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Zwischen Uni und Fußballfeld : Sportstipendien im Ausland

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Ein Sportstipendium im Ausland bietet vielseitige Chancen und verspricht außergewöhnliche berufliche Perspektiven. Bild: Julia Zimmermann

Ein Studienaufenthalt im Ausland ist oft teuer. Doch wer sportliches Talent hat, der kann mit Hilfe eines Sportstipendiums in anderen Ländern studieren. Leistungssport und Studium unter einen Hut zu bekommen ist zwar nicht leicht. Doch unsere drei hoffnungsvollen Sporttalente zeigen: Ein solcher Auslandsaufenthalt ist vielseitig und verspricht außergewöhnliche berufliche Perspektiven.

          Die eine Hälfte von Julians Welt: 22 Hartplätze, sechs Hallenplätze, Krafträume, Eisbäder, moderne Trainingstechnologie, Trainer und Physiotherapeuten, die rund um die Uhr verfügbar sind. Zum College der Baylor University im texanischen Waco, also der anderen Hälfte von Julians Welt, sind es nur vier Autominuten. Dort achtet ein „Advisor“ eigens darauf, dass sich Julians Studien- und Trainingszeiten nicht überschneiden und die Tennisspieler den aufgrund von Turnierreisen versäumten Stoff mit bereitgestellten Nachhilfelehrern aufholen. Und die Krönung: Die Sonne scheint in Texas auch fast immer.

          Julian Lenz kann dies auch im dritten Jahr an der Baylor University noch genießen. Der Hesse ist im August 2012 in die Vereinigten Staaten gegangen – um zu studieren und gleichzeitig an seinem Traum „Tennisprofi“ zu arbeiten. Ein Sportstipendium macht es möglich, dass das eine (Tennis) geht, ohne das andere (Studium) unterlassen zu müssen. „Es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Sportlich, aber auch von meiner persönlichen Entwicklung her bringt mich die Zeit hier enorm voran“, erzählt der 21-Jährige. „Außerdem kann ein abgeschlossenes Studium im Ausland nach meiner angestrebten Karriere als Profisportler nur von Vorteil sein.“ Lenz hatte als einer der erfolgreichsten deutschen Nachwuchsspieler Angebote von gleich zehn amerikanischen Hochschulen auf dem Schreibtisch im heimischen Grünberg liegen.

          Sportler sind Repräsentanten der Hochschule

          Während „normale“ Studenten an der Baylor University je Semester rund 25.000 Dollar bezahlen müssen, lebt, isst, trinkt, wohnt, trainiert, spielt und studiert Lenz quasi kostenlos. Die Universität investiert in vier Studienjahren – Lenz strebt 2016 einen Bachelor of Business Administration an – etwa 250.000 Dollar in einen Topathleten wie ihn. Die College-Sportler stehen in Amerika im Rang von Repräsentanten der Hochschule und sollen deren Prestige mehren. Die Unis stellen beste Trainingsbedingungen und medizinische Betreuung, gute Trainer und vor allem ein Studium zur Verfügung, das an den Bedürfnissen der Sportler ausgerichtet wird. In Deutschland dagegen stehen viele Aktive in den wichtigsten Jahren ihrer Sportkarriere vor der heiklen Frage, wie sehr sie ihre Hochschulausbildung für den kraft- und zeitraubenden Sport vernachlässigen können. Ein Balanceakt, vor allem in jenen Sportarten, in denen auch bei großen Erfolgen nicht viel Geld zu verdienen ist. Denn wegen unflexibler Lehrpläne und Klausur- und Prüfungsterminen verpassen die Athleten in der Wettkampfsaison und während Trainingslagern viel. Die Studiendauer erhöht sich, dazu fehlt die Zeit, den Lebenslauf mit Auslandssemester und Praktika aufzuhübschen. Die Folge: Beim Übergang in das Berufsleben sind die Athleten häufig benachteiligt.

          Laut einer Studie der Stiftung Deutsche Sporthilfe haben neun von zehn A-Kader-Athleten nicht das Gefühl, ausreichend auf das Leben nach dem Sport vorbereitet zu sein. Julian Lenz fühlt sich, wie er sagt, „auf der sicheren Seite“. Zum einen ist sein angestrebter Abschluss in Amerika hochangesehen, zum anderen sind erste Kontakte in die Arbeitswelt schon geknüpft. Der Co-Präsident des amerikanischen Technologiekonzerns Oracle ist Sponsor des Baylor-Tennisteams. Doch zunächst will der 1,90 Meter große Lenz nach dem Ende des Studiums in der Tennis-Profitour durchstarten – erste Erfahrungen bei Future- und Challenger-Turnieren hat die Nummer eins der amerikanischen College-Rangliste schon gemacht. Die Grundlagen legt er während des täglich mehrstündigen Trainings vor und nach den Vorlesungen. Um 6 Uhr in der Früh steht meist eine Kraft- und Konditionseinheit an, gefolgt von Tennistraining, ehe es über Mittag in die Uni geht. Zwischen 14:30 und 17:30 Uhr steht Lenz mit den Kollegen des Uni-Teams auf dem Platz. Neulich war Benjamin Becker mal wieder zu Gast in Waco und hat mit Lenz gemeinsam trainiert. Der 33-jährige Deutsche hat es von der Baylor University aus in den elitären Tenniszirkel geschafft, er steht auf Weltranglistenposition 40.

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