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Räumliche Flexibilität : Umzug für den Traumjob: Absolventen sollten mobil sein

  • -Aktualisiert am

Räumliche Flexibilität ist bei Berufseinsteigern wichtig, auf gepackten Kisten müssen sie dennoch nicht immer sitzen. Bild: Jupiterimages/Thinkstock/Getty Images

Viele Berufseinsteiger müssen für den Job umziehen. Räumliche Flexibilität ist gefragter denn je – trotzdem sollte ein Wohnortwechsel wohlüberlegt sein.

          Daniel B. muss Kompromisse machen. Denn in seinem Wohnort Wiesbaden hat er keinen festen Job gefunden. Darum fährt der junge Redakteur jeden Tag knapp 100 Kilometer in Richtung Mannheim zu seiner neuen Arbeit. Einfache Strecke. Sein Arbeitgeber hat eigentlich erwartet, dass er dafür den Wohnort wechselt. Doch Daniel B. hat eine schulpflichtige Tochter. Und Glück, dass die Pendelei akzeptiert wird.

          Viele Arbeitgeber in Deutschland erwarten mittlerweile eine Mobilitätsgarantie von Beschäftigten und Jobeinsteigern. Denn auch die Arbeitswelt ist flexibler geworden. „Es findet eine Entwicklung weg von den klassischen Berufsbildern und starren Konzernstrukturen hin zu projektbezogenen Tätigkeiten statt“, begründet Olaf Kempin, Co-Geschäftsführer des auf Studenten und Absolventen spezialisierten Personaldienstleisters Univativ. Und gerade heute im international vernetzten Joballtag und angesichts von exportorientierten, stark schwankenden Absatzmärkten setzen immer mehr Unternehmen auf die Flexibilität ihres Personals.

          Arbeitgeber erwarten Mobilität von den Absolventen

          Für Produktionsbetriebe kann diese spezielle Mitarbeiterqualität zum Wettbewerbsvorteil werden. So achtet Esther Zorn, Personalverantwortliche beim weltweit agierenden Spülenhersteller Blanco GmbH in Oberderdingen, bei einigen offenen Positionen auf möglichst flexible Kandidaten. „Das gilt etwa für Führungskräfte mit Länderverantwortung, aber auch immer mehr für Produktmanager, Vertriebsleute, Einkäufer oder ITler.“

          Dabei spielt die Größe eines Unternehmens kaum eine Rolle, sagt Marcus Gerharz vom Staufenbiel Institut in Köln. Vielmehr seien die jeweiligen Stellenanforderungen und Einsatzgebiete entscheidend. „Wo sitzen die Kunden? Wie häufig muss man vor Ort sein, oder lässt sich alles aus dem eigenen Office erledigen? Das geht über alle Branchen hinweg.“

          Somit findet man die Soft Skills „Mobilität“ und „Flexibilität“ heute in den meisten Stellenausschreibungen. Laut einer Univativ-Studie stehen sie sogar ganz oben auf der Unternehmenswunschliste, gefolgt von Engagement und Teamfähigkeit. Allerdings ist das nicht ganz nach dem Geschmack der Studenten, so die Studie. Denn in deren Selbsteinschätzung belege die geforderte Flexibilität nur Platz sechs, stattdessen stünden die Qualitäten Kommunikationsbereitschaft und Teamfähigkeit an erster Stelle. Hier driften die Erwartungen der Arbeitgeber und der jungen Bewerber ziemlich auseinander. Die Unternehmen wünschen sich mehr Anpassungsfähigkeit, als viele Young Professionals zu bieten haben. Oder bieten möchten. „Denn bei den Jobsuchenden ist ein Veränderungsprozess im Gange, auch bedingt durch den teils spürbaren Fachkräftemangel“, weiß Karen Gräper vom Jobportal Xing. „Für die Generation Y ist die berufliche Selbstbestimmung zunehmend relevant.“

          „Endlich ankommen“: Umzug für den Traumjob

          Doch auch bei älteren Arbeitnehmern ist mangelnde Mobilitätsbereitschaft verbreitet. Nach einer Stepstone-Befragung unter insgesamt 50.000 Fach- und Führungskräften im April 2015 können sich 56 Prozent hierzulande grundsätzlich vorstellen, den Wohnort für eine neue Stelle zu wechseln. Nur 10 Prozent aller Befragten würden ohne Einschränkung und sofort alle Zelte dafür abbrechen. Dabei zeigten sich Naturwissenschaftler, Ärzte, Ingenieure und Marketingexperten als besonders Karriere-mobil. Allerdings nehme mit zunehmendem Alter und wachsender Berufserfahrung die Umzugsbereitschaft über alle Berufsgruppen hinweg ab. Das kann Blanco-Personalerin Zorn bestätigen. „Die Berufseinsteiger bis etwa 30 Jahre sind am flexibelsten, dann folgt für viele die Familienphase. Danach nimmt mit etwa 45 Jahren die Beweglichkeit im Job wieder zu, wenn es um die zweite Karriere geht.“

          Doch mit welchen Argumenten lassen sich gute Fachkräfte locken, um für einen neuen Job den Wohnort zu wechseln? Die Stepstone-Umfrage nennt hier in erster Linie eine bessere Bezahlung (85 Prozent) und interessantere Arbeitsinhalte (79 Prozent) als zentrale Beweggründe. Esther Zorn hat dabei andere Erfahrungen gemacht. „Das höhere Gehalt spielt häufig keine so große Rolle. Vielmehr ziehen die Argumente Mitgestaltungsmöglichkeit, Übernahme von Verantwortung, flache Hierarchien und Familienkultur.“ Personaldienstleister Olaf Kempin sieht das ähnlich. „Die Sehnsucht danach, endlich anzukommen, ist groß. Daher zählen für den Umzug vor allem langfristige Karriereperspektiven und attraktive Entwicklungsmöglichkeiten.“

          Doch bei aller Zielstrebigkeit hat es keinen Sinn, wenn das Bauchgefühl des Bewerbers gegen einen geforderten Umzug steht und er sich trotzdem auf den Wohnungswechsel einlässt. „Weckt man falsche Erwartungen, geht das immer nach hinten los. Das Unternehmen fordert zu viel, und der Einsteiger ist permanent unter Druck oder frustriert“, warnt Staufenbiel-Experte Gerharz. „Daher sollte man im Bewerbungsgespräch auf jeden Fall immer mit offenen Karten spielen.“

          Quelle: F.A.Z

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