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Deutschlands bester Online-Prof : Sendung mit der Mouse

  • -Aktualisiert am

Bild: Illustration: Katrin Rodegast / 2AGENTEN; Fotograf: Ragnar Schmuck

Jörn Loviscach ist der deutsche Superstar des E-Learnings. Millionen User klicken seine Mathekurs-Filme auf Youtube an. Jetzt plant er ein Online-Seminar über den Bau von Raumschiff Enterprise.

          Guten Morgen, Herr Loviscach, wie viele Klicks haben Ihre Youtube-Videos zur Mathematik?
          Jörn Loviscach: Lassen Sie mich gerade gucken: 9.200.000.

          Macht Sie das stolz?
          Ein bisschen schon. Aber ich frage mich auch, was am Matheunterricht an den deutschen Schulen und Hochschulen faul ist, dass sich so viele online helfen lassen müssen. Wenn jemand vor Ort wäre, der das ordentlich erklärt, wäre das nicht nötig.

          Sind Ihre Videos nicht eigentlich für Studierende gedacht?
          Doch. Aber zehn Prozent der Zuschauer sind Schülerinnen und Schüler, gerade bei den einfachen Themen. Ich fange ja mit der Bruchrechnung an. Wenn es schwieriger wird, bei den Differenzialgleichungen zum Beispiel, steigen die Schüler aus.

          Handelt es sich vor allem um verzweifelte Schüler?
          Es gibt auch Neuntklässler, die sich schon mal ansehen, was sie im nächsten Halbjahr machen werden. Aber es gibt definitiv Schüler, die Hilfe suchen für Klassenarbeiten und Hausaufgaben.

          Mal ganz generell gefragt: Wie lernt man am besten?
          Das Wichtigste ist, dass einen das Thema interessiert, damit man selbst die Initiative entwickelt, lernen zu wollen. Sich etwas ins Hirn zu schaufeln, funktioniert nicht. Das ist nach zwei Wochen wieder weg, oder nach zwei Tagen. Jeder lernt, Auto zu fahren, Schnürsenkel zu binden, eine Pizza in den Ofen zu schieben, sein Handy zu bedienen. Das, was man gegen seinen Willen lernen soll, ist für die Schule übrig geblieben. Lernen in der Gruppe ist sicher auch einfacher als allein, aber der erste Schritt muss sein: Ich möchte das lernen.

          Haben sich Arbeitsweise und Konzentrationsfähigkeit der Studierenden verändert?
          Wenn man früher etwas an der Uni etwas nicht mitgekriegt hatte, musste man sich eine Quelle suchen, meist ein Buch, und sich das im Nachhinein erarbeiten. Sonst hatte man verloren. Heute denken viele Studierende: Das wird schon irgendwie gehen.

          Woher kommt das?
          Wie sage ich das jetzt politisch korrekt? Studierende, die nur studieren, weil sie keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, haben es schwer. Das andere: An vielen Universitäten und auch Fachhochschulen ist das, was unterrichtet wird, weit weg von der Praxis. In meinem Mathe-Curriculum sind Themen, die Ingenieure im Beruf nicht allzu häufig brauchen, sage ich mal ganz vorsichtig.

          Und da helfen Ihre praktischen Videos. Aber haben Sie dadurch nicht viel mehr Arbeit?
          Die Aufnahmen sind so schlank gehalten wie nur möglich. Ich habe kein Produktionsteam, nur Standardsoftware und ein paar selbst programmierte Werkzeuge. In einem typischen Video sieht man, wie ein elektronischer Stift über das virtuelle Papier fährt, Skizzen und Gleichungen produziert. Dazu meine Stimme aus dem Off. Das Format zwingt mich dazu, locker und nicht so akademisch zu sein. Salman Khan (siehe rechte Seite, Anm. d. Red.) in den USA hat ein paar Jahre vor mir mit Videos in diesem Stil angefangen.

          Wir reden gerade von Ihren Youtube-Videos. Sie nehmen aber auch MOOCs auf. Können Sie erklären, was MOOCs sind?
          Massive Open Online Courses: große Online-Kurse, die für jedermann offen sind und nichts kosten. Die bisher größten Plattformen dafür heißen Coursera, edX und Udacity.

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