http://www.faz.net/-i7f-849dk

Transition Towns : Tauschen, teilen, reparieren: Die Studentenbewegung Transition Town

  • -Aktualisiert am

Student Frido meistert auch den eigenen Umzug mit dem Lastenrad. Bild: Jan Gutzeit

Immer mehr Studenten engagieren sich in der Transition-Town-Bewegung. Ihr Ziel: eine völlig neue Form des Zusammenlebens. Drei Studenten berichten.

          Wachstum ohne Grenzen? Viele Studenten hinterfragen die heutigen Gesetze des Zusammenspiels von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Und stellen alltägliche Selbstverständlichkeiten in Frage: Shopping? Nein danke! Urlaub in Australien? Luftverschmutzung! Flugmangos aus Übersee? Überflüssig! Sie haben sich das Ziel einer lokalen, postfossilen Wirtschaft auf ihre Fahnen geschrieben und wollen im Sinne des Modells „Transition Town“ eine Energiewende aus der Gesellschaft heraus anschieben. Entstanden ist der Gedanke an einer irischen Universität, an der Dozent Rob Hopkins gemeinsam mit seinen Studenten das Modell entwickelt hat. Die Idee: Städte sollen Energie sparen und Ressourcen schonen, mehr regionale Produkte nutzen und jene Akteure auf lokaler Ebene vernetzen, die den Konsum der Nachhaltigkeit opfern wollen – und dafür bereit sind, ihr Einkaufs- oder Mobilitätsverhalten zu ändern und das nachhaltige Leben auch auf Lebensbereiche wie Bildung und Karriereplanung zu übertragen.

          Wie viele Studenten an den mehr als 120 Initiativen in Deutschland teilnehmen, ist nicht erfasst. Aber sie sind tragende Säulen des Konzepts.  „Besonders aktiv sind Studenten oft bei den Tauschbörsen, Repaircafés und in den Gemeinschaftsgärten“, beobachtet Gerd Wessling, Mitgründer des Transition-Netzwerks D/A/CH. Sicherlich sei die wirtschaftliche Situation vieler Studierender ein Grund dafür, Dinge zu tauschen, zu teilen und zu reparieren, anstatt sie neu zu kaufen. „Es ist neben dem Studium aber auch eine Sehnsucht da, über den universitären Tellerrand zu schauen und Dinge praktisch zu tun“, beschreibt Wessling den Zeitgeist einer Generation. „Neben ihrem Lebensgefühl und ihren Sehnsüchten bringen sie natürlich auch neues Wissen in die Bewegung ein.“.

          Transition Towns: Unterwegs mit dem Lastenrad

          Frido Mellin, 21, studiert im 3. Semester Gymnasiallehramt mit den Fächern Englisch und Informatik an der TU Dresden.

          Student Frido meistert auch den eigenen Umzug mit dem Lastenrad.

          „Ich kam mit dem ganzen Konsum nicht mehr klar“, erinnert sich Frido daran, wie er nach einem Aufenthalt in Ostafrika plötzlich Probleme mit seinem alten Lebensstil hatte. Deshalb fährt er heute Fahrrad, bezieht sein Essen aus Containern und von einer solidarischen Gemüsekooperative. „Es dauert eine Weile, bis man das verinnerlicht hat und in der Mensa nicht mehr die Fleischlasagne isst, weil es so einfach und billig ist“, gibt er zu. Um seinen Kommilitonen diesen Schritt zu erleichtern, will Frido an der Uni bald gutes Essen vom Lastenrad verkaufen. „Man muss es den Leuten nur einfach machen, eine Alternative zur Bockwurst zu wählen.“ Dass sich seine neuen Prinzipien sogar mit seiner beruflichen Zukunft als Lehrer ergänzen, wurde ihm erst während des Studiums bewusst. „Wenn man gesellschaftliche Veränderungen anstoßen will, macht es Sinn, bei denjenigen anzusetzen, die in die Gesellschaft hineinwachsen“, sagt er.

          Topmeldungen

          Bundeswehr-Soldaten in Berlin

          Personalnot : Bundeswehr prüft Aufnahme von Ausländern

          Weil sich nicht genügend deutsche Soldaten finden, erwägt die Bundeswehr offenbar nun die Rekrutierung von Ausländern. Verteidigungsexperten sehen Vorteile – warnen aber auch vor Risiken.

          Mittelmeer : EU-Mission „Sophia“ soll vorerst weiterlaufen

          Mindestens bis August wird die Operation der EU im Mittelmeer fortgesetzt. Zuvor hatte der Kommandant die Schiffe des Einsatzes in die Häfen zurückbeordert, weil Italien keine geretteten Flüchtlinge mehr aufnehmen will.