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Wirtschaftsethik : Hohe Kunst für Entscheider

  • -Aktualisiert am

Wirtschaftsethik: Wie entscheidet man richtig? Bild: Picture Alliance / Ikon Images

Die Studenten von heute sind die Entscheider von morgen. Doch wie entscheidet man richtig? Und welche Rolle spielen Werte dabei? Die Wirtschaftsethik wird salonfähig.

          Morgens im Frankfurter Bankenviertel. Anzugträger eilen aus den U-Bahn-Schächten zwischen Willy-Brandt-Platz und Taunusanlage in ihre Büros in den umliegenden Hochhäusern. Einer von ihnen ist Daniel Hoster, Managing Director bei der Deutschen Bank. Er kümmert sich um die Vermögensverwaltung von Privatkunden mit Portfolios im mehrstelligen Millionenbereich. Ein solides Wertegerüst hilft dem Banker dabei. „Besonders in außergewöhnlichen Situationen merke ich, wie Werte, die mich wirklich prägen, meine Entscheidungen beeinflussen“, sagt Hoster.

          Manager fällen täglich Entscheidungen mit weitreichenden Folgen. Doch selbst im 38. Stock treffen sie diese nicht allein und abgehoben im luftleeren Raum. Manager suchen nach neuen Horizonten – trotz Panoramablick auf Main, Taunus und Europäische Zentralbank. Und einige von ihnen gehen zurück an die Uni, diskutieren auf Symposien über ihre Erfahrungen, wollen die Welt ein bisschen besser machen und damit auch noch gutes Geld verdienen. Doch welche Rolle spielt Wirtschaftsethik für junge Absolventen? Fakt ist: Business as usual gilt nicht mehr als zukunftsfähig. Immer mehr angehende und junge Manager wollen ihre Entscheidungen auf Grundlage einer Wertebasis treffen. Doch wie funktioniert das? Und wird die ethische Komponente der Betriebswirtschaftslehre an der Universität ausreichend abgebildet?

          „Purpose-driven Business“ nennen Studierende der Hochschule St. Gallen den Trend zu mehr Wirtschaftsethik, im Hörsaal wie im Hochhaus. Kürzlich haben sich Studenten der Schweizer Uni mit Sozialunternehmern getroffen und über sinnorientiertes Wirtschaften debattiert. Zwei BWL-Bachelors, Boryana Milova und Gabriel Cretier, haben die Konferenz organisiert. Beide sind Anfang 20 und träumen von einer besseren, sinngetriebenen Arbeitswelt.

          Wirtschaftsethik: Sinnorientiert wirtschaften

          Gabriel Cretier kommt aus der Westschweiz, seine Mutter aus Trinidad-Tobago und sein Vater aus Italien. Nach seinem BWL-Studium will der 22-Jährige eine eigene Firma gründen, die kulturell ebenso vielseitig ist wie seine familiären Wurzeln. Eine Firma, „wo meine persönlichen ethischen Überzeugungen nicht jeden Tag neu in Frage gestellt werden“. Ob Gabriel nach dem Bachelorabschluss seinen Traumjob findet, ist noch offen.

          Seine Studienfreundin Boryana Milova kommt aus Bulgarien, ihre Mutter ist Juristin, ihr Vater Arzt. Die 21-Jährige will nach dem BWL-Studium ihre Karriere bei einer internationalen Unternehmensberatung starten und erhofft sich davon Einblicke in unterschiedliche Unternehmen. Ihr ist wichtig, dass die Arbeit, der sie nachgeht, einen Sinn ergibt. Und dafür sucht sie nach Unternehmen, die den Menschen in den Mittelpunkt ihres Tuns stellen, Kunden wie Mitarbeiter. Und das nicht nur, wenn die Kasse klingelt, sondern auch dann, wenn es kriselt.

          Richtig entscheiden: Sattelfest in Krisenzeiten

          Doch wie funktioniert das? Es gibt Manager wie Bob Chapman, die ihre Mitarbeiter trotz finanzieller Schwierigkeiten im Unternehmen halten. Der Vorstandschef von Barry-Wehmiller, einem Mischkonzern für Investitionsgüter und Entwicklungslösungen aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Missouri, hat sich dafür entschieden, lieber viele ein bisschen anstatt wenige viel leiden zu lassen. Nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008 brachen die Börsenkurse von Banken und in anderen Branchen zusammen, und viele Mitarbeiter verloren in der Folge ihren Job. Bob Chapman entschied sich fürs Weitermachen und ordnete drei Wochen unbezahlten Urlaub an. Die Mitarbeiter machten mit, motiviert und treu verbunden.

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