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Drohnenhype : „Künftig werden Drohnen in unseren Alltag einziehen“

  • -Aktualisiert am

Bild: Pinkypills/iStock/Thinkstock

Die Deutsche Flugsicherung rechnet hierzulande mit bald einer Million unbemannter Fluggeräte von privaten Nutzern und Unternehmen. Markus Müller vom Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) in Karlsruhe spricht über die Möglichkeiten, die sich Hobby-Drohnenfliegern jetzt bieten.

          Herr Müller, weshalb üben Drohnen auf viele Menschen eigentlich eine so große Faszination aus?

          Technische Errungenschaften bedeuten fast immer die Überwindung eines Stücks der sensorischen und physischen Einschränkungen, die Menschen naturgemäß haben. Das macht nicht zuletzt die Faszination des Fliegens aus. Ob als Passagier in einem Personenflugzeug oder beim Steuern einer Drohne, dahinter steckt immer auch der alte Traum, fliegen zu können, sich frei zu fühlen, die Dinge aus der Vogelperspektive zu sehen. Das ist durchaus eine emotionale Sache. Auch darum gibt es hierzulande bereits viele hunderttausend Drohnen im Hausgebrauch. Und der Trend wird sich weiter verstärken.

          Wieso werden Drohnen immer präsenter?

          Weil günstige und gute Modelle auf dem Massenmarkt erhältlich sind. Kleine Drohnen werden immer preiswerter, auch die leistungsfähigeren. Um sie zu steuern, ist kein Expertenwissen erforderlich. Im Gegenteil, sie sind kinderleicht zu bedienen. Die Flugdauer, Geschwindigkeit und Flugeigenschaften werden ständig verbessert, die Manöver werden vielfältiger. Manche günstigen Drohnen haben bereits Hinderniswarnsysteme. Man kann seine Drohne mit Sensoren ausstatten und zum Beispiel eine hochauflösende Kamera anbringen.

          Markus Müller vom Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung spricht über die Möglichkeiten, die sich Drohnenfans jetzt bieten.
          Markus Müller vom Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung spricht über die Möglichkeiten, die sich Drohnenfans jetzt bieten. : Bild: IOSB

          Für wen sind Drohnen hauptsächlich attraktiv?

          Da Drohnen mit kooperativer Technologie punkten, sind sie für viele eine gute Erweiterung, um ihr Hobby noch besser zu betreiben. Das betrifft vor allem Film- und Fotofreunde. Sie können jetzt Aufnahmen von Menschen, Szenen, Tieren und Naturspektakeln auf eine Weise machen, die man vorher nur aus dem Kino kannte. Was also den Profis vorbehalten war, ist jetzt auch für Hobbyisten verfügbar. Daneben sind kleine Drohnen für die Handtasche natürlich auch für Selfie-Begeisterte reizvoll, weil man mit ihnen aufregende Aufnahmen aus bisher unmöglichen, wechselnden Perspektiven machen kann. Außerdem sind Drohnen für Gamer spannend.

          Welche Neuigkeiten gibt es in diesem Bereich?

          Nehmen wir zum Beispiel Ego-Shooter: Üblicherweise treten Spieler im virtuellen Raum online gegeneinander an, heute können sich Teams für Luftkämpfe zusammentun und ihre Flugobjekte durch den realen Raum jagen, während sie sich virtuell abschießen. Die Komponente des Realen macht diese Technologie sehr attraktiv. Und sie ist herausfordernd in Sachen Manöver, Taktik und Geschicklichkeit. Darüber hinaus gibt es Kunstfliegerei mit Drohnen: Rennen um Hindernisse herum und durch Tunnel hindurch. Dank einer VR-Brille kommt für den Steuernden die „Pilot’s View“ dazu, also das Gefühl, man säße selbst im Cockpit der Drohne. Das ist ein echter Nervenkitzel.

          Wohin führt der Trend Ihrer Meinung nach?

