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Online-Versicherungsmakler : „Personenversicherungen sind ein heißes Thema“

  • -Aktualisiert am

Bild: Bund der Versicherten

Nicht alle Online-Versicherungsangebote sind für jeden Verbraucher sinnvoll. Timo Voß, Berater beim Bund der Versicherten, erklärt, wo die Grenzen liegen.

          Herr Voß, im Internet gibt es neben den bekannten Versicherungsnamen einige neuere Anbieter: Clark oder Getsafe beispielsweise. Über sie scheint es ganz einfach, Versicherungen zu vergleichen, Verträge abzuschließen und Policen zu verwalten. Aber passen digitale Angebote überhaupt zum Thema Versicherungen?

          Grundsätzlich ist es gut, wenn sich Verbraucher mit dem Thema Versicherungen beschäftigen. Möglicherweise ist es auch besser, seine Policen und die zugehörigen Vertrags- und Rufnummern auf dem Smartphone immer und überall im Blick zu haben, als zu Hause die Unterlagen in einem Ordner erst finden zu müssen – und im Notfall vielleicht die Nummer der Schadenshotline nicht bei sich zu haben. Wer sich über die relevanten Kriterien für eine private Haftpflichtversicherung, eine Hausrat- oder Kfz-Versicherung informiert, wird darüber hinaus im Internet sicherlich auch die passende Police finden. Das geht jedoch auch über eine Direktversicherung, dafür benötigt man die neuen Angebote nicht und auch keinen Versicherungsmakler.

          Wie sieht das bei komplexeren Versicherungen aus, wie beispielsweise einer Berufsunfähigkeitsversicherung?

          Sobald es um Personenversicherungen wie die Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine private Krankenversicherung geht, sollte man sich immer persönlich beraten lassen. Denn ein falsches Kreuz im Antrag kann Konsequenzen im Schadensfall haben. Im schlimmsten Fall hat jemand in eine Berufsunfähigkeitsversicherung jahrelang eingezahlt und bekommt keine Auszahlung, weil er die Gesundheitsfragen nicht richtig beantwortet hat. Wer dann nicht nachweisen kann, dass er falsch beraten wurde, hat ein Problem. Darum raten wir grundsätzlich davon ab, diese Policen im Internet abzuschließen.

          Ist eine gute Beratung durch einen Online-Versicherungsmakler möglich?

          Theoretisch ja. Der Verbraucher muss allerdings davon ausgehen, dass das persönliche Gespräch zum Beispiel als Video-Chat stattfindet und nicht in einem Büro bei ihm in der Nähe. Wenn einem das ausreicht, kann das funktionieren. Ich warne aber davor, das Thema auf die leichte Schulter zu nehmen: Gerade Personenversicherungen sind ein heißes Thema. Da geht es oft um die Absicherung in Notsituationen und um viel Geld. Obwohl ich internetaffin bin, würde ich dafür immer ein direktes, persönliches Gespräch vorziehen. Und zwar nicht mit irgendeinem Versicherungsmakler, sondern mit dem, der die eigenen Ansprüche erfüllt. Dazu muss man wissen, was einem wichtig ist: Legt man Wert darauf, dass der Versicherungsmakler einen Vertragscheck macht? Dass er bei der Schadensabwicklung unterstützt? Dass mindestens einmal im Jahr ein persönliches Gespräch stattfindet? Fehlt mir etwas bei den genannten Leistungen? Wenn ich das für mich festgelegt habe, kann ich die Dienstleistungsangebote vergleichen; und wenn ich bei einem Online-Versicherungsmakler das richtige Angebot finde, auch mit ihm einen Vertrag schließen. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass man sich immer mit den Themen auseinandersetzen muss. Nur weil es jetzt Online-Angebote gibt, heißt das nicht, dass man sich nicht informieren, nicht vergleichen sollte. Jeder, der sich versichern möchte, ist selbst verantwortlich für seine Absicherung. Das ändert sich nicht, nur weil digitale Angebote damit werben, einem Arbeit und Zeit abzunehmen. Übrigens: Gesetzlich betrachtet, haben Versicherungsmakler immer die gleichen Pflichten, egal, ob sie überwiegend online oder klassisch in ihrem Büro arbeiten. Dazu gehört beispielsweise die Beratungs- und Dokumentationspflicht bei einer Beratung.

          Müssen junge Menschen, die sich das erste Mal selbst versichern, zum Thema Versicherungsmakler noch etwas wissen?

          Ja. Sehr oft ist es so, dass ein Versicherungsmakler alle Bestandsverträge übernimmt, sobald man mit ihm einen Maklervertrag unterschrieben hat. Wer also eine Police bei einem anderen Makler abgeschlossen hatte, kann den Vertrag mit diesem kündigen. Das gilt sowohl für Online-Versicherungsmakler als auch für die eher klassischen Vertreter. Allerdings neigen einige Menschen dazu, im Internet eher schnell einen Vertrag abzuschließen, ohne die Konsequenzen durchdacht zu haben. Davon abgesehen sollten junge Menschen, die noch studieren oder in der Ausbildung sind, zuerst überprüfen, ob sie bei ihren Eltern mitversichert sind, bevor sie einen Vertrag unterschreiben.

          Gibt es jenseits der Versicherungsmakler Angebote im Internet, die für Verbraucher sinnvoll sind?

          Natürlich. Bei Vergleichsportalen können sich Verbraucher einen Überblick über die Privat- oder Kfz-Haftpflicht oder die Hausratversicherung verschaffen. Aber Vorsicht! Nicht alle Vergleichsportale haben alle Angebote in der Datenbank. Das heißt, dass man gegebenenfalls nicht das Produkt vorgeschlagen bekommt, das zu einem passt. Darum sollte man mindestens bei zwei Vergleichsportalen eine Abfrage machen.

          Was halten Sie von Versicherungs-Apps?

          Bei Apps kommt es darauf an, was angeboten wird. Es macht keinen Unterschied, ob ich Versicherungen am Schreibtisch oder in der App vergleiche – grundsätzlich gilt, dass es mit einem Vergleich nicht getan ist. Apps von Versicherungen, die für den Notfall die richtigen Informationen bereitstellen, ohne dass man lange danach suchen muss, können sinnvoll sein. Übrigens hat auch der Bund der Versicherten Apps: Mit dem Bedarfs-Check beispielsweise stellen Verbraucher zunächst fest, welche Policen sie überhaupt benötigen. Gerade auf junge Menschen am Anfang des Berufslebens stürzen sich Unternehmen gern, um ihnen Policen zu verkaufen – möglicherweise sind da auch Versicherungen dabei, die sie gar nicht brauchen. Das findet man mit dieser App schnell heraus.

          Das Interview führte Bettina Blass. 

          Quelle: F.A.Z.

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