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Welcher Abschluss ist gefragt? : Bachelor oder Master?

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Wie soll es nach dem Bachelor-Abschluss weitergehen? Berufseinstieg versus Master-Studium Bild: Benjamin Courtault / Sepia

Die Mehrheit der Studierenden glaubt, ohne einen Masterabschluss keinen Job zu bekommen. Viele Unternehmen in der Wirtschaft haben mit Bachelorabsolventen aber gar kein Problem. Arbeitgeber erklären, wie sie zu den beiden Abschlüssen stehen.

          „Bachelorabsolventen, die taugen zu nichts“ – so lautete lange Zeit die Einschätzung vieler Unternehmen nach der Bologna-Reform. Doch diese Einstellung hat sich heute, rund 15 Jahre nach dem Beginn der Umstellung auf das Bachelor-Master-System in Deutschland, in vielen Unternehmen branchenübergreifend gewandelt. „Besonders zu Anfang der Reform herrschte große Skepsis gegenüber dem Bachelorabschluss“, weiß Michael Faller, Geschäftsführer der Personalberatung Baumann AG. Doch das habe sich relativiert. „In der Wirtschaft reicht heute ein Bachelor in der Regel für den Berufseinstieg aus.“ Viele Arbeitgeber achten auf andere Qualitäten, wie Praxiserfahrung und eine starke Persönlichkeit. Allerdings gibt es laut Faller Ausnahmen bei Naturwissenschaften und in der Wissenschaft – hier gelte normalerweise Master-Pflicht.

          Zahlen des Hochschul-Informations-Systems (HIS) und des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft können die Akzeptanz von Bachelorabsolventen auf dem Arbeitsmarkt belegen. So liegt die Arbeitslosenquote laut HIS bei Bachelorabsolventen von Fachhochschulen bei 3 Prozent, bei Uni-Absolventen bei 2 Prozent. Gleichzeitig weist der Stifterverband in der Erklärung der Personalvorstände vom Oktober 2012 aus, dass bereits 26 Prozent aller Unternehmen in Deutschland Bachelorabsolventen eingestellt haben, bei Großunternehmen sind es demnach sogar 70 Prozent. Von den Studenten selbst sieht sich allerdings mehr als jeder Zweite mit einem Bachelorabschluss nur unzureichend auf das Berufsleben vorbereitet. Viele zweifeln zudem an der Akzeptanz auf Seiten der Arbeitgeber, wie eine Befragung des Allensbach-Instituts zeigt.

          Fragt man bei Personalverantwortlichen von Unternehmen verschiedener Branchen nach, lässt sich diese Befürchtung größtenteils nicht bestätigen. Im Ingenieurbereich beispielsweise stellen Unternehmen wie Deutschlands größter Ingenieurdienstleister Ferchau Engineering und ThyssenKrupp den Abschluss hinten an. „Bei uns ist nicht der Bachelor- oder Masterabschluss entscheidend, sondern die bessere Praxiserfahrung, die der Bewerber durch Praktika, Studententätigkeiten oder ein praxisnahes Thema in der Abschlussarbeit vorweisen kann“, sagt Elisa Wicke, Recruitingmanagerin bei Ferchau. Wollen Ingenieure allerdings in die Forschung gehen, reicht ein Bachelor in der Regel nicht aus. „Wir stellen in der Mehrzahl Master ein, weil sie das für die wissenschaftliche Arbeit erforderliche tiefere Wissen mitbringen“, sagt Christian Jenssen aus dem Personalmarketing des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).
           

          Bachelors erhalten interne Weiterbildung

          Ähnlich wie bei den Ingenieursstellen in der Wirtschaft sieht es im IT-Bereich aus. Auch hier stehen Bachelor und Master erst einmal auf gleicher Stufe. Der IT-Konzern IBM befürwortet es sogar, wenn Bachelors direkt ohne Masterstudium ins Unternehmen kommen. „Das Wissen in der Informatik ist so schnelllebig, dass es sinnvoll ist, wenn Studierende nach dem Bachelorabschluss direkt ins Unternehmen kommen und sich das weitere Wissen über die Praxis aneignen“, erklärt Torsten Kronshage, Leiter der IBM-Hochschulprogramme. Dazu bietet der Konzern ein berufsbegleitendes Masterprogramm über zwei Jahre an, parallel zu der Arbeit in einer Fachabteilung. Auch die Deutsche Telekom und Cisco Systems setzen auf eine interne beziehungsweise ans Unternehmen angebundene Weiterbildung von Mitarbeitern mit Bachelorabschluss. Bei Cisco passiert das vor allem über Coaching und verschiedene Wissensseminare. Die Telekom, bei der insgesamt rund zwei Drittel der angestellten Hochschulabsolventen einen Bachelor haben, hat mit der IHK Köln die spezielle Weiterbildung „Cypersecurity Professional“ aufgesetzt, die sich unter anderem an IT-Studenten richtet.

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