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Rechtsreferendariat im Ausland : San Francisco, Peking oder Lima

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Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Heiko Antczak hat einen Teil seines Rechtsreferendariats in San Francisco absolviert. Bild: privat

Auslandserfahrung kommt bei Personalern in Kanzleien gut an. Gefestigte Fremdsprachenkenntnisse bedeuten ein klares Plus beim Berufseinstieg.

          Der Anwalt Heiko Antczak verbrachte bereits während des Studiums ein Jahr in Großbritannien und wollte seine Erfahrungen während des Referendariats ausbauen. Dass es in ein englischsprachiges Land gehen sollte, stand für ihn von Beginn an fest, er entschied sich für die Vereinigten Staaten, genauer für San Francisco. Ein Jahr bevor es losgehen sollte, fand er über die Website des Deutschen Generalkonsulats die Kontaktdaten von Dennis M. Sullivan, in dessen Kanzlei er dann seine Wahlstation absolvierte. Die Zusage dafür kam binnen weniger Tage, erinnert sich Antczak. Die Organisation war etwas aufwendiger.

          Wer in den Vereinigten Staaten ein Praktikum oder einen Teil seines Referendariats absolvieren möchte, braucht ein sogenanntes J1-Visum und muss Motivationsschreiben, Sprachnachweise und Ausbildungspläne vorlegen. Dazu kommen die Planung der Anreise und die Suche nach einer Unterkunft. Weil Antczak das nicht „blind“ im Vorfeld erledigen wollte, buchte er sich für die ersten Tage vor Ort in ein Hotel ein und suchte von dort eine Wohnung. „Damit bin ich sehr gut gefahren. Ich konnte innerhalb von drei Tagen einziehen“, berichtet der 32-Jährige, der heute als Anwalt bei Hoffmann Liebs Fritsch & Partner in Düsseldorf arbeitet.

          Common-Law-System kennenlernen

          Auslandsaufenthalte machen den Lebenslauf rund, so viel steht fest. Sie erweitern den Horizont und stärken die Persönlichkeit. Welche fachlichen Grundlagen eine Wahlstation während des Referendariats fürs Berufsleben bringt, hängt dagegen stark vom jeweiligen Land ab. „Andere Länder machen Sinn, wenn man die Arbeitssprache später auch verwenden kann“, weiß Personalberaterin Bina Brüjes von Hays Recruiting. Ansonsten seien die Staaten des Commonwealth empfehlenswert, da man dort das Common-Law-System als Gegensatz zum kodifizierten Rechtssystem Deutschlands kennenlernen könne.

          Heiko Antczak hat in seiner aktuellen Tätigkeit in der Regel zwar keine direkten Berührungspunkte mit dem Common Law. „Wenn es aber doch mal auftaucht, sind die Kenntnisse schon hilfreich, da gerade verfahrenstechnische Dinge stark von unserem Rechtssystem abweichen und ich dann nicht erst die Grundlagen recherchieren muss“, so der junge Anwalt. Auch die englischen Fachausdrücke, die er sich in San Francisco angeeignet hat, kommen ihm im Berufsalltag zugute. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien sind für wirtschaftlich orientierte Kanzleien die interessantesten Länder, davon ist er überzeugt. Wer sich mit spezielleren Themen beschäftigen möchte, dürfte mittlerweile aber auch mit China-Kenntnissen gute Chancen haben. „Die Rechtsberatung in diesem Bereich gewinnt in unserer Kanzlei gerade stark an Einfluss“, weiß Antczak.

