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Die schöne Unbekannte : Studieren in Ljubljana

  • -Aktualisiert am

Bild: Slovenia.info

In Ljubljana leben, feiern und studieren über 60 000 Studenten an einer der ältesten und größten Universitäten Europas. Die Hauptstadt Sloweniens hat mit ihrer wunderschönen Altstadt, der Lage zwischen Alpen und Adria und einer lebendigen Partyszene viel zu bieten. Die slo­we­nische Universität ist unter deutschen Erasmus­Studenten immer noch ein Geheimtipp.

          Wo genau soll diese Stadt noch mal liegen? Katharina Arenz, Pharmazie-Studentin aus Bonn, fragte sich das, als Freunde begeistert von ihrem Erasmus-Jahr in der slowenischen Hauptstadt erzählten. Katharinas Neugier war geweckt, zu Hause warf sie gleich einen Blick auf die Europakarte – und stellte fest: Der frühere sozialistische Teilstaat Jugoslawiens mit seinen 280 000 Einwohnern ist gerade einmal so groß wie Hessen, liegt in einem grünen Tal zwischen Alpen und Adria, behaglich zwischen Italien, Österreich, Ungarn und Kroatien gekuschelt. Klingt spannend, dachte sich die 24-Jährige, die vor ihrem dritten Staatsexamen unbedingt noch einmal für ein Forschungspraktikum ins Ausland wollte. Aber Slowenien? Man erwartet Ost-Muff, graue Plattenbauten, Tristesse.

          Doch Ljubljana ist ganz anders. Eine mittelalterliche Burg thront über der Stadt, und statt durch heruntergekommene Straßen zwischen düsteren Plattenbauten läuft man auf hellen, gepflasterten Gassen unter schmiedeeisernen Balkonen, unter geschwungenen Torbögen hindurch und vorbei an stuckverzierten Jugendstil- und Barockfassaden. Die Altstadt entlang des Flusses Ljubljanca ist grün, hell, sauber – und vor allem lebendig: An der Uferpromenade reihen sich Cafés, Bars und Kneipen aneinander. Die Hauptstädter sitzen hier gerne im Freien, trinken Kava, den starken slowenischen Kaffee, Wein aus den Weinbergen, die man schemenhaft im Hintergrund der Stadt erkennt, oder eine der lokalen Biersorten. 60 000 Studenten sorgen dafür, dass in den Kneipen, Bars und Clubs der Stadt immer etwas los ist. „Man hat fast den Eindruck, dass es in der Stadt nur junge Leute gibt“, sagt Katharina. Die Studenten der Musikakademie verdienen sich abends als Straßenmusiker auf den Brücken über die Ljubljanca etwas dazu, und viele der perfekt durchgestylten Bars sehen aus, als hätten sich hier die Designstudenten der Kunstakademie ausgetobt. „Jeder, der herkommt, ist total überrascht, wie schön diese Stadt ist und dass man in nur einer Stunde am Meer oder in den Bergen ist“, sagt die Bonnerin, die jetzt als Erasmus-Praktikantin für ihre Masterarbeit an der pharmazeutischen Fakultät in Ljubljana forscht. „Außerdem ist das Niveau der Forschung sehr hoch.“ Ihr Professor aus Deutschland hat sie bereits einmal in Ljubljana besucht und war begeistert von den Projekten und der guten Ausstattung des Forschungslabors, in dem Katharina arbeitet.

          In anderen europäischen Ländern hat sich das längst herumgesprochen: Viele Erasmus-Studenten aus Frankreich, Portugal oder Spanien kommen für ein Auslandssemester nach Slowenien. Unter deutschen Studenten hingegen ist die Universitätsstadt am südöstlichen Zipfel der Alpen noch ein echter Geheimtipp – im Gegensatz zu beliebten Erasmus-Städten wie Barcelona, Rom oder Stockholm trifft man hier nicht ständig auf deutsche Mitstudenten. Viele landen eher durch Zufall hier – so auch Katherine Mahler. Als sie sich für ihren Masterstudiengang International Management an der Fachhochschule Worms anmeldete, stellte sie fest, dass die meisten Erasmus-Plätze für ihren Wunschtermin im dritten Semester bereits vergeben waren. „Es standen nur noch Rumänien und Slowenien zur Auswahl“, erinnert sich Katherine. Die ehrgeizige 27-Jährige wollte in ihrem Erasmus-Semester eigentlich ihre Spanischkenntnisse aufbessern. Und war enttäuscht. Doch nach einer ersten Recherche stellte sie fest: Die Universität hat viel zu bieten.

