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Die Virenjägerin: Wie Anne Caroline Krefis Leben rettet : Auf Leben und Tod

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Ausgerüstet mit GPS-System, Notizblock und Fotoapparat machte sie sich nach diesem Treffen an die Arbeit. Mitten auf einer Bananenplantage oder einem umgepflügten Acker, umgeben vom Zirpen der Grillen, suchte sie sich einen Standort und klickte auf ihr GPS-Gerät. Dann notierte und fotografierte sie den Platz. Das wiederholte sie innerhalb der nächsten drei Wochen an etwa 500 verschiedenen Orten – immer dort, wo sie ein Malaria-Aufkommen vermutete und die Überträger-Stechmücke Anopheles ihre Larven setzen würde. „Das ist mühevoll, aber nur so können wir herauszufinden, ob Malaria in bestimmten Gebieten häufiger vorkommt oder nicht.“ Abends kam sie geschafft nach Hause. Müde vom Stehen und vom stundenlangen Schwitzen bei 30 Grad im Schatten und von einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 80 Prozent. Am Ende der Reise war sie fünf Kilo leichter. „Forscher können sehr zäh sein“, sagt sie, „wir sammeln Puzzleteile, die wir zu einem Bild zusammenfügen – und haben ein starkes Erfolgserlebnis, wenn damit Lösungsansätze möglich möglich werden.“ Sie sammelt und wertet Daten aus, für die sie die Infizierten selbst aber nicht sehen muss. „Manchmal ist einem das aber nicht genug“, sagt sie.

Mit einer Kollegin fuhr sie deshalb in das bekannteste Krankenhaus der Ashanti-Region, ins Dorf Agogo. Auf den ersten Blick wirkte der Komplex wie eine Feriensiedlung. Kinder spielten auf gemähtem Rasen. Eine Palmenallee säumte fein geharkte Gehwege aus rotem Saharasand. Nur die Menschentrauben vor den Häusern deuteten darauf hin, dass es hier nicht um Urlaub ging. Anne Caroline Krefis sah einwandfrei ausgestattete OP-Säle und Labore; in gepflegten Mehrbettzimmern und auf den Gängen warteten Kranke. Sie sah von Geschwüren entstellte Kinder, andere litten unter Malaria-Fieberkrämpfen, ein Tuberkulose-Patient saß bis aufs Skelett abgemagert in einem Rollstuhl. „Neben vielen schönen Eindrücken gab es doch auch viel Leid“, sagt Anne Caroline Krefis. Für einen Moment dachte sie, dass sie doch nicht das Richtige studiert hatte und als Ärztin besser helfen könnte. Das dachte sie, bis sie in das Zimmer des HIV-positiven Mädchens kam. Ein Kind, das alles verloren hatte. „Dieses Bild geht mir bis heute nicht aus dem Kopf“, sagt sie und macht eine Pause. „Mir wurde dann klar, dass ich mit meinem Beruf das mir Mögliche tue, um kranken Menschen zu helfen.“

WER GEHT IN DIE FORSCHUNG?
Rund ein Fünftel der promovierten Nachwuchswissenschaftler sieht seine Zukunft in der Forschung – an Hoch-schulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen oder in der Wirtschaft. Wissenschaftler vom Hochschul-Informations-System (HIS) haben seit 1997 Absolventen beobachtet, die zehn Jahre nach dem Examen noch in der Forschung tätig waren. DIE MEISTEN KOMMEN AUS DEM BEREICH NATURWISSENSCHAFTEN. Mit 36 Prozent liegt ihr Anteil deutlich über dem der Mediziner, der bei 17 Prozent liegt, und vor allem dem der Rechtswissenschaftler – mit einem Prozent. UNBEFRISTETE VERTRÄGE SIND IN DER FORSCHUNG RAR. Nur etwa ein Siebtel erhält Dauerstellen, die meisten hoffen später auf eine Professur. „Deutschland liegt da im internationalen Vergleich weit hinten“, sagt HIS-Studienleiter Kolja Briedis. Prinzipiell seien die Berufsaussichten aber gut, denn die Forscher wechselten schneller die Einrichtungen und sammelten auch im Ausland Erfahrungen. „DAS ERWEITERT IHRE CHANCEN, SPÄTER IN ANDEREN BEREICHEN QUER EINZUSTEIGEN.“

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