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Zu den Wolken und weiter: Jobs in Luft- und Raumfahrt

 ·  Die Luft- und Raumfahrtindustrie boomt, doch wie findet man den richtigen Einstieg in eine dieser beiden beliebten Branchen?

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Die Lage in der Luftfahrt ist schlecht. Sagt ein Sprecher der Lufthansa, die gerade Stellen abbaut. Die Lage in der Luftfahrt ist gut. Sagt ein Sprecher von Europas größtem Luft- und Raumfahrtkonzern, EADS (European Aeronautic Defence and Space Company), für den über 133.000 Menschen arbeiten. Die beiden so unterschiedlichen Ansichten bedingen einander. Der Stellenabbau bei den Fluglinien hat, neben Wirtschaftskrise und Billigflieger-Konkurrenz, vor allem eine Ursache: steigende Kerosinpreise. Die zwingen viele Fluggesellschaften zum Sparen – und zum Investieren in neue, kerosinsparende Flugzeugmodelle. An der großen Nachfrage nach neuen Modellen verdient wiederum EADS: Dem Konzern gehört Airbus, neben Boeing der größte Flugzeughersteller der Welt. Die Flugbranche ist also zweigeteilt: „Den Fluggesellschaften und Flughäfen geht es nicht gut“, sagt David Haße, Betreiber der Branchen-Website airliners.de, „aber die Industrie hat sehr gut zu tun.“

Auf den ersten Blick ist die Sache klar: Wer in die Luftfahrtbranche möchte, wählt einfach den Industriezweig, wenn es dem Servicezweig schlecht geht. Doch so einfach ist das nicht. Der Industriezweig ist viel kleiner und elitärer, wie ein Blick auf die Gesamtbeschäftigtenzahl zeigt: Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft schätzt, dass in Deutschland etwa 850.000 Menschen direkt und indirekt in der Luftfahrt beschäftigt sind; dazu zählen auch die Zulieferer. Wie viele davon aber sind im produzierenden Gewerbe? Die Antwort weiß der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI): Im vergangenen Jahr waren es in Deutschland 97.438 Menschen. Größter Arbeitgeber ist Airbus mit über 23.000 Angestellten.

Den Aufwärtstrend in der Luftfahrtindustrie belegt EADS mit Zahlen: Zwischen 2007 und 2011 sind die Einkommen von 20 auf 25 Milliarden Euro gestiegen. Bis Ende 2012 will der Konzern zudem 5.000 neue Beschäftigte einstellen – davon 1.800 in Deutschland. Neben Luftfahrtingenieuren sucht EADS Elektrotechniker, naturwissenschaftliche Informatiker und Design- und Konstruktionsingenieure. Dass neue Kräfte gebraucht werden, bestätigt auch Boeing: Jedes Jahr gibt der Flugzeughersteller eine Prognose heraus, den sogenannten Market-Outlook. Und für Berufsanfänger ist es ein rosiger Blick in die Zukunft: Wegen der steigenden Passagierzahlen sieht Boeing in Europa bis zum Jahr 2031 einen Bedarf von 7.760 neuen Flugzeugen – im Wert von 970 Milliarden US-Dollar.

Wer soll die bauen? Eine berechtigte Frage, wenn man die Ergebnisse einer BDLI-Umfrage unter Unternehmen und Regionalverbänden der Luft- und Raumfahrt sieht: Über die Hälfte gab an, mittlere bis große Schwierigkeiten zu haben, den Eigenbedarf an Ingenieuren zu decken. Zudem kam heraus, dass die meisten Unternehmen zukünftig weniger Auszubildende und mehr duale Studenten einstellen werden. Und EADS will ausgerechnet haben, dass ab 2018 jedes Jahr 44.000 Ingenieure in Deutschland in Rente gehen werden. Wenig verwunderlich auch der Rat eines BDLI-Sprechers: „Am besten ist es wirklich, Luft- und Raumfahrttechnik zu studieren.“ (Übersicht der Studiengänge unter www.skyfuture.de) Bedenklich für den Verband ist, dass viele Absolventen nach ihrem Studium von anderen Industriezweigen abgeworben werden, etwa von der Automobilindustrie oder von Unternehmen, die sich auf erneuerbare Energien spezialisiert haben. Natürlich, sagt er, wollen auch viele Absolventen zu den Branchengrößen wie Airbus oder Boeing, „aber auch mittelständische Luft- und Raumfahrtunternehmen bieten sehr sichere Arbeitsplätze.“ Wie stark die Branche boomt, zeigt eine einfache Zahl: Wer heute bei Airbus ein Flugzeug bestelle, bekomme es in fünf Jahren.

