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Hilfe ist unterwegs: Wie Rettungsingenieure Leben retten : Hilfe, wenn die Erde bebt!

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Rettungsingenieure sind vielseitig ausgebildet und in fast allen helfenden Berufen einsetzbar. Vor allem sind sie Organisations-Spezialisten, die Gefahrensituationen gut einschätzen können. Als sich Uhlenbrock 2005 für den Bachelor-Studiengang Rettungsingenieurwesen in Köln einschrieb, gehörte er zu einem der ersten Jahrgänge. „Es gab einen wachsenden Bedarf an Leuten, die vielseitig ausgebildet sind, gerade im Rettungsbereich.“ In sieben Semestern lernen die Studenten etwa, welche Abwehrmaßnahmen es bei Seuchen und Epidemien gibt und wie man mit den Gesundheitsbehörden zusammenarbeitet; aber auch, wie man mit einem vorgegebenen Budget auskommt, um Einsätze zu planen. Zu Ingenieuren werden sie, weil sie sich unter anderem mit Maschinenbau, Anlagen- und Verfahrenstechnik auseinandersetzen und eine Zeit lang bei Rettungsdiensten und Behörden arbeiten müssen. „Heute weiß ich, warum man all das braucht, auch wenn man am Ende nicht das Gefühl hat, ein klassischer Ingenieur zu sein, der auf einem Gebiet viel Wissen hat.“

Uhlenbrock führt weiter über Flure mit taubengrauen Teppichen, öffnet eine Glastür zum Hof. Dort zündet er sich eine Zigarette an und inhaliert so tief, als würde er erst jetzt genügend Sauerstoff bekommen. Selbst wenn er nur vom Computer aus Einsätze koordiniert, trägt er genauso viel Verantwortung für die betroffenen Menschen wie die Hilfskräfte vor Ort. Das sind Belastungssituationen. „Man zeigt seine Gefühle hier nicht so“, sagt er, „das ist hier einfach nicht so angesagt.“ Hier draußen wirkt er plötzlich gelöster. Wie ein Kommilitone in der Raucherpause, jemand, der sich nicht beobachtet fühlt. Er kenne es von sich selbst, dass er die Bilderflut aus Einsätzen erst einmal irgendwo in sich einlagert. „Sobald ich frei habe, geh ich dann raus und spiele Basketball oder gehe klettern, irgendetwas mit Bewegung.“ Die Kollegen verarbeiten ihre Erlebnisse in einem gemeinsamen Treffen, das sich „Lessons learned“ nennt. Dort sprechen sie über das, was sie erlebt haben. Wie eine Gesprächstherapie, nur dass jeder von ihnen Zuhörer und Redner gleichermaßen ist.

Zurzeit plant Uhlenbrock eine groß angelegte Katastrophenschutzübung in Kroatien. Eine simulierte Überschwemmung mit 500 Mitwirkenden, bei der er mit einigen Kollegen die Teams koordinieren muss, den Aufbau der Dach-Attrappen, die im See verankert werden und von denen später die Ertrinkenden gerettet werden, die wiederum von Schauspielern gemimt werden. Dieses EU-Projekt ist eine logistische Herausforderung, und nebenbei lernt er, sich mit den ausländischen Kollegen abzustimmen. Aber das reicht ihm alles nicht.

Er will wissen, was es heißt, vor Ort zu sein. In einer Katastrophenlage Teams koordinieren, zur Not selbst aus eingestürzten Häusern Menschen retten. Als Rettungsingenieur zieht er jetzt hauptsächlich von seinem Computer aus wichtige Strippen. Um vor Ort internationale Teams leiten und koordinieren zu dürfen, müsste er noch Zusatzqualifikationen erwerben. Deshalb absolviert er neben der Arbeit den Master in Katastrophenvorsorge und -management, ein ebenfalls junges Fach, das grob gesagt die Lehrinhalte des Rettungsingenieurwesens noch intensiviert und Führungskräfte ausbildet. Uhlenbrock verschränkt die Arme. Sein Schultern zeichnen sich unter dem Stoff ab. Er wirkt dynamisch, aber schmal für einen Mann, der in Zukunft einmal Menschenleben retten will.

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