich das auch auf den Unterricht aus. Ich bereite mich lieber mal nicht hundertprozentig vor, als vor lauter Überarbeitung mit Augenringen und schlechter Laune vor der Klasse zu stehen. Ich bin gern Lehrerin und will mir meinen Idealismus nicht nehmen lassen. Wenn ich spüre, dass bei einem Schüler der Groschen gefallen ist, dann ist das für mich die schönste Belohnung für all die Arbeit.

WER?
Marleen Wöhe, 28
WAS?
Lehramtsstudium an der Universität Potsdam
UND JETZT?
Seit diesem Sommer Lehrerin für Spanisch und Deutsch an einem Gymnasium in Berlin-Charlottenburg

Ich empfinde meine Arbeit als sehr erfüllend, weil die effiziente Nutzung von Energie von hoher Bedeutung ist. Nicht nur für die Zukunft des Industriestandortes Deutschland, sondern auch für die Bekämpfung von Hungersnöten in den ärmsten Regionen der Welt. Seit ich als Consultant in der Energieberatung arbeite, sauge ich alle Informationen zu dem Thema auf und genieße es, mich mit meinen Kollegen auszutauschen. Zu meinen Aufgaben gehört es, Energieunternehmen und Energieverbraucher in Wirtschaftsfragen zu beraten und zum Beispiel mit ihnen zu analysieren, wie sie Energie einsparen können. Jedes Projekt ist anders, weshalb es nie langweilig wird. Ich reise viel, treffe die unterschiedlichsten Menschen – dass Zufriedenheit im Job einem derart viel Rückenwind geben kann, hätte ich nicht erwartet. Außerdem habe ich wirklich das Gefühl, das zu tun, was ich schon immer machen wollte. Verrückterweise habe ich jetzt fast mehr Freizeit als während meines Studiums. Ein Büro hat ja den Vorteil, dass man in der Regel die Arbeit dort lassen kann. Ich erlebe jetzt erstmals einen Feierabend ohne das Gefühl, eigentlich noch an etwas arbeiten zu müssen. Freie Wochenenden waren für mich während des Studiums eine Seltenheit bis hin zu undenkbar. Insofern ist mir die Umstellung vom Studentendasein auf den Arbeitsalltag nicht allzu schwergefallen. Stattdessen freue ich mich, all das anwenden zu können, was ich gelernt habe. Es ist eine schöne Bestätigung, gebraucht und gewollt zu werden. Gleich nach meinem Abschluss haben mir mehrere Firmen Jobs angeboten – und ich konnte mir den heraussuchen, der mir am besten gefällt.

WER?
Konrad Hnatow, 28
WAS?
Studium zum Wirtschaftsingenieur an der Technischen Universität Darmstadt
UND JETZT?
Seit August 2012 Energieberater bei Scherbeck Energy in Berlin. Nebenher: Promotion an der Technischen Universität Berlin mit einer Arbeit über die Solarindustrie

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