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Profi-Strategien für die Examensarbeit : Vier Profi-Tipps für den Kampf gegen das weiße Blatt

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John Perry, 71, ist ein amerikanischer Philosoph und emeritierter Professor der Stanford Uni­ver­sity. Er ist Autor des Buches „Einfach liegen lassen. Das kleine Buch vom effektiven Arbeiten durch gezieltes Nichtstun“ (erschienen im Riemann Verlag, 128 Seiten, 12,99 Euro). Bild: Stina Johnson

Professoren, Drehbuchautoren, Schriftsteller und Songtexter – sie alle kennen die Angst vor dem weißen Blatt. Sie alle haben Strategien entwickelt, die gegen Schreibblockaden helfen. Und die auch bei Examensarbeiten funktionieren.

          „Verlass dich nicht allein auf deine Willenskraft.“

          Ich möchte eine sehr gute Arbeit schreiben – und habe deshalb Hemmungen, überhaupt anzufangen. Wie überwinde ich mich trotzdem? Perfektionismus-Fantasien sollte man so schnell wie möglich überwinden. Am besten, indem man sich fragt: Will ich meinen Text später für den Nobelpreis einreichen – oder die Schreibaufgabe vor allem erledigt haben? Wichtig ist, sich klar zu machen, dass es reicht, eine gute Arbeit abzugeben. Man sollte die Latte auf keinen Fall zu hoch legen. Was hilft noch gegen die Angst vor dem weißen Blatt? Ein guter Trick besteht darin, einfach loszuschreiben. Das bedeutet nicht, dass man auf Seite eins mit der Einleitung der Arbeit beginnt. Stattdessen sollte man alle möglichen Punkte aufschreiben. Gedanken zum Thema, die für den späteren Text nützlich sein könnten. Dadurch hat man schnell Material zusammen, und es fällt einem leichter, mit der eigentlichen Arbeit loszulegen. Facebook, Twitter, WhatsApp: Wie schaffe ich es, mich nicht ablenken zu lassen? Es hilft nicht, sich allein auf seine Willenskraft zu verlassen. Stattdessen sollte man überlegen, wie man sich davon abhalten kann, Zeit mit anderen Dingen zu verbringen. Am besten schreibt man sich eine To-do-Liste. So kann man große Aufgaben in kleinere Abschnitte einteilen und hat jedes Mal ein gutes Gefühl, wenn man wieder einen Punkt abhaken kann. Und man kann dort Dinge aufschreiben wie: „Bis 10.30 Uhr kein Facebook“. Außerdem kann man einen Alarm auf dem Computer einrichten, der alle 30 Minuten fragt, was man gerade tut.


          „Nicht mit der Brechstange rangehen.“

          Johannes Strate, 33, ist Sänger und Songwriter von „Revolverheld“. Die Band gibt es inzwi-schen seit elf Jahren, sie hat mehrere Hunderttausend Alben verkauft. Das neue Album „Immer in Bewegung“ ist im Sep­tember 2013 erschienen.

          Wenn ich Songtexte schreibe, schließe ich mich in meinem Studio ein. Ich mache mein Handy aus, setze mich ans Klavier oder an die Gitarre und klimpere ein bisschen herum. Sobald ich eine schöne Melodie finde, fange ich an, einen Text dazu zu ­schreiben. Meistens entsteht der Refrain als Erstes. Er beschreibt das Kernthema, von dem ich erzählen will. Schreiben hat für mich auch eine therapeutische Funktion. Es ist, als würde ich über ein Thema sprechen, das mich gerade beschäftigt. Ich habe damit angefangen, als ich 15 Jahre alt war. Je erfolgreicher „Revolverheld“ geworden ist, desto größer wurde der Druck beim Schreiben neuer Songs. Plötzlich war alles sehr professionell, wir waren nicht mehr nur die Hobby-Band, die ihre Songs der letzten Jahre zusam-mengesammelt hat. Auf einmal musste innerhalb weniger Monate ein neues Album entstehen. Als ich zum ersten Mal eine Schreibblockade hatte, habe ich Panik bekommen: „Es hat doch immer geklappt, wieso klappt es denn jetzt nicht mehr?“ Und ich hatte Angst, dass mir nie wieder etwas einfällt. Auch heute noch kommt es vor, dass ich entweder nur Schrott schreibe oder nicht weiter-komme. Inzwischen weiß ich, wie ich in so einer Situation am besten reagiere. In erster Linie sollte man an sich glauben und wissen: Es muss einem nicht zu jedem Zeitpunkt eine Idee kommen. Man sollte versuchen, lockerzulassen. Nicht mit der Brechstange rangehen, sondern lieber eine Pause machen. Ich gehe in solchen Situationen spazieren oder beende den Arbeitstag und mache am nächsten Tag weiter. Das ist für mich ein gutes Rezept. Ich versuche, mich nicht verrückt machen zu lassen. Mittlerweile, nach dem vierten Album, habe ich mich daran gewöhnt und weiß, dass ich zuversichtlich sein kann. Weil ganz bestimmt wieder neue Ideen kommen werden.

          „Ist doch klar, dass ich Angst habe.“

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