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Wie viel gebe ich aus? : „Investieren Sie in Qualität“

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Die Stil- und Image-Expertin Elisabeth Motsch berät Wirtschaftsunternehmen in Fragen des Dresscodes und markengerechten Auftritts der Mitarbeiter. Bild: privat

Welches Budget braucht man für das richtige Businessoutfit? Die Stilexpertin Elisabeth Motsch über den Preis für guten Stil, Alleinstellungsmerkmale und Fehltritte, die den Job kosten können.

          Frau Motsch, ie wichtig ist ein teures Outfit beim Vorstellungsgespräch oder für den ersten Job?

          Teuer darf es sein, muss es aber nicht. Wer dafür sein Konto leer räumt oder sich verschuldet, setzt sich selbst nur unter Stress. Man muss stattdessen wissen, welche Merkmale bei der Kleidung zählen: saubere Verarbeitung, gute Stoffe, sorgfältig vernähte Ärmel und Knopflöcher, guter Sitz. In verschiedenen Branchen gelten natürlich verschiedene Regeln, aber am wichtigsten ist, dass das Outfit zu mir und dem Business passt, für das ich arbeite.

          Was meinen Sie damit genau?

          Kleidung ist immer ein persönliches Statement, mit dem ich einerseits ausdrücke, wer ich bin, mit dem ich aber auch zeige, dass ich die im Unternehmen herrschenden Werte respektiere. Es geht also nicht nur um einen selbst, sondern auch um die anderen. Gutes Aussehen ist wichtig, genauso wichtig ist die passende Botschaft an das Gegenüber.

          Mit welchen Kosten sollten Berufseinsteiger für ihr Outfit rechnen?

          Bei Frauen liegt die Untergrenze bei etwa 300 Euro für ein komplettes Businessoutfit, also Shirt, Blazer, Rock oder Hose, Schuhe, Tasche und womöglich ein Schmuckstück. Hochwertig aussehende Businesslooks findet man heutzutage übrigens auch in Geschäften wie Zara und Mango. Aber: Nicht der Geldbetrag steht an erster Stelle, sondern das Bild, das entsteht. Ich rate, in Qualität zu investieren – ob teuer oder nicht.

          Wie steht es um das Budget für die Männer?

          Da ist ein perfekt sitzender Anzug gefragt, und auch hier fängt der Preis bei ein paar hundert Euro an. Die Hauptsache ist, dass die Längen stimmen. Das Hemd muss aus dem Ärmel herausschauen, sonst sieht der teuerste Anzug billig aus. Schwarze Anzüge sind außerhalb von festlichen Anlässen übrigens nicht mehr gefragt, im Job ist Dunkelblau oder Dunkelgrau eine gute Wahl. Und nicht den Gürtel weglassen, auch wenn das im Trend liegt. Verzichten sollte man dagegen auf teure Statussymbole.

          Welche Statussymbole sind das zum Beispiel?

          Accessoires wie eine teure Markentasche oder eine Rolex können einen falschen Eindruck vermitteln. Es kommt natürlich auf den Chef an, aber allgemein sollte man als Einsteiger lieber keine Stücke präsentieren, die sich das Gegenüber vielleicht selbst nicht leistet. Wenn dieser Eindruck entsteht, gerät die Hierarchie aus der Balance, und das kann sich ziemlich negativ auswirken.

          Raten Sie insgesamt eher zu Understatement?

          Nicht unbedingt, denn unter Hunderten anderen muss man auch im Gedächtnis haften bleiben. Wenn alle dunkelblaue Kostüme und weiße Blusen tragen, dann hat eine Bewerberin mit dunkelrotem Blazer und einer passenden Kette gleich ein Alleinstellungsmerkmal. Männer sollten dagegen keine unifarbene Krawatte tragen, das kann belanglos wirken. Besser sind feine Muster, und ein Hemd mit Haifischkragen zeigt besonderen Stil. Hauptsache, das Gesamtbild bleibt authentisch, niemand sollte sich verkleiden.

          Genießen Berufsanfänger nicht auch einen gewissen „Welpenschutz“?

          Sicher sind die meisten Chefs mit Einsteigern wohl toleranter als mit erfahrenen Mitarbeitern. Die Erfahrung zeigt aber, dass unpassend gekleidete Bewerber bei gleicher Qualifikation und gleichen Sympathiepunkten den Nachteil gegenüber stilsicheren Konkurrenten haben. Weil sie vermitteln, dass sie das Umfeld nicht verstehen, für das sie sich beworben haben. Egal, ob das nun ein konservatives Unternehmen ist oder eine Agentur, in der kreative Looks gefragt sind.

          Welche typischen Fehler beobachten Sie bei der Kleidungswahl von Berufsanfängern?

          Ich rate Frauen von einer Strickjacke zum Businesslook ab, denn das wirkt wie ein kuscheliges Kleidungsstück für daheim. Auch ein heller Blazer ist nicht ratsam, weil man darin vor einem hellen Hintergrund konturlos wirkt. Ganz wichtig: Frauen sollen sich weiblich kleiden, aber Erotik gehört nicht an den Arbeitsplatz. Darum sollten tiefe Ausschnitte, kurze Röcke, ärmellose Kleider und Absätze über sieben Zentimeter zu Hause bleiben.

          Und was ist für Sie ein absolutes No-Go?

          Unbedingt vermeiden sollte man schlampig aussehende Details, zum Beispiel einen vom Knopfloch abstehenden Faden, ein schlecht gebügeltes Hemd oder einen ausgefransten Gürtel. Sie möchten schließlich demonstrieren, dass Sie mit Ernsthaftigkeit und Respekt an Ihren Job gehen und sich dafür auch optisch sorgfältig vorbereitet haben.

          Woran sollte kein Berufseinsteiger sparen?

          Mit guten Schuhen steht und fällt der gesamte Look. Ein schlecht gewählter Schuh kann einen sonst perfekten Style kaputtmachen. Mit „gut“ meine ich: sichtbare Qualität des Materials, echtes Leder, gute Verarbeitung. Und natürlich in Farbe und Form passend zum restlichen Outfit.

          Was tun, wenn das Budget sehr niedrig ist?

          In Outlets bekommt man oft hervorragende Markenkleidung für einen Bruchteil des Originalpreises, daneben lohnt sich auch der Gang in den Secondhandladen oder einfach zu Freunden, um sich etwas zu leihen. Es gibt tolle Edel-Flohmärkte mit Markenstücken, spezielle Facebook-Gruppen, und auch den Schlussverkauf sollte man im Auge behalten. Die Möglichkeiten sind zum Glück so vielfältig wie nie: Es gibt also keinen Grund für das falsche Outfit.

          Das Interview führte Constanze Ehrhardt.

          Quelle: F.A.Z

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