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Hilfe ist unterwegs: Wie Rettungsingenieure Leben retten : Hilfe, wenn die Erde bebt!

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Warum will er sich freiwillig immer wieder in Gefahrensituationen begeben, Menschen aus Trüm-mern befreien, Leichen bergen? Er wisse es nicht, sagt er. Nach dem Abitur jobbte er drei Monate lang für eine Nichtregierungsorganisation in Gambia. Brachte Reis in Dörfer, reparierte Rollstühle und half im Krankenhaus. Er erinnert sich an eine Frau, die mit einem offenen Tumor gekommen war. Sie wurde nur notdürftig verbunden, weil es an Behandlungsmöglichkeiten mangelte. „Sie musste unter höllischen Schmerzen leiden“, sagt Uhlenbrock, „aber sie jammerte nicht und küm-merte sich einfach um ihre Besucher.“ Man hört den ernsten Unterton in seiner Stimme. Er hat eine Aufgabe im Leben, einen Glauben daran, das Richtige zu tun, auch wenn er das für die natür-lichste Eigenschaft der Welt hält. „Ich habe einfach gesehen, wo Hilfe notwendig ist und was man tun muss, damit es Menschen besser geht – das ist mir einfach wichtig geworden.“

Ein paar Monate nach dem Beben in Haiti kamen einige Helfer zurück und berichteten von ihren Erfahrungen vor Ort. Einer von ihnen erzählte, dass er nie zuvor ein Elend von solchem Ausmaß gesehen hatte. Bei anderen Einsätzen war das Katastrophengebiet jeweils kleiner, und die Versor-gungswege waren kürzer; in Haiti lagen die Trümmer und Leichen bis zum Horizont, sagt er. Nichts war mehr da, und überall lag ein süßer Verwesungsgeruch in der Luft. Der Kollege erzählte das fast ein wenig trocken. Als würde er über etwas sprechen, das nichts mit ihm zu tun hat. Doch Uhlenbrock merkte an seinem traurigen Blick, wie betroffen er war. Er weiß noch genau, wie viel Respekt er vor dem Mann hatte.

Was machen Ingenieure?
Zu den Elite-Studiengängen der Hochschullandschaft zählen seit vielen Jahren die Ingenieurwissenschaften. Kein Wunder, denn die Branche gilt als krisenfest. 57.000 Hochschulabgänger machten 2010 ihren Abschluss in Feldern wie Maschinenbau, Verfahrenstechnik oder Bauingenieurwesen – und dennoch gibt es einen Überschuss an Stellen. Allein im Februar dieses Jahres konnten mehr als 87.000 Ingenieursstellen nicht besetzt werden. Rettungsingenieure sind als Einsatzkräfte gefragter denn je: „Schätzungsweise 80 Prozent unsere Absolventen finden eine Beschäftigung im Bereich Feuerwehr, Rettungsdienst, Ingenieurbüro oder Industrie“, sagt Professor Dr. Dr. Alex Lechleuthner, Leiter des Institutes für Rettungsingenieurwesen an der Fachhochschule Köln. „Durch die umfassende Ausbildung haben sie Einblicke etwa in Toxikologie oder Thermodynamik und können Brandsituationen einschätzen, aber zu-sätzlich haben sie auch Kenntnisse in medizinischen Gefahrenlagen und Psychologie. Bei einer Rettungs-aktion können sie die Situation oft umfassender bewerten und Hilfsmaßnahmen besser organisieren als ein klassischer Ingenieur.“ Seit 2002 bietet die FH Köln den Studiengang an; in Hamburg kann man das Fach seit 2006 an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) studieren.

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