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Interview-Reihe : Studium + X | Wie Studenten besondere Herausforderungen meistern

  • -Aktualisiert am

Nikolas Trischler, 21, studiert Geographie. Bild: Lien Herzog

Fremde Stadt, neue Lerninhalte, stressige Prüfungsphase – ein Studium birgt viele Herausforderungen. Doch es gibt Studenten, die weitere Hürden nehmen müssen. Fünf von ihnen berichten.

          Studium + Legasthenie

          Nikolas Trischler, 21
          Studium: Geographie 

          „Warum sollte ich mich schämen?“ Nikolas Trischler zuckt mit den Schultern. Der 21-Jährige studiert Geographie, hat gute Noten und ein kleines Problem, aus dem er kein Geheimnis macht. Nikolas leidet unter Legasthenie (Dyslexie) – einer unheilbaren Lese-Rechtschreib-Störung. Die Texte des Studenten sind voller Fehler. Beim Lesen erkennt er die Wörter vor allem anhand ihrer Silhouetten. Oft verwechselt er deshalb das „d“ mit dem „t“, weil beide für ihn sehr ähnlich aussehen. „Gerade in der Prüfungszeit muss ich enorm viel Zeit und Kraft in das Lernen stecken. Nachdem ich paar Seiten gelesen habe, muss ich mich erst einmal etwas ausruhen“, erzählt er. An deutschen Hochschulen gibt es schätzungsweise 60.000 Studierende, die unter Legasthenie leiden. Nikolas ist einer von ihnen und meistert sein Studium mit überraschend guten Noten. Der Legasthenie-Coach Lars Michael Lehmann erklärt: „Menschen, die unter Dyslexie leiden, sind nicht dumm.“ Viele seiner Schützlinge hätten einen hohen IQ. „Doch das Umfeld prägt sie enorm“, so Lehmann. „Wenn es die Betroffenen nicht unterstützt oder sie gar ausgrenzt, dann können sie seelische Schäden davontragen.“ Nikolas hat deshalb bei der Wahl seiner Hochschule sehr viel Wert auf das Vorgespräch mit den jeweiligen Beratungsstellen für Behinderte und chronisch Kranke gelegt. Die Universität Würzburg stach dabei besonders hervor. Diese wurde 2012 vom Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) als „Legasthenie-freundliche Hochschule“ ausgezeichnet. Hier bekommt Nikolas das Recht auf Nachteilsausgleich. Denn einem Gutachten zufolge gilt er zu 30 Prozent als behindert. Nachteilsausgleich heißt für ihn: 30 Prozent mehr Zeit bei seinen Klausuren und Hausarbeiten, seine Rechtschreibfehler werden nicht berücksichtigt.

          Legasthenie als Behinderung? Davon distanziert sich Lehmann sehr deutlich: „Legasthenie ist weder eine psychische Erkrankung noch eine Behinderung, sondern ein persönliches Merkmal. Lehmann vergleicht das mit grauen Haaren: „Bei den einen kommen sie früher, bei den anderen später, und bei manchen gar nicht.“ Lehmann ist selbst von Legasthenie betroffen und beschäftigt sich als Forscher und Fachjournalist seit 20 Jahren mit der Problematik. Heute hilft er als Legasthenietrainer anderen Betroffenen. Für junge Menschen sei es wichtig, eine gute Resilienz, sprich eine gute seelische Widerstandsfähigkeit zu entwickeln und ihre Schwächen zu kompensieren, rät Lehmann. Eine gute Resilienz – die besitzt Nikolas. „Ich bin immer offen mit meiner Legasthenie umgegangen, weshalb ich nur selten negative Erfahrungen gemacht habe. Warum sollte ich das verstecken? Früher oder später fällt das ohnehin auf.“ Nach vier Semestern kennt Nikolas seine Stärken und Schwächen gut. Stattdessen könne er häufig aus Diagrammen und Grafiken mehr herauslesen als seine Kommilitonen. „Wenn mir etwas Spaß macht, dann fällt mir das Lernen leichter“, sagt Nikolas. „Auch wenn ich doppelt so viel Arbeit reinstecken muss wie andere.“

           

          Studium + Hochleistungssport

          Alexander Nobis, 24
          Studium: Maschinenbau

          Alexander Nobis, studiert Maschinenbau.
          Alexander Nobis, studiert Maschinenbau. : Bild: Privat

          „Die Doppelbelastung aus Studium und Hochleistungssport bin ich gewohnt. In der Sportschule war das Training sogar in den Stundenplan integriert. Hier im Studium muss ich das selber organisieren. Insgesamt 35 Stunden widme ich pro Woche mich meinem Sport, dem Modernen Fünfkampf. Dieser besteht aus den fünf Disziplinen Schwimmen, Laufen, Schießen, Fechten und Reiten. Die TU Berlin habe ich mir mit Blick auf den Sport für das Studium ganz bewusst ausgesucht. Denn hier sind die Professoren ziemlich kulant – etwa bei Fehlzeiten oder Prüfungsverschiebungen. Als Partnerhochschule des Spitzensports unterstützt sie studierende Sportler bei ihrer dualen Karriere. Trotzdem war es gerade zu Beginn meines Maschinenbaustudiums ein riesiger Berg an Arbeit, den ich zu bewältigen hatte. Inzwischen sind meine Kommilitonen aus dem ersten Semester mit ihrem Studium fertig, während ich gerade im 9. Semester bin. Als nächstes stehen 2016 die Olympischen Sommerspiele in Rio an. Für die werde ich ein Urlaubssemester einlegen, damit ich mich wie immer ganz auf den Sport konzentrieren kann.“

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