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Der Soul-Retter: Die unglaubliche Geschichte von DJ Dan D. : Rückkehr aus der Dunkelheit

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Viele Soul-Stars der 70er-Jahre leben heute vergessen, bankrott und zurückgezogen irgendwo in den USA. Ein Hamburger Soul-DJ spürt sie auf. Und gibt ihnen ihre Würde zurück.

          Niemand erkennt die Frau, wenn sie durch die Straßen der Bronx läuft: am Morgen, auf dem Weg zur Schule für schwer erzieh-bare Jugendliche, wo sie als Aushilfslehrerin arbeitet; am Nachmittag, auf dem Weg nach Hause, wo ihr Sohn wartet, den sie seit Jahren schon allein erzieht. Es ist nicht das Leben, von dem sie geträumt hat, damals in South Carolina. Im Gospelchor war sie als Sängerin entdeckt worden, hatte kurz darauf den Saxofonisten Melvin Burton geheiratet. Unter ihrem Mädchennamen Ann Sexton nahm sie in den 70er-Jahren ihre ersten Songs auf, brachte es bis in die R&B-Charts. You’ve Been Gone Too Long, You’re Losing Me, You’re Gonna Miss Me. Als hätte sie da längst geahnt, dass ihre Ehe bald scheitern würde.

          Die Karriere beginnt im Gospelchor. Ann Sexton gilt als Supertalent.

          Ihr Mann hat sie geschlagen. Als Manager hat er sie jahrelang um ihre Tantiemen betrogen. Für ihre Songs hat sie nie einen Cent gesehen. Irgendwann verfluchte sie den Soul, schnappte sich ihren Jungen und fing in New York ein neues Leben an. In der Bronx weiß kein Mensch, der sie durch die Straßen laufen sieht, um diese Geschichten. Und sie selbst hat keine Ahnung, dass es da draußen in der Welt, hinter dem Ozean Menschen gibt, Sammler aus Leidenschaft, Soul-Nerds, die bereit sind, für eine ihrer Vinylplatten von damals dreistellige Summen zu bezahlen. Bis eines Morgens im Lehrerzimmer das Telefon klingelt.

          Wenn man Daniel Dombrowe fragt, wie alles angefangen hat, zeigt er auf die Wand seines Büros in Hamburg-Hammerbrook, an der eine Urkunde hängt. Die Deutsche Disc-Jockey Organisation bescheinigt damit die erfolgreiche Teilnahme an einem DJ-Seminar („Discothekentechnik gestern und heute“) in Bielefeld, im Februar 1988. Dombrowe war damals 14 Jahre alt und legte am Wochenende Platten im Jugendzentrum auf. Pro Abend gab es 25 Mark Gage, und ein junger Stammgast legte fünf Mark drauf, wenn Daniel für ihn „Nightshift“ spielte. „Das hab ich dann fünfmal gemacht, kam mit 50 Mark raus und hab am nächsten Tag alles für Platten ausgegeben.“ Heute hat er 20.000 Stück zu Hause stehen und grinst nur, wenn man ihn fragt, wie viel sie wert sind. Ins Jugendzentrum kamen damals auch Bielefelder Scooterboys – Jungs mit weiten Jeans, gegeltem Haar und Motorrollern auf dem Hof. Manchmal brachten sie zum Tanzen ihre Soul-Platten mit ins Zentrum. Eine Weile lang, sagt Dombrowe, habe er ihre Musik einfach nur gemocht. Dann hörte er Jackie Wilson, „(Your Love Keeps Lifting Me) Higher and Higher“. Und wurde einer von ihnen.

          Dan D., so Daniel Dombrowes Künstlername, stieß spät zu einer Jugendkultur, die bereits Ende der 60er-Jahre in Großbritannien entstanden war und mit dem Label „Northern Soul“ versehen wurde. Die kleinen Schwestern und Brüder der Mods sammelten seltene, tanzbare Soul-Platten, die sie sich anschließend gegenseitig bei sogenannten Soul Allnighters vorspielten. Je rarer die Pressung, desto höher das Prestige. Als Dombrowe 1997 zum Studieren nach England ging, besuchte er etliche dieser Partys. Die DJs hätten damals während ihrer Sets mit den Songs oft angekündigt, wie viel sie für die jeweilige Single bezahlt hatten – manchmal fünf Pfund, manchmal auch 5.000. Lange Zeit, sagt Dan D., habe er sich selbst gar nicht dafür interessiert, wer die Künstler hinter den Titeln waren. „Ich hab mich nur gefragt: Welcher DJ hat so viel Geld, dass er sie spielen kann?“ Dann jedoch sei ihm klar geworden, wie „dealergemacht“ die Szenepreise seien – ohne dass die Musiker in irgendeiner Weise von ihrem steigenden Marktwert profitierten.

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