          Die Univerza v Ljubljani ist nicht nur die älteste und größte Hochschule in Slowenien. Mit ihren 22 Fakultäten, drei Kunst- und Musikakademien und ihrem Universitätskolleg erstreckt sie sich über die ganze Stadt. Katherine meldete sich also an der Faculty of Economics im nördlichen Teil der Stadt an, die eigens für Erasmus-Studenten viele Kurse auf Englisch anbietet. Das Studium ist anspruchsvoll: „Die Kurse sind hier sehr straff durchorganisiert, in den meisten Fächern gilt Anwesenheitspflicht, man bekommt Mitarbeitsnoten und muss viele Hausarbeiten schreiben“, sagt Katherine. In den ersten Wochen in Ljubljana kam sie kaum zum Luftholen: „Das Semester fängt sehr früh an, schon im Februar“, erklärt sie. Um diese Zeit wärmt noch keine Sommersonne die Studenten in den Straßencafés – stattdessen hängen Nebelschwaden über der Stadt, die Berge im Hintergrund sind noch im März schneebedeckt. Zeit für einen Slowenisch-Sprachkurs, Ausflüge oder lange Partynächte habe sie in den ersten Wochen kaum gehabt, sagt Katherine. „Viele Fächer starten direkt mit einer Art Block-Kurs, man hat zum Beispiel vier Wochen lang jeden Tag drei oder vier Stunden in einem Fach.“ Erst im Frühjahr kam sie dazu, die Stadt zu erkunden, und fuhr mit den für Erasmus-Studenten organisierten Ausflügen nach Belgrad oder Sarajevo, in die Weinberge und ans Meer. „Im April, wenn in Deutschland das Semester erst richtig losgeht, ist man in Ljubljana in manchen Fächern schon fast mit dem gesamten Stoff durch.“ Bei den Erasmus-Ausflügen in die Umgebung lernte Mahler dann auch die meisten anderen Erasmus-Studenten kennen. „Ich habe nicht im Studentenwohnheim im Zentrum gewohnt, sondern recht weit außerhalb der Stadt in einem privat vermieteten Zimmer“, erzählt die Studentin aus Worms. Im Wohnheim hätte man sicher schneller Leute kennengelernt, sagt sie. Nach dem langen Uni-Tag und den Hausarbeiten noch einmal mit dem Bus in die Stadt zu fahren sei ihr oft zu anstrengend gewesen. „Aber ich hatte keine Lust, mir ein Zimmer zu teilen.“

          Das ist in Ljubljana nämlich üblich: Die Mieten in der Hauptstadt sind vergleichbar mit denen deutscher Metro­polen. Für ein privat vermietetes WG-Zimmer in der Innenstadt zahlen Studenten 300 bis 400 Euro. Wer in einem Außenbezirk wohnt wie Katherine, bekommt dagegen schon für etwa 200 Euro ein Zimmer. Die meisten Studenten wohnen zu zweit oder zu dritt in einem der Wohnheime oder bei einem privaten Vermieter – im Wohnheim kostet ein Zweier-Zimmer 75 bis 100 Euro im Monat.

          Christopher Lipp hat dieses Problem nicht: Sein Vater arbeitet im Konsulat in Ljubljana. „Ich kann immer bei meinem Vater wohnen, direkt in der Innenstadt“, freut sich Lipp. „So zentral zu wohnen ist natürlich ein großer Vorteil, weil man sich jederzeit spontan mit anderen Studenten zum Essen oder in einem der Cafés treffen kann.“ Viele slowenische Studenten fahren am Wochenende zu ihren Eltern in der Umgebung – deshalb ist in Ljubljanas Clubs und Kneipen vor allem unter der Woche Party angesagt. In den Cafés und Bars ist oft schon am späten Nachmittag Happy Hour, und Clubs haben auch an Wochentagen bis in den frühen Morgen geöffnet. Viele Restaurants bieten spezielle „Students Meals“ an: In ganz Slowenien gilt das Prinzip der „Študentska prehrana“. Jeder in Slowenien eingeschriebene Student erhält für jeden Werktag eines Monats ein vom slowenischen Staat subventioniertes Essen. Zwei Drittel des Preises übernimmt der Staat, den Rest zahlen die Studenten selber – ob bei McDonald’s, im Bistro oder in einem der schicken Restaurants an der Ljubljanca.

          „Ljubljana ist als Erasmus-Stadt top. Obwohl die Stadt klein ist, kann man immer wieder neue Bars und Restaurants entdecken, es gibt immer etwas zu erleben“, sagt Lipp. Der 24-Jährige ist während seines Studiums schon viel herumgekommen: Er studiert in einem tri­nationalen Studiengang der dualen Hochschule Baden-Württemberg in Frankreich, Deutschland und der Schweiz. An Ljubljana hat ihn vor allem gereizt, dass außer ihm nur wenige Studenten darauf kommen, hier zu studieren. „Nach Amerika oder Australien geht ja heute jeder“, sagt Lipp. Er findet es gut, dass Ljubljana noch ein Geheimtipp ist.

          Wortschatz: Wichtige Wendungen auf Slowenisch

          Hallo! Zdravo!
          Guten Tag! Dober dan!
          Wie geht’s? Kako si?
          Ich komme aus Deutschland sem iz Nemčija.
          Ich spreche nur wenig Slowenisch. Govorim samo malo Slovensko.
          Sprechen Sie Englisch Govorite angleško?
          Was kostet...? Koliko stane...?
          Ich hätte gerne einen Strudel. Radi bi zavitek
          Kaffee kava
          Bier pivo
          Prost! Na zdravje!
          Ich mag Dich. Jaz te imam rad(a)
          Auf Wiedersehen! Nasvidenje!

          Quelle: Hochschulanzeiger Nr. 115, 2011, Seite 37

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