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Karriere im Consulting : Begehrt: Frauen im Consulting | Fünf Frauen berichten von ihrer Consulting-Karriere

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Kind und Karriere: Caroline Merk bewegt sich erfolgreich zwischen den Welten. Bild: Ralph Feuerbach

Unternehmensberatungen werben verstärkt um Bewerberinnen. Doch in Führungspositionen sind sie bisher kaum zu finden. Fünf Frauen berichten von ihrer Karriere im Consulting.

          Caroline Merk bewegt sich zwischen den Welten: Die 35-Jährige arbeitet in Vollzeit als Unternehmensberaterin bei Roland Berger. Und sie ist Mutter eines neun Monate alten Sohnes. „Ich bin selbst überrascht, wie gut das funktioniert“, sagt sie. Frischgebackene Mütter als Beraterinnen? Familienfreundlichkeit in der Consultingbranche? Das ist heute offenbar Realität. Unternehmensberatungen werben offensiv um gute Frauen – und strengen sich an, sie zu behalten.

          „Noch vor zehn Jahren galt die Branche vor allem als Männerdomäne“, sagt Brigitte Grass, Präsidentin der Fachhochschule Düsseldorf und ehemalige Unternehmensberaterin. Auch Betreuungsangebote habe es kaum gegeben. „Das hat sich deutlich gebessert.“ 2014 betrug der Anteil der Juniorberaterinnen bei großen Beratungsgesellschaften 33 Prozent, wie eine aktuelle Studie des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) zeigt.

          Doch warum zielen die Beratungsfirmen zunehmend auf Frauen ab? Geht es darum, den Fachkräftemangel auszubügeln oder die Gleichstellung der Frau durchzusetzen? Nicht in erster Linie. „Frauen haben große Vorteile, wenn es darum geht, Zwischentöne aufzugreifen und verschiedene Meinungen einzubinden“, sagt Simone Wamsteker, Recruitingchefin bei der Unternehmensberatung Accenture. „Sie bringen andere Themen ein, argumentieren anders und haben einen anderen Zugang zu Problemlösungen.“

          Ähnliches hört man aus dem Unternehmen Roland Berger: „Die Erfahrung hat einfach gezeigt, dass gemischte Teams – mit Menschen verschiedener Geschlechter und Nationen, mit unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründen – besser und erfolgreicher zusammenarbeiten“, sagt Burkhard Schwenker, Chairman von Roland Berger Strategy Consultants.

          Frauen im Consulting: So werben Unternehmensberatungen um Frauen

          Die Unternehmen gehen deshalb gezielt vor, um gute Frauen zu gewinnen. Das fängt bereits bei den Stellenangeboten an: „Wir erhalten mehr Bewerbungen von Frauen, seitdem wir Formulierungen wie ‚Teamarbeit ist uns wichtig‘ in die Ausschreibung integrieren“, sagt Simone Wamsteker. Viele Unternehmen bieten mittlerweile auch spezielle Programme für Frauen an, beispielsweise die „Accenture Women’s Initia­tive“, die den Beraterinnen den Austausch untereinander ermöglichen soll. McKinsey wiederum geht mit einem „Women’s Day“, einem Mentorenprogramm für Studentinnen und einem Female-Leadership-Programm ins Rennen. Auch flexible Arbeitszeitmodelle gibt es mittlerweile in der Branche: Roland Berger bietet seinen Beraterinnen und Beratern etwa Sabbaticals oder Elternzeiten an. Rund 20 Prozent der Mitarbeiter arbeiten heute zudem in Teilzeit in dem Unternehmen.

          Auch Caroline Merk kann sich ihre Arbeit bei Roland Berger überwiegend flexibel einteilen und viel Zeit im Homeoffice verbringen, berichtet sie. Termine könne sie direkt mit den Kunden und Kollegen vereinbaren, konkrete Vorgaben zur Ortspräsenz mache ihr das Unternehmen nicht. Und sie nennt noch einen allgemeinen Vorteil der Beratungsbranche: Zwischen den einzelnen Projekten seien auch mal längere Auszeiten möglich.

          Frauen im Consulting: Frauenanteil in Führungspositionen gering

          Doch bei allen Bemühungen: In manchen Bereichen hat die Branche noch immer Nachholbedarf. So ist der Frauenanteil in Führungspositionen nach wie vor gering, 2014 betrug er bei großen Beratungsgesellschaften magere 4 Prozent, wie die BDU-Studie ergab. „Frauen stoßen hier immer noch an die gläserne Decke“, sagt Brigitte Grass. Ein Problem: „Frauen sind im Bewerbungsprozess deutlich zurückhaltender als Männer“, beobachtet Wamsteker. „Unsere Re­cruiter lesen deshalb gerade die Anschreiben von Frauen genauer. Fähigkeiten wie soziale Kompetenzen sind vielen Bewerberinnen ganz selbstverständlich, weshalb sie diese überhaupt nicht erwähnen.“

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