Angesichts dieser Zahlen erweckt die Raumfahrt den Eindruck einer Nischenindustrie: Auch wenn Luft- und Raumfahrt stets in einem Atemzug genannt werden – weniger als acht Prozent der unter diesem Begriff zusammengefassten Beschäftigten sind in der Raumfahrt tätig. Einer der größten Arbeitgeber in Deutschland ist ein Dienstleister mit Sitz in Bremen: HE Space ist eine Personalfirma für Raumfahrtingenieure und Claudia Kessler ihre Geschäftsführerin. Wie schätzt sie die Aussichten in ihrer Branche ein? „Die Europäische Weltraumorganisation ESA beschließt alle vier Jahre die Budgets für Raumfahrtprojekte“, sagt sie: „Und die sind sehr stabil.“ Das zuletzt beschlossene Budget für die kommenden zwei bis fünf Jahre beträgt zwölf Milliarden Euro. Geförderte Projekte sind etwa die Raumstation ISS, das Galileo-Kontrollzentrum im bayerischen Oberpfaffenhofen, das Europäische Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt und die Bodenstationen im italienischen Fucino und in Toulouse. Generell arbeiten in Frankreich mit über 12.000 doppelt so viele Menschen in der Raumfahrt wie in Deutschland. Gute Einstiegschancen hat man laut Kessler mit Studiengängen wie Softwaretechnik, Maschinenbau oder Elektrotechnik. In Zukunft werden vor allem anwendungsnahe Bereiche wie Telekommunikation, Erdbeobachtung oder Navigation Zuwachs haben, „eben überall dort, wo die Raumfahrttechnologie ins tägliche Leben eingreift“, sagt Kessler. Und wer an der Raumfahrt interessiert, aber wenig technikaffin ist, kann Raumfahrtrecht studieren und beispielsweise am Europäischen Institut für Weltraumpolitik in Wien arbeiten. Nur wer von Spaziergängen auf dem Mond träumt, denkt etwas naiv. Um Astronaut zu werden, braucht man einen langen Atem. Derzeit beschäftigt die ESA 14 Astronauten. Wer ernsthaft Interesse daran hat, der 15. zu werden, muss ein wissenschaftliches Studium wie Physik, Medizin oder auch Geologie abgeschlossen haben. Eine Pilotenausbildung ist vorteilhaft, aber nicht zwingend erforderlich. Physische und psychische Belastbarkeit werde vorausgesetzt, genauso wie gute Teamfähigkeit. Die Vorauswahl trifft die ESA in internationaler Zusammenarbeit mit der NASA und der russischen Weltraumorganisation Roskosmos. Und was daran naiv ist? In der letzten Bewerbungsrunde zwischen Mai 2008 und Mai 2009 wurden 8.413 Bewerber getestet. Daran anschließend wurden im ESA-Hauptsitz in Paris die Auswahlgewinner vorgestellt: sechs neue Astronauten.

Die besten Links zu Messen, Gehältern, Arbeitgebern

www.ila-careercenter.de – Website der größten nationalen Fachmesse ILA (Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung) mit Jobbörse.
www.skyfuture.de – sehr übersichtliche Website zu allen Ausbildungsberufen und Studiengängen in Luft- und Raumfahrt.
www.skyfuture.de/standorte-luftfahrt-raumfahrt bietet eine Deutschlandkarte mit allen relevanten Standorten der Branche sowohl für Studiengänge als auch für Arbeitsplätze. Wichtigste Städte sind demzufolge Hamburg, Bremen, Berlin, Köln, Frankfurt und München.
www.pilotjobsnetwork.com gibt eine Übersicht über Einstiegsgehälter von Piloten im internationalen Vergleich.