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Hol alles raus! : Taschenkontrolle

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Steffi Kuhlmann, 26, studiert Architektur an der Berliner Universität der Künste... Bild: Jens Bösenberg

Der Kram, den wir jeden Tag zur Uni schleppen, erzählt viel über uns: er sagt, was uns wichtig ist, wer wir sind. Vier Berliner Studenten haben für uns einmal alles ausgepackt. Dabei herausgekommen...sind Geschichten über Mamas Rescue-Tropfen, eine WM-Feier im Teutoburger Wald – und Pfeffer und Salz für den kleinen Hunger unterwegs.

          DIE SELBERMACHERIN
          Steffi Kuhlmann, 26, studiert Architektur an der Berliner Universität der Künste

          „Ich habe immer zwei Notizbücher dabei: ein großes für die Uni und ein kleines für mich. Die Uni-Zeichnung, die man hier sieht, zeigt eine Brücke über die S-Bahn, ein Projekt aus dem letzten Semester. Mein privates Notizbuch ist wie ein Tagebuch. Darin schreibe und zeichne ich. Das Bild zeigt eine Pause während einer Architektur-Exkursion in Essen, ich habe meine Kommilitonen skizziert. Zeichnen? Ist Entspannung für mich. Ich habe erst seit Kurzem ein Smartphone. Aber ich schreibe immer noch alles in meinen Moleskine-Kalender. In dem Etui sind alle Stifte, die ich brauche, Radiergummi, Anspitzer und natürlich Salz und Pfeffer. Ich esse eigentlich immer unterwegs, bin ständig hungrig. Deshalb die Banane und Lakritze. Auf der externen Festplatte links im Bild ist mein gesamtes gearbeitetes Leben. Fotos, Filme, alle selbst gedreht. Dazu mein Uni-Leben und meine Projekte. Mann, die darf ich echt nicht verlieren.“

          ...die Selbermacherin.

          DER STREICHHOLZ-INGENIEUR
          Sven Giermann, 27, studiert Energie- und Verfahrenstechnik an der TU Berlin

          „Den Jutebeutel hab ich immer dabei, wie es sich gehört für einen Friedrichshainer. Sonst habe ich eigentlich eher wenig im Rucksack. Die Jacke für den Fall, dass es kalt wird. Kugelschreiber. Der Schlüsselanhänger in den Deutschland-Farben ist eine Requisite von der WM 2010. Damals bin ich mit meiner WG in den Teutoburger Wald, um im Haus meines Mitbewohners das erste WM-Spiel zu sehen. Eine schöne Erinnerung. Und ja, die Streichholzschachtel hat auch eine besondere Geschichte. Die hat meine Freundin in meinem Rucksack vergessen. Das Besondere ist, dass ich erst letzte Woche mit ihr zusammengekommen bin. Und die Streichholzschachtel ist von dem Abend, als wir unser erstes Treffen als offizielles Paar hatten. Allein deswegen ist es echt ein cooles Utensil, das da zufällig bei mir im Rucksack gelandet ist.“

          Sven Giermann, 27, studiert Energie- und Verfahrenstechnik an der TU Berlin...
          ...der Streichholz-Ingenieur.

          DER UMHÄNGETASCHEN-INDIVIDUALIST
          Julian Koller, 27, studiert Amerikanistik und Italienisch an der Berliner HU

          „Die Tasche gehört einem Freund. Eigentlich – er klaut immer meine Klamotten, und jetzt benutze ich seine Tasche, die er bei mir vergessen hat. Ein Mädchen sagte mir mal, die wird in Kairo an jeder Straßenecke verkauft. Ich finde, sie sieht aus wie ein Unikat. Der große Kalender ist immer dabei. Es ist nicht richtig wie ein Tagebuch, aber doch ein bisschen. Super geil ist der Molotow-Stift. Der satteste schwarze Ton, den es gibt. Perfekt zum Kritzeln. Rescue Remedy nehm ich immer zum Runterkommen. Meine Mama ist Heilpraktikerin, und die Tropfen helfen immer – besonders, wenn ich am Wochenende weg war. Ich liebe Electro. ‚Groove‘ ist DAS Magazin für Electro und Clubkultur. Und ‚konkret‘ ist die politische Zeitschrift, bei der ich mich am wenigsten von irgendwelchen Meinungen bedrängt fühle. Es ist jetzt drei Uhr, und ich habe erst zwei Kekse gegessen. Deswegen das Sandwich: Ich hab Hunger.“

          Julian Koller, 27, studiert Amerikanistik und Italienisch an der Berliner HU...
          ...der Umhängetasche-Individualist.

          DIE LEDER-LADY
          Leontine Köhn, 19, studiert Jura an der Berliner HU

          „Ich liebe braunes Leder. Besonders die Sachen von bimba & lola. Tasche, Geldbeutel und das kleine Täschchen für meine Kontaktlinsen – alles aus Paris. Obwohl die Marke eigentlich aus Spanien ist. Ich muss die Tasche morgens gar nicht mehr packen: Es ist alles schon drin, was rein gehört. Immer dasselbe. Mein altes Samsung-Handy, Lippenstift, Spiegel, Brille und meine Handcreme. Von einer französischen Marke. Ich liebe Frankreich, besonders Paris. Das Hermès-Tuch hab ich von meinen Eltern zum 18. Geburtstag bekommen. Ach ja, und dann hab ich neben meinem Mulberry-Kalender natürlich ein Buch. Das muss ja auch sein. Wir müssen so viel für die Uni lesen, da muss ein bisschen Spaß zwischendrin auch sein. Ich geh auch supergern ins Theater. Letzte Woche war ich im Berliner Ensemble in ‚Floh im Ohr‘.“

          Leontine Köhn, 19, studiert Jura an der Berliner HU...
          ...die Leder-Lady.

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