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„Alles, was den Horizont erweitert, ist gut“ : Vorbereitung auf den Beruf

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Bild: Otto Group

Die schnellsten sind nicht immer die besten: Die Jobperspektiven von Bachelor- und Master-Absolventen. Ein Interview mit Stefanie Hirte, Bereichleiterin Personalentwicklung und Personalmarketing bei der Otto Group in Hamburg.

          Frau Hirte, haben Bachelors bei Otto die gleichen Berufsperspektiven wie Master-Absolventen?
          Fast. Wir haben uns schon sehr früh mit der Hochschul­reform befasst und entschieden, dass wir in Ausschreibungen nicht zwischen den Abschlüssen unterscheiden. Wir differenzieren lediglich zwischen Hochschulabsolventen einerseits und Berufserfahrenen andrerseits. Auch beim Recruiting schauen wir uns Bachelor- und Master-Absolventen gleichberechtigt an. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass in einigen wenigen Fachbereichen doch lieber Einsteiger mit einem Master gesehen werden. Generell kann man sagen: Überall, wo eher operativ gearbeitet wird, kommen die Bachelor-Absolventen sehr gut an. Wenn es aber um die strategische Ausrichtung des Konzerns geht, etwa im Group Development oder der internen Unternehmensberatung, setzen die entsprechenden Fachbereiche bevorzugt auf Master-Absolventen.

          Woran liegt das?
          Zum einen daran, dass Master-Absolventen in besonderem Maße in der Lage sind, neue Themen selbständig zu bearbeiten und theoretisch zu beleuchten. Zum andern spielen auch Alter und Reife eine Rolle. Wer intern die Mitarbeiter eines Bereichs berät, braucht schon eine gewisse Lebenserfahrung.

          Viele Stundenten glauben: Je geradliniger und schneller man das Studium durchzieht, desto besser die Berufschancen. Ein Irrglaube?
          Zielstrebigkeit ist sicher nicht schlecht. Aber wer das Studium in drei Jahren durchzieht, ohne nach rechts und links zu gucken, dem fehlt etwas. Wir finden es besser, wenn Studierende schon während des Studiums Erfahrungen außerhalb der Hochschule sammeln. Wir fördern das auch - mit zwei Stipendienprogrammen: eins für die Leuphana Universität in Lüneburg und eins für die Fachhochschule in Wedel bei Hamburg. Das Programm in Kooperation mit der Leuphana Universität sieht etwa vor, dass die Studenten den Bachelor nicht in drei, sondern in vier Jahren absolvieren und im Laufe des Studiums zwei Praxissemester bei Otto im Unternehmen verbringen.

          Was empfehlen Sie Studenten für die Lücke zwischen Bachelor und Master?
          Generell ist alles gut, was den Horizont erweitert. Das kann ein Aufenthalt im Ausland oder ehrenamtliche Tätigkeit in einem Sozialprojekt sein. Ich empfehle insbesondere ein längeres Praktikum. Für die meisten Bachelor-Absolventen ist diese Lücke die erste Chance für einen tieferen Einblick in die Praxis. Das ist eine Win-Win-Situation. Wir als Unternehmen sehen es gerne, wenn Praktikanten nicht nur zehn Wochen, sondern vier bis sechs Monate bleiben, weil wir dann insgesamt weniger Einarbeitungszeiten haben. Auf der anderen Seite haben die Praktikanten den Vorteil, dass der Zeitraum groß genug ist, um ein eigenes Projekt zu bearbeiten. Sie steigern dadurch ihren Wert enorm. Wir sehen es ja bei uns selbst: Von Absolventen, die sich bei uns bewerben, erwarten wir, dass sie konkrete Vorstellungen von ihrem Wunschberuf haben und auch erste Erfahrungen mitbringen. Ein längeres Praktikum ist da sicher ein Pluspunkt. Eine gute Alternative ist ein befristeter Job, etwa in Vertretung für einen Erziehungsurlauber.

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