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Mein Start-up, Teil 3 : Fang den Business-Angel! So finde ich einen Business-Angel für mein Start-up

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Wie finde ich einen Business-Angel? Ein Sechs-Schritte-Plan Bild: Jan Kruse / Human Empire

Business-Angels stehen Gründern mit Geld und Erfahrung zur Seite. Doch wie findet man den richtigen? Start-up-Experte Tobias Kollmann, Investor Friedrich Hoepfner und Gründer Moritz Luck verraten, wie man sich einen Angel angelt.

          1. Schritt: Vorbereitung

          Tobias Kollmann: Klären Sie, in welche Branchen der Business­-Angel überhaupt investiert, in welchen Größenordnungen und in welcher Phase des Unternehmens. Fragen Sie bei anderen Gründern oder bei Business-Angel-Netzwerken nach – eine Übersicht gibt’s beim Dachverband „BAND“. So kommt man an erste Namen.

          Friedrich Hoepfner: Schauen Sie, welche Netzwerke es in der Region gibt. Hier sind die Chancen größer. Ich beteilige mich nur regional. Meine Arbeitskraft ist begrenzt, ich will sie nicht im Flugzeug vergeuden.

          Moritz Luck: Wichtig ist, früh genug mit der Suche anzufangen. So vermeidet man, in eine Zwangslage zu geraten, weil man dringend Geld braucht. Außerdem sollte man mehrere Business-Angels parallel ansprechen. Es ist gut, Optionen zu haben.


          2. Schritt: Anbahnung

          Kollmann: Das Beste ist eine persönliche Ansprache, zum Beispiel bei Netzwerk-Veranstaltungen. Ist der Business-Angel nicht in einem Netzwerk, muss man schauen, in welchem Umfeld er sich bewegt, und dort den persönlichen Kontakt aufnehmen.

          Luck: Wir sind überallhin gegangen, wo es die Chance gab, Business­-Angels zu treffen, das waren bestimmt zehn Veranstaltungen. Das Feedback hat geholfen, den Pitch immer weiter zu verbessern. Wir haben gemerkt: Er darf nicht zu techniklastig sein.


          3. Schritt: One-Pager

          Kollmann: Bei Interesse des Business-Angels schickt man ihm eine Zusammenfassung der Geschäftsidee und der wichtigsten Zahlen. Achten Sie auf eine professionelle Aufmachung.

          Hoepfner: Ich habe oft Schwierigkeiten, die One-Pager zu verstehen. Die Leute stecken so tief in ihrem Gebiet drin, dass sie nicht mehr erklären können, was sie machen. Lassen Sie vorher Ihren Deutschlehrer drüberlesen, ob er ihn versteht.

          Luck: Wir haben gut fundiert, was wir geschrieben haben: Wir haben Zitate aus Kun­dengesprächen eingebaut, die wir vorher geführt hatten. Das schafft Glaubwürdigkeit.


          4. Schritt: Businessplan

          Kollmann: Wenn der One-Pager überzeugt, folgt der Businessplan. Es sollte Freude machen, ihn zu lesen. Schreiben Sie spannend! Geben Sie dem Business-Angel mindestens zwei Wochen Zeit zum Lesen. Wenn er sich danach nicht meldet, haken Sie nach.

          Hoepfner: Mir gefällt, wenn Gründer aus Kundenperspektive denken und das auch im Businessplan zeigen. Ich achte vor allem auf die Anwendungsbeispiele. Und bleiben Sie realistisch. Ich hatte schon Pläne, bei denen am Ende ein Marktanteil von knapp 100 Prozent stand.

          Luck: Unser Businessplan hatte mal 40 Seiten, die Hälfte reicht. Viele Business­-Angels wollen lieber, dass man die Kernelemente knackig zusammenfasst. Im Anhang kann man dann auf Details eingehen.


          5. Schritt: Kennenlernen

          Kollmann: Bei den Treffen stressen manche Business-Angels die Gründer bewusst, um sie zu testen. Das erfordert Fingerspitzengefühl: Bleiben Sie bei Provokationen standhaft, aber gehen Sie auf Ratschläge ein. Es geht auch darum, zu schauen, ob die Chemie stimmt.

          Hoepfner: Ich freue mich über Teams, die vielfältig sind und verschiedene Fähigkeiten in sich vereinen. Außerdem sollten die Leute ihre fachliche Kompetenz beweisen und Rückschläge einstecken können.

          Luck: Das Wichtigste ist, professionell aufzutreten. Man sollte die Treffen gut vorbereiten und alle nötigen Unterlagen bereithalten. So zeigt man, dass man mit der nötigen Ernsthaftigkeit dabei ist.


          6. Schritt: Verhandeln

          Kollmann: Sagen Sie klar, wie viel Geld Sie benötigen. Es wird nicht als rückzahlungspflichtiges Darlehen gegeben, sondern der Business­-Angel erhält dafür einen Anteil an Ihrem Start-up. Wie hoch dieser ausfällt, ist Verhandlungssache und sehr unterschiedlich, aber nie mehr als 50 Prozent. Der Business-Angel hat kein Interesse, dem Gründer sein Unternehmen aus der Hand zu nehmen. Sprechen Sie es an, wenn Sie unzufrieden mit den Vertragsbedingungen sind, damit die Zusammenarbeit mit einem guten Gefühl beginnen kann.

          Hoepfner: Ziehen Sie die Verhandlungen nicht unnötig in die Länge. Oft verhandelt man wochenlang, und dann verläuft doch alles anders als geplant.

          Luck: Man kann besser verhandeln, wenn man mehrere interessierte Business­-Angels hat. Diese Optionen sollte man sich bis zur Vertragsunterzeichnung offenhalten. Nicht auf mündliche Absprachen verlassen!

          Über die Start-Up-Experten:

          Tobias Kollmann ist Professor für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg­-Essen. Als Mitgründer von autoScout24 gehörte er zu den Pionieren der deutschen Internet-Gründerszene.

          Friedrich Hoepfner ist Chef der Immobiliengesellschaft Hoepfner Bräu und Initiator des Unternehmer-Netzwerks CyberForum e. V. Er hat sich bereits an etwa 70 Start-ups beteiligt.

          Moritz Luck hat 2011 zusammen mit einem Mitgründer das Start-up Inreal Technologies gegründet, das Gebäude während der Planungsphase mithilfe virtueller Realität vorstellbar macht.

          Quelle: F.A.Z.

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