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Die Tage des Drachen : Das Fernsehen sucht die TV-Serien-Erfinder von morgen. Drei Münchner probieren es beim Sender Sky

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Falco Jagau will eine Fernsehserie schreiben, wie man sie nur von HBO kennt: aufwendig, überraschend, clever. Bild: Stephanie Fuessenich

Seit Jahren träumt der Filmhochschulabsolvent Falco Jagau von einer Fernsehserie: von einer Geschichte, in der Geheimbünde, Drachen, für unwahr gehaltene Mythen zum Leben erwachen. Als der Sender Sky einen Talentwettbewerb ausschreibt, ist das Falcos große Chance. Wir haben ihn und sein Team ein halbes Jahr lang begleitet – bis vor die Tür, hinter der die Expertenjury des Senders entscheiden soll, ob Falcos Idee eine Chance bekommt und die Drachen zum Leben erwachen. Ein Thriller.

          Wenn Falco Jagau von seiner Geschichte erzählt, gehen seine Augen weit auf, wie bei einem Kind. „Es geht um Macht, um deutsche Geschichte, um Mythen, Liebe und Verschwörung“, sagt er. Sein Blick tastet nach der Reaktion des ihm Gegenübersitzenden. Versteht der, was ich meine? Wie findet er das? Falcos Ideen sind komplex und ungewöhnlich. Die Geschichte ist nicht leicht zu verstehen. Seit fünf Jahren trägt er die ­Figuren, ihre Rollen und die Bilder schon in seinem Kopf. Dort sind sie gewachsen, vielschichtiger geworden.

          Der Pay-TV-Sender Sky Deutschland sucht nach Geschichten. Sky will eine Serie produzieren, wie es sie hierzulande noch nicht gab: einen anspruchsvollen Stoff, der nicht jedem gefallen muss. Die Serie soll nicht dem Einheitsbrei ähneln, den man aus dem deutschen Fernsehen kennt. „Tatort“, „Um Himmels Willen“, „Alarm für ­Cobra 11“. Vorbild ist laut Sky der amerikanische Bezahlsender HBO. Dort laufen Formate wie die Fantasy-Geschichte „Game of Thrones“ oder Barack Obamas Lieblingsserie „The Wire“. Die deutschen Sender beneiden die Amerikaner um solche Stoffe, Kritiker und Publikum lieben sie. Im Mai schrieb das Handelsblatt, dass Sky für die neue Serie bis zu drei Millionen Euro pro Programmstunde ausgeben wolle. Ein durchschnittlicher deutscher TV-Film kommt mit einer Million aus.

          In Falcos Geschichte geht es um drei ungleiche Schüler: Ruben, Hendrik und Laura. Sie geraten während eines Schulausfluges in das Visier eines ominösen Geheimbundes. Die Verschwörer verfolgen sie, es wird gefährlich. Es kommen Geheimnisse der deutschen Geschichte ans Licht, die bis in die Kaiserzeit zurückreichen. Mythen, Märchen, kombiniert mit historischen Fakten. Eine uralte Prophezeiung scheint real zu werden. Aber kann das sein? Hier entsteht die Spannung. Die Geschichte erzählt von Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsenwerden, die mit den Verlockungen der Macht konfrontiert werden. Mehr möchte Falco nicht verraten. Im Frühling 2013 bekommt er eine Mail von seiner ehemaligen Uni, der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München. Es geht um eine Kooperation der HFF mit Sky: „THE WIRE … BREAKING BAD … GAME OF THRONES … HOMELAND … – Und wer von euch hat eine eigene Serien­idee? Alles, was sonst eher nicht erlaubt ist, ist jetzt gefragt!“ Sky hat einen Wettbewerb ausgeschrieben, die beiden besten Ideen sollen jeweils 5.000 Euro bekommen. Im August können die Teilnehmer ihre Idee den Sky-Leuten vorstellen. Auch der Filmchef, Marcus Ammon, wird zu diesem Pitch kommen. Bis Ende September müssen die Konzepte schriftlich nachgereicht werden.

          Die Chance, eine Serie zu entwickeln, die wirklich gesendet wird, scheint plötzlich real. Und das bei einem Sender, der etwas wagen will und genug Geld hat. Falco überlegt nicht lange, er will mitmachen. Seine Geschichte soll eine Fernsehserie werden. Arbeitstitel: „Die Tage des Drachen“.

          Ein Montagabend Anfang Juli. Falco hat sich für seinen Plan ein Team gesucht: Tobias Huber, smart und selbstbewusst, studiert Filmproduktion, und Henning Pulß, Drehbuch. Henning ist eher zurückhaltend, wie Falco. Sie sitzen zusammen an einem Tisch auf der Terrasse der HFF-Cafeteria. „Falcos Idee hat mich sofort angefixt“, sagt Tobias, „das Setting ist megacool.“ Heute treffen sie sich das erste Mal, um eine Strategie für den Pitch zu entwickeln. Es geht darum, Falcos Geschichte weiterzuentwickeln und dann so einzudampfen, dass sie innerhalb von 15 Minuten bei den Männern von Sky ankommt. Dazu muss zunächst eins klar sein: Wie irreal und fantastisch darf die Geschichte werden? Falco will Drachen einbauen, die besondere Kräfte haben. Die anderen beiden schauen skeptisch. Tobias sagt: „Das Mystische darf auf keinen Fall peinlich rüberkommen.“ Henning sieht das ähnlich, findet aber, dass genau das Märchenhafte an Falcos Idee ihren Reiz ausmacht: „Ein Teil darf ruhig unrealistisch sein.“ Er hat einen Vorschlag: Wieso finden die fantastischen Szenen mit Drachen und Kaisern nicht in Rubens Träumen statt? Falco und Tobias nicken: „Geile Idee!“

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