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Karriere als Ingenieur : Erfolgslenker – Als Sportingenieur Karriere machen

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Karriere als Sportingenieur: Ronny Hartnick ist beim FES als Projektleiter für den Radsport zuständig. Bild: FES/Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten in Berlin

Überall, wo Technik und Sport aufeinandertreffen, wird er gebraucht: der Sportingenieur. Einblicke in die Arbeitswelt eines Konstrukteurs für Spitzensportprodukte.

          Vielleicht so viel vorweg, um nicht gleich sämtliche Bewerber abzuschrecken: Auch mit weniger glanzvollen Referenzen als jenen von Ronny Hartnick kann man einen Job ergattern beim Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten, kurz FES genannt. Der Cottbusser, einst selbst Bahnradfahrer, hat sich 2005 zum Einstieg ins Berliner Institut quasi sein eigenes Zeugnis ausgestellt; mit Bestnote. In jenem Jahr strampelte Olympiasieger René Wolff bei der Bahnrad-WM in Los Angeles im Einer-Sprint, der Königsdisziplin, zu Gold im Holzoval – auf einem Fahrgestell, das Hartnick im Rahmen seiner Diplomarbeit entwickelt hatte. „Ein Riesenglück, dass das damals geklappt hat. Hat auch meinem Professor gefallen“, sagt der mittlerweile 36-Jährige. Man kann sie sich vorstellen, die Freude beim Hochschullehrer.

          Der Arbeitgeber

          Ronny Hartnick, kernig in Figur und Rede, ist seit 2007 Projektleiter Radsport beim FES und entwickelt im Vierjahresrhythmus der Olympischen Spiele Hightech-Karossen für die deutsche Bahnrad-Elite. Als Sportingenieur hat er damit den Olymp erreicht. Das Institut, 1962 in der DDR gegründet, hat lange Jahre westliche Verbände und Athleten geschockt: mit Erfindungen, die ihrer Zeit oftmals voraus waren – etwa Ruderbooten und Fahrrädern aus Karbon. Obwohl das Institut nach der Wiedervereinigung personell deutlich schrumpfte (von 180 auf 50 Mitarbeiter), blieb der Mythos erhalten. Auch dank Entwicklungen wie den Klapp-Schlittschuhen, die 1996 erstmals eingesetzt wurden und auf denen die deutschen Eisschnellläuferinnen um Anni Friesinger und Claudia Pechstein bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City zu dreimal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze liefen. Überhaupt: Im Wintersport, wo Technologien eine große Rolle spielen, wird circa die Hälfte der deutschen Medaillen mit dem Material des FES errungen.

          Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen auf der ganzen Welt haben sich in den vergangenen Jahren am Konzept der Berliner orientiert, das auf einer engen Zusammenarbeit mit Verbänden und Athleten beruht. Finanziert wird das FES vor allem vom Bundesinnenministerium mit geschätzt 6,5 Millionen Euro pro Jahr. Mittlerweile wieder auf knapp 70 Mitarbeiter angewachsen, tüfteln die Experten in zehn bis zwölf Kernsportarten (abhängig von Sommer- oder Winterspielen) an medaillenträchtigen Projekten. Es werden unter anderem Räder, Lenker, Paddel, Bobs, Schlittschuhkufen, Ruderboote und Kanus gebaut. Jeder Sportart steht ein Projektleiter vor, zusätzliche Konstrukteure verstärken die Teams im Vorfeld der großen Events. Bei Hartnick ist es mit Blick auf Rio 2016 sein Kollege Oliver Hecken, ein Diplomingenieur für Luft- und Raumfahrt. Er kümmert sich um fachgerechte Auslegung von Kohlefaserteilen und hilft dabei, die Konstruktion technologisch in die Werkstatt zu überführen. Die Vielfalt der Sportarten, die Verschränkung der Erfahrungen aus den vergangenen 50 Jahren, so heißt es, sei ein Grund für den Erfolg des FES.

          Die Ausbildung

          Ronny Hartnick hat Leichtbau und Aerodynamik an der Brandenburgischen Technischen Universität (TU) Cottbus studiert. „Im Hinterkopf war vielleicht nicht das FES, aber die Sportgeräteentwicklung schon“, kommentiert er seine Entscheidung für dieses Studium. Die TU Cottbus gehört wie die TU Dresden, die TU Berlin und die Uni Magdeburg zu je­nen Hochschulen, mit denen das FES eng kooperiert. Von dort kommen die meisten Praktikanten, stammen die meisten Diplomarbeiten, doch unabdingbar ist diese Herkunft nicht, um als Nachwuchsingenieur Zutritt zum Forschungsinstitut zu bekommen. „Es gibt andere renommierte Unis, vor allem im Hinblick auf die Beschäftigung mit Faserverbundwerkstoffen. Wenn zum Beispiel Bewerber von der RWTH Aachen zu uns kommen, rennen die offene Türen ein“, sagt Hartnick. Mit einem Studiengang der Luft- und Raumfahrttechnik oder im Bereich Maschinen- oder Schiffsbau bringe man alle Grundlagen für den Beruf mit. „Die sportartenspezifischen Details kriegt man im Laufe der Zeit mit, das ist kein Problem.“ Genauso wie die handwerklichen Fähigkeiten, zu laminieren oder mit einem Autoklav, in dem Karbonteile unter hohem Druck gehärtet werden, zu arbeiten.

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