http://www.faz.net/-i7b-89tm2

E-Mail aus Fidschi : Auslandssemester: Teilen auf Fidschianisch

  • Aktualisiert am

Berit Gerhards, 25, macht ein Auslandssemester in Fidschi. In Deutschland macht sie ihren Master in Ethnologie mit Nebenfach Skandinavistik an der Uni Göttingen. Bild: Privat

In dieser Rubrik berichten Studierende aus ihren Auslandssemestern auf der ganzen Welt: Berit Gerhards studiert im vierten Semester Pacific Studies in Fidschi.

           

          Was mir an der fidschianischen Kultur am besten gefällt: Jeder teilt (fast) alles mit jedem. Auf dem Campus lernen wir oft in Gruppen. Viele bringen dann etwas zu essen für einen Snack zwischendurch mit. Es ist völlig normal, dass die mitgebrachten Speisen immer für alle in die Mitte gestellt werden. So ist es nicht nur beim Essen, sondern auch mit vielen anderen Dingen. Egal wie viel oder wenig man hat, es ist selbstverständlich, dass man es teilt.

          So bin ich auch in Kontakt zu den Insulanern gekommen: Nach einem Rugby-Spiel an der Uni gab es ein traditionelles Kava-Trinken mit den Leuten aus der Mannschaft. Kava ist ein Pulver, das aus einer heimischen Pflanze hergestellt wird und eine entspannende Wirkung hat. Das trinken die Leute hier ständig, überall und stundenlang. Dabei schmeckt es nicht mal gut. Bei dieser gemeinschaftlichen Zeremonie habe ich meine fidschianischen Freunde kennengelernt.

          Auslandssemester: Höflichkeit in Fidschi

          Im Alltag gibt es viele Verhaltensregeln, an die ich mich gewöhnen muss. Wenn man sich begrüßt und sich vorstellt, gucken sich Fidschianer nicht in die Augen, sondern auf den Boden. Das ist ein Zeichen des Respekts gegenüber der anderen Person, während das bei uns ja als unhöflich gilt. Deswegen tue ich mich damit immer noch schwer. Neulich waren mein Freund und ich in der Kirche und auf eine anschließende Neujahrsfeier bei seiner Familie eingeladen. Dort wird gegessen und getanzt, und alle trinken Kava, aber es gibt auch einige Regeln zu beachten. Wenn man ein fremdes Haus betritt, sollte man beispielsweise keine Schuhe und einen langen Rock tragen, der Sulu genannt wird. Außerdem ist es unhöflich, zu stehen. Ich hatte aber keinen Rock in der richtigen Länge. Weil meiner über dem Knie endete, durfte ich nicht im Schneidersitz sitzen, und stehen ging eben auch nicht. Das war nicht die bequemste Neujahrsfeier meines Lebens. Dafür werde ich meine Garderobe jetzt um einen Sulu bereichern.

          Topmeldungen

          Eng verbunden: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird in Peking vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping begrüßt.

          Merkel in Peking : In Chinas Arme

          Im neuen großen Spiel der Mächte steht Europa ungewohnt einsam da. Gewicht bekommt seine Außenpolitik nur durch Einigkeit. Ein Kommentar.

          Absage an Kim Jong-Un : Spannung und Ungewissheit

          Die Absage des Treffens in Singapur hat auch etwas Gutes: Der Realismus kehrt zurück. Das Regime in Nordkorea hat es nicht auf den Friedensnobelpreis abgesehen, und die Regierung Trump kann noch einmal in sich gehen. Ein Kommentar.