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Die Virenjägerin: Wie Anne Caroline Krefis Leben rettet : Auf Leben und Tod

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In Afrika sucht die Malaria wie ein Fluch ganze Landstriche hiem. Die Forscherin Caroline Krefis kämpft dagegen an. Ein Wissenschaftskrimi.

          Diesen Anblick vergisst sie nie: Das Mädchen saß auf seinem Krankenbett und starrte vor sich hin. Durch das vergitterte Fenster hinaus auf das Klinikgelände des Agogo-Hospitals in Ghana, hinweg über einen von Palmen gesäumten Sandweg, auf dem Kinder spielten. Sie war vielleicht sieben Jahre alt, hatte HIV noch in einem Stadium, bevor schwere Durchfälle und Fieber den Körper erschüttern. Und ihre Eltern waren vor Kurzem gestorben. Nun saß sie da wie eine alte Frau, die mit dem Leben abgeschlossen hatte, und merkte nicht, dass die Infektionsepidemiologin Anne Caroline Krefis vor ihr stand. Auch nicht, dass diese nach einer Weile wieder ging und so traurig wie selten war.

          Dr. Krefis sitzt im Konferenzraum des Bernhard-Nocht-Institutes für Tropenmedizin am Hamburger Hafen und blickt auf die Elbe, die in der Sonne silbrig schimmert. Die 31-Jährige wirkt nicht gerade wie eine Forscherin: Sie trägt einen Poncho mit Jeans, grünlich schimmernde Ohrringe und einen locker zusammengesteckten Pferdeschwanz. Ihre Abteilung ist die Infektionsepidemiolo-gie, räumlich weit entfernt vom Trakt der Kollegen, die in Sicherheitsanzügen hochgefährliche Viren untersuchen. Krefis befasst sich mit der Häufigkeit und Verteilung von Krankheiten in einem Gebiet und stellt einen Zusammenhang mit Alter, Geschlecht und Beruf der Betroffenen her: Tritt Malaria besonders in der Nähe von Bananenplantagen auf? Welche Altersgruppen sind besonders betrof-fen? Warum werden in Schweden Urlauber nahe einem bestimmten Waldgebiet vom Hantavirus befallen? Krefis sammelt und analysiert Daten, die unter anderem helfen sollen, in bestimmten Gebieten vorbeugend Medikamente zu verabreichen.

          Krefis steht auf, verlässt den Raum und geht durch ein Labyrinth schmaler Gängen und Treppen des Tropeninstitutes. Lautlos eilt sie über das PVC, bis sie vor einer verschlossenen Tür im zweiten Stock stehen bleibt. Sie gibt einen Zahlencode ein, und der Bereich zur Infektionsepidemiologie öffnet sich mit einem Surren. Schachtelförmige Büros reihen sich dort aneinander. Auf Tischen stehen Flachbildschirme, Poster und Zeitungsausschnitte hängen an den Wänden – es sieht aus wie in einem Klassenzimmer. Krefis’ Bildschirmschoner zeigt eine Landschaft in Ghana. Als sie vor dreieinhalb Jahren am Tropeninstitut anfing, wartete sie nur darauf, endlich in das westafrikanische Land zu fliegen. Der Ruf ans Tropeninstitut war das Beste, was ihr passiert ist, sagt sie, aber bis dahin war es ein weiter Weg. Nach ihrem Diplom in Geographie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster legte sie noch den „Master in Public Health“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf nach.

          Um die Ursache der Krankheiten aufzudecken, reist sie um den Globus.

          Im Norden von Schweden forschte sie an der räumlichen Ausbreitung des Hantavirus, das ein grippeähnliches Fieber auslöst, welches Lunge und Nieren angreift. Dort sezierte sie Mäuse und fand gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern heraus, dass die Infektionen besonders bei Urlaubern in Sommerhäusern auftraten, die in der Nähe von Wäldern standen. Aber erst ein anderes Forschungsergebnis stieß dann auch in Deutschland auf Interesse. Sie untersuchte das Hantavirus in Baden-Württemberg und fand unter anderem heraus: Je wärmer die Winter wurden, desto mehr Menschen nahe Buchenwäldern waren betroffen. Die Mas-terarbeit, die sie daraus machte, wurde mehrfach veröffentlicht.

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