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Ingenieure im Consulting : In zwei Welten zu Hause

  • -Aktualisiert am

Hat sein Ziel fast erreicht: der promovierte Luftfahrtingenieur Holger Lipowsky arbeitet heute als Principal bei Roland Berger. Bis zum Parnterstatus fehlt nicht mehr viel. Bild: Thorsten Jochim

Ingenieure im Consulting? Die Erfahrung zeigt, dass diese Kombination durchaus erfolgversprechend ist. Ein Überblick über Einstieg und Aufstieg in der Beratung.

          Ingenieure sind im Consulting gefragt. Sie bringen viele Anforderungen mit, die in der Beraterrolle wichtig sind: Sie sind faktenorientiert, stark in der Analyse von Problemstellungen, haben ein strukturiertes Denkvermögen und vor allem Durchhaltevermögen, gerade dann, wenn es mal richtig anstrengend wird. „Dieser Qualitäten sind sich Ingenieure meist gar nicht bewusst“, erklärt Holger Lipowsky, promovierter Luftfahrtingenieur und heute Principal im Bereich „Engineered Products & High Tech“ bei Roland Berger.

          Lipowsky spricht aus eigener Erfahrung: Nach der Promotion im Bereich Luftfahrt an der Universität Stuttgart stieg er 2009 im Consulting ein, doch das war nicht von langer Hand geplant: „Von der Welt des Consultings hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt kein detailliertes Bild, und ich wusste nicht wirklich, welche Herausforderungen auf mich als Ingenieur zukommen“, sagt der 37-Jährige. Über Doktorandenkollegen wurde er auf das Betätigungsfeld aufmerksam. Nach dem Besuch einiger gängiger Recruitingevents war klar, „dass Ingenieure dort sehr wohl ein spannendes Arbeitsfeld vorfinden“, so Lipowsky.

          Etwas anders gestaltete sich der erste Kontakt mit Consulting für Mark Andre Nix, den diplomierten Maschinenbauer mit den Schwerpunkten Fahrzeugtechnik und Produktion. Für ihn war das Thema Consulting schon im Studium präsent: Damals arbeitete er als Werkstudent bei der Continental AG und absolvierte verschiedene Praktika. „Meine Diplomarbeit habe ich über Prozessoptimierung in der Produktion geschrieben. Da wusste ich, dass mich das Thema begeistert. Bei einer Managementberatung kann ich meine Kompetenzen besonders gut weiterentwickeln.“ Seit einem Jahr arbeitet der 31-jährige Nix nun bei Porsche Consulting im Bereich Konsumgüter und Handel.

          Das Gehalt ist für Mark Andre Nix nebensächlich: Den Maschinenbauingenieur bei Porsche Consulting reizen am Consulting vor allem die Karrierechancen und Entwicklungsmöglichkeiten.
          Das Gehalt ist für Mark Andre Nix nebensächlich: Den Maschinenbauingenieur bei Porsche Consulting reizen am Consulting vor allem die Karrierechancen und Entwicklungsmöglichkeiten. : Bild: Jörg Eberl/Porsche Consulting

          Wirtschaftsingenieure sind breit aufgestellt

          Auch die Wirtschaftsingenieurin Anna-Maria Straßmeier kam mit dem Beruf des Consultants schon während ihres Masters in technologie- und managementorientierter Betriebswirtschaftslehre an der TU München in Berührung und entschloss sich, über Praktika das Arbeitsumfeld näher kennenzulernen. So fand sie auch schon früh den Weg zur weltweit tätigen Managementberatung Horváth & Partners. Nach einem viermonatigen Praktikum blieb die 28-Jährige damals mit dem Beratungsunternehmen über das Studentennetzwerk „Horváth Student Club“ in Kontakt. „Der regelmäßige Austausch mit den ehemaligen Kollegen und die nachhaltige Bindung führten dazu, dass ich nach dem Master bei Horváth gestartet bin.“ Sie arbeitet dort seit November 2014 als Consultant.

          Horváth & Partners stellt jedes Jahr im Durchschnitt 60 Absolventen ein – ein Drittel davon sind Ingenieure. Dabei liege die Präferenz auf Wirtschaftsingenieuren, so Sonja Baltes, Senior-HR-Managerin bei Horváth & Partners. Wirtschaftsingenieure seien vor allem aufgrund der Verbindung von betriebswirtschaftlicher Komponente und ingenieurswissenschaftlichem Know-how geschätzt.

          Bei den Beratungshäusern Porsche Consulting und Roland Berger sind die Beratungsschwerpunkte technischer ausgerichtet. Gerade hier bietet sich der Einstieg als klassischer Ingenieur an. Bei Porsche Consulting ist die konzerninterne Nähe zur Porsche AG der Grund für die technische Ausrichtung: „Unsere Berater sind Praktiker. Und große Teile unseres Praxiswissens stammen aus unserer Heimatbranche – der Automobilindustrie. Unsere Klienten sind insbesondere an dieser Expertise interessiert“, so Stefan Stock, Leiter Personal bei Porsche Consulting. „Wir brauchen dafür Leute, die die Wertschöpfungskette des Kunden in ihrer Tiefe und Breite verstehen – Berater, die zum Beispiel die Schnittstellen zwischen Produktion und Entwicklung in der Realität begreifen.“ Von etwa 70 neuen Beratern, die Porsche Consulting jährlich einstellt, haben daher rund 60 Prozent einen ingenieurswissenschaftlichen Hintergrund.

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