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Kurzzeitpolicen : Besser als nichts

  • -Aktualisiert am

Bild: Ralf Menache/iStock/thinkstock

Per Smartphone-App abgeschlossene Kurzzeitpolicen versprechen für ein paar Euro Schutz gegen Unfälle im Fußballstadion oder beim Sport. Sie sind aber nicht viel mehr als eine spontane Notlösung.

          Eine Spritztour mit einem fremden Auto. Kurzfristig auf die Skipiste. Ein Spontantrip in die Sonne. Und plötzlich das Gefühl: Was ist eigentlich, wenn etwas passiert? Bin ich dann wirklich gut abgesichert? Kurzentschlossenen, die sich nicht rechtzeitig Gedanken über ihren Versicherungsschutz gemacht haben, bietet sich ein Ausweg: Sie können spontan per Smartphone oder Tablet Kurzzeit-Versicherungspolicen abschließen, tageweise und nur so lange, wie sie gerade gebraucht werden. Das geht auch noch am Flughafen oder im Skilift – vorausgesetzt, das Handy hat Empfang.

          Manche Versicherer haben eigene Apps programmiert, mit denen sie die Mini-Policen vertreiben. Die meisten verkaufen sie aber über das Portal Appsichern.de, das vom Düsseldorfer Start-up-Unternehmen Situative betrieben wird. Angeboten werden dort etwa Reisekrankenversicherungen oder Unfallpolicen für Bus- oder Dienstreisen. Außerdem können sich beispielsweise Fußballfans noch kurz vor Anpfiff gegen Verletzungen beim Stadionbesuch versichern.

          Versicherungsschutz auf dem Oktoberfest

          Im vergangenen Jahr hatte die Versicherungsgruppe „Die Bayerische“ zum Münchener Oktoberfest für Besucher die Police „Wiesnschutz“ gegen sämtliche Unwägbarkeiten auf der Wiesn kreiert: Für 5,99 Euro konnten sie sich für genau 24 Stunden gegen Unfallfolgen, unfallbedingte kosmetische Operationen, Kosten für einen Krankenrücktransport im Inland oder für die Wiederbeschaffung verlorener Papiere absichern. Darüber hinaus enthielt das Paket auch eine Zahnzusatzversicherung – auf der Wiesn weiß man ja nie. Das große Plus gegenüber herkömmlichen Policen: Selbst Schäden unter Alkoholeinfluss ließen sich auf diese Weise versichern. Zu Karneval gibt es auf Appsichern.de mittlerweile mit dem „JeckenSchutz“ ein ähnliches Angebot.

          Zunächst klingt es nach einem interessanten Konzept, eine Versicherung spontan per Smartphone abschließen zu können, und zwar nur dann und genau so lange, wie man sie wirklich braucht. Wer sich einmal registriert und dabei möglichst auch einen Begünstigten für den Todesfall eingegeben hat, braucht die Police bloß noch anzuklicken – und schon ist sie abgeschlossen, minutengenau für 24 Stunden.

          Verbraucherschützer sind allerdings skeptisch: Sinnvoller sei es, das ganze Jahr einen guten Versicherungsschutz zu haben, heißt es bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Denn die Tagespolicen würden vergleichsweise viel kosten, dafür aber nur eine niedrige Deckung des Schadens bieten.

          Hoher Verwaltungsaufwand treibt die Kosten

          Ein Grund für die vergleichsweise hohen Kosten der Kurzzeitpolicen ist der Verwaltungsaufwand, der bei einer kurzen Vertragslaufzeit von nur einem bis drei Tagen stärker ins Gewicht fällt. Trotzdem hinkt der Vergleich: Lennart Wulff, Geschäftsführer von Situative, versteht seine Angebote nämlich gar nicht als Konkurrenz zu herkömmlichen Jahrespolicen. „Wir würden nie auf die Idee kommen, Leuten zu raten, ihren kompletten Hausstand über kurzfristige Lösungen abzusichern.“ Zielgruppe seien vielmehr Menschen, die keine Versicherung hätten und plötzlich feststellten, dass sie spontan eine Police brauchen. Mit Kurzeitversicherungen lasse sich der Versicherungsschutz flexibel anpassen, so Wulff.

          Allerdings ist der Preis nicht der einzige Kritikpunkt von Verbraucherschützern. Auch die Leistungen der Kurzzeitpolicen seien unzureichend, moniert Rita Reichard, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Eine Unfallversicherung, die bei bleibenden Schäden 50.000 Euro an den Versicherten auszahlt, sei unzureichend – gebraucht würden mindestens 400.000 Euro.

          Besser Basisschutz als keine Absicherung

          Aber auch ein unzureichender Schutz ist im Fall der Fälle besser als gar keiner. Sicherlich ist es klüger, eine Unfall- sowie eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, die das ganze Jahr über rund um die Uhr greift und nicht nur in speziellen Fällen, wie etwa beim Stadionbesuch oder bei der Fahrradtour. Und wer viel reist, ist mit einer Jahresreiseversicherung, die eine Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherung sowie einen Auslandsreisekrankenschutz enthält, besser beraten als mit einer tageweise per Smartphone gebuchten Police. „Man kann sich grundsätzlich viel besser versichern als mit den Mini-Versionen per Handy“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Allerdings machen sich viele Menschen erst dann Gedanken über ihren Versicherungsschutz, wenn es darauf ankommt. Und diese können dann mit den Kurzzeitpolicen zumindest einen Basisschutz abschließen.

          „Letztlich geht es darum, die Menschen wachzurütteln, damit sie sich ausreichend gegen existenzielle Risiken absichern“, sagt Boss. Und dieses Wachrütteln kann eben auch darin bestehen, einmal spontan eine Kurzzeitpolice abzuschließen – und sich nach der Rückkehr dann um eine richtige Versicherung zu kümmern, die die entsprechenden Risiken dauerhaft und mit einer ausreichenden Deckungssumme absichert.

          Quelle: F.A.Z.

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