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Digitalisierung : Studium 4.0: Schafft die Uni sich ab?

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Es ist aber schon zu erahnen: Die digitale Transformation verändert die Wege, wie das Wissen zu uns gelangt. Aus diesem Grund veröffentlichte das Hochschulforum Digitalisierung – ein akademischer Thinktank unter der Schirmherrschaft des BMBF – im September ein Thesenpapier: Virtuelles Lernen lasse die Uni internationaler werden, heißt es dort. Und dass die Zusammenarbeit aller Institutionen der Schlüssel zum Erfolg sei. Diese Kollaboration sei zwar noch der Knackpunkt, aber auf absehbare Zeit lösbar – Unis müssten dafür langfristig und strategisch planen, der Gesetzgeber Datenschutz und Urheberrecht reformieren. Doch die erste These des Pamphlets lautet: „Die digitale Hochschule gibt es nicht.“

Die Uni als Ort bleibt. Das bemerken Studenten auch, wenn sie in völlig überfüllten Bibliotheken einen Sitzplatz suchen. Dabei könnte man meinen, dass die „Bib“ im Zeitalter digitaler Kataloge nicht mehr gebraucht würde. Viele Standardwerke haben an Bedeutung verloren, zu langsam ist der Buchdruck. Studieren heißt heute vielerorts, aktuelle digitale Papers herunterzuladen, die auf artverwandte Dokumente verlinken. Diese digitalisierte Wissenschaft verjüngt sich im Wochentakt. Und trotzdem sind Universitätsbibliotheken voller Studenten. Warum? Zwar werde es bald nicht mehr nötig sein, sich an einem bestimmten Ort aufzuhalten, um bestimmte Informationen zu bekommen, schrieb Ulrich Schneider, Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig, bereits im Jahr 2010. Wohl aber seien Bibliotheken „soziale Orte der Kommunikation“.

Erste Unis stellen sich bereits auf den Wandel ein. Weite Teile ihrer Bibliotheken erinnern mittlerweile an die Coworking Spaces trendiger Berliner Start-ups mit farbenfroh gestalteten Gruppenarbeitsplätzen und Couchlandschaften. Die Einrichtung soll zum gemeinsamen Arbeiten anregen. Dass jemand eine laute Gruppe mit einem kräftigen „Schhhhh!“ ermahnt, könnte bald der Vergangenheit angehören. „Teamwork wird im Studium immer entscheidender“, bestätigt Technikphilosoph Mainzer. „Die Technik erlaubt, dass wir uns immer weiter vernetzen.“ Für den schnellen Datenaustausch gehören auch Cloud-Dienste wie Dropbox oder WeShare mittlerweile zum akademischen Standardrepertoire. So können Dozenten Material auch während des Semesters verändern, auf Neuerungen reagieren, statt den immer gleichen Kurs-Reader zu verteilen.

Die Digitalisierung der Seminare lässt Universitäten in Deutschland sogar in bisher universitätsfreie Gebiete vordringen: So arbeiten die drei Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayerisch-Schwaben an einer digitalen Erweiterung. Ab Herbst kommenden Jahres wollen die Hochschulen Augsburg, Kempten und Neu-Ulm gemeinsam eine neue, weitgehend virtuelle Universität fernab aller Universitätsstädte in Allgäu und Nordschwaben starten. Doch auch die Netz-Uni, deren Verwaltungsgebäude in Studentenstädten außerhalb der bayerischen Provinz stehen werden, soll die Alma Mater als Ort nicht ganz ersetzen. Im Gegenteil: Ziel sei es auch, mit einem digitalen Kursangebot den Zugang zu akademischen Inhalten in der Region zu erleichtern, erklären die Macher. Man wolle Ingenieure und BWL-Interessierte vorbereiten, damit sie später an einer der Präsenz-Hochschulen in Augsburg, Kempten und Neu-Ulm weiterstudieren könnten. Die Digitalisierung schafft die Universitäten also nicht ab. Aber sie ergänzt das Studium durch neue Möglichkeiten, die das Internet bietet.

BWL- und IT-MOOCs gehören zu den beliebtesten

Wer einen Massive Open Online Course (MOOC) belegt, der will sein Wissen besonders in Managementtheorie erweitern oder eine Programmiersprache lernen. Das zeigen Daten der MOOC-Suchmaschine Class Central. Der Anbieter hat ein Ranking der beliebtesten MOOCs des vergangenen Jahres veröffentlicht. Fünf davon widmeten sich der Betriebswirtschaftslehre. Drei Kurse lehrten ihre Teilnehmer die Grundzüge einer Programmiersprache. Der beliebteste MOOC-Macher war die Plattform Coursera, sie stellt allein fünf der Top-Ten-MOOCs. Udacity und Open2Study teilen sich den zweiten Platz. Die MOOC-Plattform der Harvard University und des Massachusetts Institute of Technology, edX, ist mit einem Kurs unter den Top Ten vertreten.

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