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Bezahlen 2.0 : Warten auf Google & Co.

  • -Aktualisiert am

Bild: picture alliance/Westend61

Bezahlen mit dem Smartphone ist möglich, aber meist umständlich. Noch ist der Markt nicht richtig ins Rollen gekommen. Warum das so ist? Ein Überblick.

          Maik Klotz ist Berater für Banking und Bezahllösungen – einer mit Undercut und tätowierten Unterarmen, der seinen professionellen Aufritt im Netz Klotzbrocken.de genannt hat. Wenn es um Innovationen in der Finanzbranche geht, ist er meist ganz vorn mit dabei. Ein guter Gesprächspartner also, um sich die Sache mit dem Mobile Payment erklären zu lassen: „Herr Klotz, was muss ich tun, wenn ich beim nächsten Einkauf an der Kasse mit dem Smartphone bezahlen möchte?“ – „Sich die Frage stellen: Warum will ich das? Zurzeit gibt es dafür keinen guten Grund“, sagt der Experte. Es gebe viele Hürden, wenig Mehrwert und eine begrenzte Zahl an Akzeptanzstellen, so fasst Klotz das Dilemma zusammen. Da hätte man im Jahr 2016 irgendwie mehr erwartet. Ein Überblick über das, was schon geht, was noch nicht – und was bald kommen wird.

          Wie kann ich mit dem Smartphone mobil bezahlen?

          Hier fangen die Probleme an, denn auf diese Frage gibt es derzeit nur die schwammige Antwort: Kommt ganz drauf an. Verschiedene Technologien und Anbieter konkurrieren miteinander. Telefonhersteller, Mobilfunkprovider, einzelne Händler – alle mischen mit. Was in der Marktwirtschaft normalerweise unter dem Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft“ geschätzt wird, stellt sich schnell als Hürde heraus, wenn es um das Bezahlen geht. Ob beim Bäcker, am Ticketschalter, in der Kantine, beim Friseur oder im Supermarkt: Wer morgens aus dem Haus geht, kann alle Ausgaben des Tages mit den gleichen Geldscheinen oder einer einzigen EC-Karte bezahlen – jedoch nicht mit einer einzigen App, nicht mal mit einem einheitlichen technischen Standard. Zwei Hauptvarianten sind derzeit verbreitet: das Bezahlen per Code oder per NFC-Technologie.

          Wie funktionieren die verschiedenen Varianten?

          Beim Bezahlen mit Code wird am Kassenterminal oder auf dem Smartphone ein QR-Code oder ein Barcode generiert und dann jeweils vom anderen Gerät ausgelesen. Um das zu nutzen, muss man sich vorher für das Verfahren registriert und die entsprechende App heruntergeladen haben. Hier kochen verschiedene Händler ihr eigenes Süppchen. Bei bestimmten, an Payback teilnehmenden Unternehmen kann man zum Beispiel über den Service „Payback Pay“ zahlen; Edeka bietet eine eigene Bezahl-App an.

          Universaler ist die NFC-Technologie, die kontaktloses Zahlen mit Geldkarten ermöglicht – oder eben auch mit dem Smartphone. NFC steht dabei für „Near Field Communication“: Man muss das Telefon nur noch im Höchstabstand von vier Zentimetern in die Nähe des Lesegeräts halten. Dafür müssen sowohl das Kassenterminal als auch das Handy mit den entsprechenden Funkchips ausgestattet sein. Für ältere Modelle gibt es Sticker, mit denen man den Chip nachrüsten kann. Bei dieser Variante braucht man außerdem eine App, in der die Bezahldaten hinterlegt sind. In Deutschland werden solche Wallet-Apps derzeit vor allem von den Mobilfunkprovidern angeboten. Um sie zu nutzen, muss man sich allerdings extra registrieren, die SIM-Karte im Telefon tauschen und meist noch eine Extra-Bezahlkarte beantragen.

          Lohnt sich das dann überhaupt?

          So richtig eigentlich erst, wenn es tatsächlich schneller und einfacher geht, an der Kasse mit dem Smartphone zu bezahlen als mit Bargeld oder der EC-Karte. Das verspricht vor allem die NFC-Technologie, und sie ist entsprechend auf dem Vormarsch. Laut dem Digitalverband Bitkom gab es Ende 2015 rund 80.000 NFC-fähige Kassenterminals in Deutschland, Tendenz steigend. Bis zu einem Betrag von 25 Euro braucht man hier weder Pin noch Unterschrift, um zu bezahlen.

          Noch kommt man aber nicht darum herum, sich vorher zu informieren, ob das Geschäft der Wahl das Bezahlen mit Smartphone ermöglicht und, wenn ja, welche App man dazu braucht. Das ist mitunter nicht ganz einfach: Der Markt ist noch in der Findungsphase, einige Apps und Angebot sind bereits wieder eingestellt worden, zum Beispiel Yapital. Mit der App wollte der Handelskonzern Otto in das Geschäft mit dem mobilen Bezahlen einsteigen, doch die Nutzerzahlen blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Auf der anderen Seite steigen immer mal wieder neue Player in das Geschäft ein.

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