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Studium der Nachhaltigkeit : Lernen, wie man ein bisschen die Welt rettet

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Bild: Illustration Jan Kruse/Human Empire

Firmen, die sich nicht um Nachhaltigkeit kümmern, können schon mal ihre Abwicklung planen, glaubt ein Professor der Uni Lüneburg. Und bringt seinen Studierenden bei, den Planeten zu schützen und gleichzeitig das Unternehmen von morgen zu erfinden. Eine von ihnen ist Friederike Klöckner – ein Treffen.

          Sie hätte nur Ja sagen müssen. Ja zur festen Stelle, Ja zum sicheren Einkommen, Ja zur Karriere. Dann säße Friederike Klöckner an diesem Dienstagmorgen in Tübingen in einem Büro, trüge zum dunkelblauen Hosenanzug eine weiße Bluse und beriet mit gerade mal 24 als Junior Consultant internationale Konzerne wie Sony oder Hewlett-Packard bei der Umsetzung europäischer Umweltschutzgesetze. Nach ihrem Wirtschaftsrechtstudium, das sie im Sommer 2011 an der Dresdener TU mit dem Bachelor und der Note 1,5 abschloss, hatte sie ein sechsmonatiges Praktikum bei einem Tübinger Beratungsunternehmen absolviert und anschließend das Angebot auf eine Festanstellung bekommen. Doch: Sie lehnte ab.

          „Ich hatte damals eine kleine Zukunftskrise“, erinnert sich Klöckner: „Ich konnte und wollte mich nicht festlegen; auch nicht für ein paar Jahre. Also habe ich intensiv darüber nachgedacht: Wenn ich arbeite, wo möchte ich arbeiten, und wenn ich studiere, was möchte ich studieren?“ Nur eines war ihr klar: Ihr Beruf sollte sinnvoll sein für sie – und nützlich für andere.

          Und so sitzt Friederike Klöckner, lange braune Haare, Jeans und Perlenohrstecker, nun um drei Minuten nach zehn an einem großen runden Tisch am Fenster der Lüneburger Campus-Mensa – ihr Arbeitsplatz für die nächsten vier Stunden –, holt aus ihrer weißen Kuriertasche ein paar mit neongrünem Leuchtstift versehene Ausdrucke heraus und legt ihr Handy neben einen mit heißem Ingwertee gefüllten Thermosbecher. Seit September absolviert die heute 24-Jährige den viersemestrigen Master-Studiengang „Nachhaltigkeitswissenschaft – Sustainability Science“. Zusammen mit ihren Kommilitonen Felix Czer¬nin (24) und Haris Sefo (27) will sie noch an der gemeinsamen Präsentation für das Seminar am Nachmittag feilen. Die Aufgabe: „Erarbeiten Sie eine Nachhaltigkeitsmarketingstrategie für die Marke Volkswagen.“ Knapp 20 Minuten wird die Gruppe Zeit haben, um 40 Kommilitonen, vor allem aber den Seminarleiter Professor Stefan Schaltegger, einen der profiliertesten Köpfe in Deutschland im Bereich Sustainability Management, von ihren Ideen zu überzeugen.

          Das Studium der Nachhaltigkeit

          Die Fakultät Nachhaltigkeit, 2010 an der Leuphana-Universität gegründet, ist einmalig in Deutschland. Nachhaltigkeit wird hier interdisziplinär gelehrt – und das bedeutet: Rund 25 Professoren aus den verschiedensten Fachbereichen wie beispielsweise Chemie, Informatik, Ökologie, Ethik, Politik, Psychologie, Jura und BWL unterrichten die Studierenden darin, Themen wie Energiewende, Urbanisierung und Umweltverschmutzung aus einem ökologischen Blickwinkel, aber auch aus einem ökonomischen und sozialen zu betrachten. „Die Kombination aus sowohl naturwissenschaftlicher als auch humanwissenschaftlicher Perspektive finde ich wirklich genial an diesem Studiengang“, sagt Friederike Klöckner: „Dieser ganzheitliche Ansatz bewahrt einen davor, ideologisch zu werden. Weil es immer darum geht, eine Lösung zu finden, die die unterschiedlichen Interessen berücksichtigt.“ Seit sie denken könne, setze sie sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander. Also damit, was in den 1980er-Jahren für die Vereinten Nationen in einer noch immer gültigen Definition als dauerhafte Entwicklung beschrieben wurde, „die die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt, ohne die Bedürfnisse künftiger Generationen zu gefährden“. Klöckner ist auf einem Bauernhof im Siegerland aufgewachsen; ihre Eltern haben ihr den einzig angemessenen Umgang mit der Natur vorgelebt: einen respektvollen.

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