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Auslandsaufenthalt : Karrierekick: Auslandsaufenthalt während des Studiums

  • -Aktualisiert am

Ob Schafe hüten ein sinnvoller Auslandsaufenthalt ist, erscheint fraglich. Grundsätzlich ist ein Job oder ein Studium im Ausland jedem Studenten zu empfehlen. Bild: Rolf Fischer/Thinkstock/Getty Images

Gelernt, gejobbt, gefeiert – und dabei nichts von der Welt gesehen? Wer erst im Examen merkt, dass er es im Studium versäumt hat, ein Semester oder ein Praktikum im Ausland zu organisieren, ist spät dran.

          Adrienne Steffen hat eine klare Meinung zum Thema Auslandsaufenthalt im Studium: „Ich fand jede Auslandserfahrung absolut bereichernd“, schwärmt die Professorin an der Hochschule für Internationales Management in Heidelberg noch heute, wenn sie an ihre beiden High-School-Jahre und ihre Studiensemester in den USA denkt. „Man lebt in einer anderen Kultur, lernt ganz andere Abläufe kennen und sich darin zurechtzufinden. Davon profitiert man sein ganzes Leben.“

          Auch Personaler wissen, aus der Bereitschaft zu einem Auslandaufenthalt eine Menge abzuleiten. Zeigt sie doch, dass der Bewerber wenigstens einmal im Leben seine Komfortzone verlassen, sich auf Unbekanntes eingelassen und neue Kontakte aufgebaut hat. Ganz nebenbei sind nach Aufenthalten in angelsächsischen Ländern keine Verständigungsprobleme mehr zu erwarten, wenn internationale Messen, Meetings und Veröffentlichungen anstehen. „Reisen Sie vor dem Studium ein paar Monate, und nutzen Sie während des Studiums Kooperationen mit ausländischen Unternehmen und Hochschulen“, rät Steffen daher jedem Studierenden.

          Studium im Ausland: Englisch als Türöffner im Job

          Englisch ist der Türöffner zur Welt. Wer darin nicht sicher ist, hat heute im Beruf Nachteile, sobald Kollegen, Kunden oder Chefs des Deutschen nicht mächtig sind. Auch wen das Fernweh nach Brasilien, Indien oder Russland treibt, hat in einer Exportnation wie Deutschland viele Möglichkeiten, im ersten Job von seinen Landeskenntnissen zu profitieren. Dementsprechend vielfältig ist das Angebot an Unterstützung hierzulande. Vom Auslandsjahr in Familien, dem sozialen Jahr in Schwarzafrika bis zum Mangopflücken in Australien – alles ist möglich, fast überall. Die Zeit nach dem Abitur bietet sich an. Seit der Bologna-Reform wird auch das Gap-Jahr zwischen Bachelor und Master gern genutzt. Im Studium selbst gehört es auch bei kleinen Hochschulen wie der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW) längst zum guten Ton, Auslandssemester in den Studiengang zu integrieren. „Wir haben eigens eine Stelle dafür geschaffen, dass Studierende Unterstützung bei ihrer Bewerbung um Auslandspraktika und -semester bekommen“, erklärt Tatjana König, die Professorin an der HTW ist. „Dort sammeln wir auch Informationen, wo Studierende hingehen und mit welchen Erfahrungen sie zurückkommen.“

          Auslandsaufenthalt: Abschlussarbeit in einem anderen Land schreiben

          Was tun, wenn das Sammeln von Credit-Points, Geldmangel, ein toller Nebenjob oder die große Liebe die angehenden Akademiker dennoch davon abgehalten haben, in den Anfangssemestern ihr Fernweh zu stillen? „Ich würde versuchen, die Abschlussarbeit in Kooperation mit einem Unternehmen im Ausland zu schreiben“, sagt Tatjana König. „Das schafft viele interkulturelle Kontakte.“ Den ersten Job dagegen gleich im Ausland anzutreten hält sie für schwierig. Arbeitsleben neu, Kollegen neu, Sprache neu, Kultur neu – das sei vielleicht ein bisschen viel auf einmal für frisch Examinierte. Vor allem dann, wenn es an Vorerfahrung mangelt. „Versuche gibt es“, weiß König, „aber sie scheitern häufig an den Gehaltsverhandlungen.“ Deutsche Unternehmen zahlen gut. Schon wer sich nur nach Österreich orientiert, muss Abstriche hinnehmen.

          „Der Königsweg, um nach dem Examen im Ausland zu arbeiten, ist sicher, sich hierzulande bei internationalen Playern zu bewerben“, sagt Heike Hülpüsch vom Career Center der privaten Hochschule WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar. Dass WHU-Absolventen hier nach einem Pflichtpraktikum und Pflichtsemester im Ausland ohnehin gute Karten haben, schränkt sie ein. „Jeder muss sich bemühen, gerade wenn es um allseits beliebte Länder wie die USA geht.“ Deshalb würde sie einem Studierenden, der beispielsweise eine Affinität zu China hat, vor Begegnungen mit potentiellen Arbeitgebern immer empfehlen, „die Brücke zu China zu schlagen, genau zu schauen, wie das jeweilige Unternehmen dort aufgestellt ist.“

          Auslandsaufenthalt für Berufseinstieg nutzen

          Ohne berufliche Ziele noch einmal zum Schafehüten nach Australien oder Hüttenbauen nach Somalia, das hält Personalberaterin Beate Hild nach dem Examen für schwierig. „Nach drei bis fünf Studienjahren sollte die Motivation erkennbar sein, nun das Gelernte für den Einstieg ins Arbeitsleben nutzen zu wollen.“ Wer nach Turbo-Abi und verschultem Studium dennoch dem Fernweh frönen will, wird auch dafür später Argumente finden. Schließlich beklagen die Personaler bei ihren jungen Bewerbern häufig fehlende persönliche Reife und nicht vorhandene Soft Skills. „Man kann nicht jedem Absolventen das Gleiche raten“, sagt Heike Hülpüsch. „Junge Leute dürfen sich ausprobieren.“

          Quelle: F.A.Z.

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