          Zukünftig werden wir nicht nur Drohnen steuern, sondern uns auch selbst mit ihnen fortbewegen. Schon in den kommenden Jahren möchte Saudi-Arabien Taxi-Drohnen einführen, und die derzeit in Deutschland ins Auge gefassten Modelle, die sogenannten Volocopter, kommen aus Baden-Württemberg. Drohnen werden in unserem Alltag wohl eine immer größere Rolle einnehmen. Es kann sein, dass wir sie uns als eine Art Diener halten, indem sie zu Hause omnipräsent sind und uns auf allen Wegen begleiten. Sie können mehrere Rollen ausfüllen: Transportmittel, Packesel, Spielgefährte, Haushaltshilfe, Bodyguard, Alleinunterhalter, Haustier.

          Woran forschen Sie aktuell?

          Unter anderem an Abwehrsystemen, die im Ernstfall vor gefährlichen Drohnen schützen. Man darf nicht vergessen, dass Vorteile wie die leichte Bedienbarkeit nicht nur für einen Spaß- und Nutzenfaktor im Privatgebrauch sorgen, sondern auch für kriminelle Zwecke nützlich sind. Das Missbrauchspotential ist groß, ob für Drogen- und Waffenschmuggel oder für terroristische Akte. Fragen, die wir uns derzeit stellen, sind etwa: Wie entdeckt und erkennt man eine Drohne möglichst früh, wenn sie sich zum Beispiel einer Flugverbotszone nähert? Wie kann man eine schnelle Bedrohungsanalyse durchführen, und wie lässt sich angemessen reagieren? Hier besteht großer Handlungsbedarf.

          Das Interview führte Constanze Erhardt. 

          Was muss ich als Drohnen-Nutzer wissen?

          Je mehr private Flugobjekte durch den Luftraum gesteuert werden, desto umfang­reicher wird auch das (zum Teil gesetzliche) Regelwerk, das Hobby-Drohnenflieger beachten müssen. Hier sind die wichtigsten Fakten im Überblick.

          Achtung vor dem richtigen Versicherungsschutz: Die reguläre Haftpflichtversicherung kommt für durch Drohnen verursachte Schäden nicht auf. Dafür muss eine eigene Versicherung abgeschlossen werden.

          Generell ist es verboten, mit Drohnen Fotos oder Filmaufnahmen von Menschen zu machen, wenn sie sich nicht vorher damit einverstanden erklärt haben.

          Wird eine Drohne mit Hilfe einer Videobrille gesteuert, darf sie nicht schwerer als 250 Gramm sein und nicht höher als 30 Meter fliegen.

          Schon ab 250 Gramm Gewicht müssen Drohnen gekennzeichnet werden. Ein einfacher Aufkleber mit Namen und Anschrift des Besitzers reicht
          jedoch nicht. Es muss schon eine feste Plakette oder ein Aluminiumaufkleber sein.

          Für Drohnen ab zwei Kilogramm
          Gewicht muss ein spezieller „Führerschein“ vorhanden sein, der das Knowhow des Nutzers in Sachen Steuerung und rechtlicher Grundlagen nachweist. Solche Bescheinigungen bekommt man durch vom Luftfahrt-Bundesamt anerkannte Stellen, zum Teil auch online. Eine Pilotenlizenz ersetzt den Nachweis.

          Ab fünf Kilogramm Gewicht brauchen Drohnen eine zusätzliche Aufstiegserlaubnis, die von der Landesluftfahrtbehörde des jeweiligen Bundeslandes ausgestellt wird.

          100 Meter Flughöhe sind die maximale Grenze für die meisten Drohnen, es sei denn, der Steuernde hat einen speziellen Kenntnisnachweis. Ausnahmen gibt es auf Modellfluggeländen.

          Innerhalb der Flughöhe von 100 Metern dürfen Drohnen nur in Sichtweite gesteuert werden und müssen eine Reihe von Orten meiden: Einsatzorte von Polizei oder Rettungskräften zu überfliegen ist verboten, genauso wie Flughafengelände, Menschenansammlungen, Behörden, Naturschutzgebiete, Krankenhäuser, Gefängnisse sowie Atomkraftwerke und Industrieanlagen.

          Detaillierte Informationen zum Drohnenfliegen gibt es auf der Website des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur: www.bmvi.de

          Quelle: F.A.Z

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