          Chinas Wirtschaft bietet Perspektiven

           

          Drei Monate Peking: Thomas Betten arbeitete in China für die Außenhandelskammer.
          Drei Monate Peking: Thomas Betten arbeitete in China für die Außenhandelskammer. : Bild: privat

          Thomas Betten zog es während des Referendariats ins Reich der Mitte. Seit er China einige Jahre zuvor das erste Mal besucht hatte, interessierte er sich für Land und Leute, zudem bot die wirtschaftliche Entwicklung Perspektiven. Betten arbeitete drei Monate in der Auslandshandelskammer in Peking mit – aus seiner Sicht eine Riesenbereicherung, auch unabhängig von den beruflichen Zukunftsplänen. In seiner heutigen Tätigkeit als Staatsanwalt spielen die fachlichen Grundlagen aus China keine Rolle, nicht zuletzt deshalb hat er sich diesen Schritt gründlich überlegt. „Da die Entscheidung für den Staatsdienst die Konsequenz hatte, mich im Hinblick auf die Arbeit von China ‚abzuwenden‘, traf ich sie erst, nachdem ich mir eine Orientierungsphase als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Kanzlei gegönnt hatte“, so der 32-Jährige.

          Franziska Most hat einen Teil ihres Referendariats in der deutschen Botschaft in Lima  verbracht und konnte so auch  Land und Leute kennenlernen.
          Franziska Most hat einen Teil ihres Referendariats in der deutschen Botschaft in Lima verbracht und konnte so auch Land und Leute kennenlernen. : Bild: privat

          Auch Franziska Most war sich während des Studiums noch nicht sicher, in welchem Bereich sie später juristisch tätig sein wollte. Den Auswärtigen Dienst fand sie interessant; um auszuloten, ob er tatsächlich ihre Berufung sein sollte, bewarb sie sich auf eine Referendarstelle bei der Deutschen Botschaft in Perus Hauptstadt Lima. Hier verdichtete sich ihr Wunsch, auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts zu arbeiten – die Einblicke in die Verfahrensabläufe und die Struktur der öffentlichen Verwaltung hätten ihr bei der Einarbeitung in ihren heutigen Job als Verwaltungsjuristin der Stadt Köln sehr geholfen, berichtet die 30-Jährige. Aber auch als Anwältin in einer Frankfurter Kanzlei, wo sie zwischenzeitlich tätig war, habe sie von ihren Erfahrungen profitiert, nicht zuletzt dann, wenn es darum ging, versiert mit repräsentativen Aufgaben umzugehen.

          Checkliste: Diese Punkte sind bei der Planung eines Auslandsaufenthalts zu beachten:

          • Bewerbung: Eine Bewerbung sollte frühzeitig geplant werden. Die deutschen Auslandshandelskammern beispielsweise erwarten Bewerbungen 12 bis 18 Monate im Voraus.
          • Anerkennung: Unbedingt zu beachten ist, unter welchen Voraussetzungen das Oberlandesgericht eine Station überhaupt anerkennt.
          • Sprachkenntnisse: Je besser die Sprachkenntnisse schon vorher sind, desto besser kann man von einem Aufenthalt im Zielland profitieren, auch wenn am Arbeitsplatz in vielen Fällen Englisch oder sogar Deutsch gesprochen wird.
          • Kosten: Wer mit einem Auslandsaufenthalt liebäugelt, sollte sich über die Kosten informieren – vor allem dann, wenn eine teure Metropole auf der Auswahlliste steht. Die übliche Unterhaltsbeihilfe kann weiterhin bezogen werden, zusätzliche Vergütung gibt es aber nicht immer. Auch Reisekosten und Unterkunft müssen in aller Regel selbst getragen werden. Und apropos Geld: Banken bieten teilweise Kreditkarten an, mit denen man im Ausland kostenlos Geld abheben kann. Bei einem Land mit eigener Währung ist es wichtig, die Reisekasse entsprechend aufzufüllen.
          • Gesundheit: Ob im Zielland besondere Impfungen benötigt werden und ob eine Auslandskrankenversicherung Sinn macht, darüber geben Hausärzte oder Krankenkassen Auskunft.
          • Visa: Für die Einreise in viele Länder benötigt man einen Reisepass oder ein Visum. Beides sollte frühzeitig beantragt werden.
          • Prüfungen: In einigen Bundesländern steht das mündliche Examen nur wenige Wochen nach Ende der Wahlstation an. Die Vorbereitungen darauf sollten, trotz des erlebten Abenteuers, im Blick bleiben.

           

          Quelle: F.A.Z.

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