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Sprachreisen : „Sprachreisen werden zum Lifestyleprodukt“

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Bild: Fachverband Deutscher Sprachreise-Veranstalter e.V.

Wie findet man für sich die richtige Sprachreise? Welche Länder liegen 2017 im Trend? Ein Gespräch mit Julia Richter, Geschäftsführerin des Fachverbands Deutscher Sprachreise-Veranstalter e.V. (FDSV).

          Frau Richter, sind Sprachreisen eigentlich Urlaub oder Arbeit?

          Eine Sprachreise verbindet auf ideale Weise das Nützliche mit dem Angenehmen. Sie ist eine optimale Möglichkeit, das Erlernen einer Sprache mit kulturellen Besichtigungen und den Sportaktivitäten zu verbinden, denen man in seiner Freizeit gern nachgeht.

          Wo sind Sprachreisen derzeit besonders beliebt?

          Die immer noch bei weitem nachgefragteste Sprache ist Englisch. Gerade beobachten wir einen Anstieg von Buchungen in Irland. Das hat vermutlich etwas mit dem Brexit zu tun, der an Großbritanniens Image kratzt. Im Sommer ist die irische Insel eine gute Alternative zu den englischen Seebädern, die meist recht überlaufen sind. England bleibt aber das beliebteste Ziel bei Sprachreisen. Wegen des Brexits ist zudem das britische Pfund gegenüber dem Euro gefallen, was die Preise für Kurse und Lebenshaltung dort attraktiver macht. Auf Platz zwei folgt übrigens Malta, wo ebenfalls Englisch gesprochen wird, das Klima aber um einiges wärmer ist.

          Was ist Ihre Empfehlung für jene, die abseits des Mainstreams auf Sprachreise gehen wollen?

          Eine durchschnittliche Sprachreise dauert zwei Wochen, weswegen europäische Ziele am praktischsten sind. Wer länger Zeit hat, etwa drei bis fünf Wochen, kann Englisch auch in Australien, Neuseeland, Südafrika, den USA oder Kanada lernen. Das kann kulturell eine ganz andere Erfahrung sein als in Europa. Allerdings sind hier die Kosten schon allein wegen der weiten Flüge höher. Man sollte prüfen, ob es günstiger ist, auf eigene Kosten anzureisen oder den Flug im Paket mit der Sprachreise zu buchen. Außerdem sollte jeder beachten, dass in diesen Ländern andere Akzente als in England gesprochen werden.

          Welche Sprachen werden außer Englisch am meisten nachgefragt?

          Das sind Spanisch, Französisch und Italienisch. Hier kann ich nur empfehlen, abseits der klassischen Reiseorte wie Madrid, Paris und Rom nach Kursen zu suchen. Spanisch kann man etwa auch in Südamerika vertiefen, Französisch in Belgien und Italienisch auf Sizilien. Auch hier sollten Interessierte auf die unterschiedlichen Akzente achten. In Südamerika zum Beispiel weichen auch viele Vokabeln vom Hochspanisch ab. Etwas weiter abgeschlagen folgen dann übrigens Chinesisch und Russisch.

          Was führt schneller zum Lernerfolg: Sprachreisen oder Klassenzimmer-Unterricht zu Hause?

          Sprachreisen stellen eine optimale Ergänzung zum schulischen Lernen dar. Das Erlernte kann bei einer Sprachreise direkt in die Praxis umgesetzt und angewendet werden. Sprachreisen bieten deutlich mehr als nur die sprachliche Verbesserung. Sie fördern nicht nur die persönliche Entwicklung, sondern auch die Selbstsicherheit in der Anwendung der Sprache. Außerdem erhält man durch sie Einblick in die Kultur und Mentalität des jeweiligen Gastlandes, was aufgrund der Globalisierung immer wichtiger wird.

          Was erwarten die Teilnehmer von einer guten Sprachreise?

          Es gibt bestimmte Kriterien, die eine gute Sprachreise ausmachen. So sollte die Gruppengröße nicht mehr als 15 Teilnehmer betragen. Noch effektiver sind Mini-Lerngruppen von maximal acht Teilnehmern. Zudem sollte ein Einstufungstest vor Ort Bestandteil des Sprachkurses sein – am besten schriftlich und mündlich. Einige Veranstalter bieten schon einen Online-Sprachtest vor der Reise an.

          Gibt es neue Trends?

          Sprachreisen gelten inzwischen auch als Lifestyleprodukt. Sie verbinden den Wunsch nach sinnvoller Freizeitgestaltung mit dem, interessante Bekanntschaften zu machen. Immer beliebter werden Kombinationsangebote. Also Sprachreisen, verbunden mit einem beruflichen Praktikum, klassischen Reisen, Freiwilligenarbeit für einen guten Zweck oder „Work and Travel“. Auch Koch- oder Surfkurse sind keine Seltenheit mehr. Am meisten gebucht wird allerdings weiterhin die klassische Sprachreise, also ein Gruppenkurs mit 20 bis 30 Unterrichtsstunden pro Woche und Unterbringung bei einer Gastfamilie.

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