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Moon Monkey: Ein Computer-Affe soll in den Weltraum fliegen : Mondmission mit Stahl-Schimpansen

  • -Aktualisiert am

Der Schöpfer und sein Schoßtier: In einer künstlichen Mondlandschaft testet Daniel Kühn seinen Roboter namens iStruct. Bild: Foto: Michael Jungblut

Der Informatiker Daniel Kühn baut einen Roboter-Affen, der irgendwann mit einem Team von Astronauten in den Weltraum reisen soll. Ein Besuch am Kraterrand.

          Auf einmal steht er vor dem Sofa des Besucherraumes und entschuldigt sich für die Verspätung. Breite Schultern, dunkelhaarig, mit festem Händedruck. Jeans, brauner Strickpulli und Turnschuhe. Das ist also Daniel Kühn, der 32-jährige Robotik-Forscher aus Bremen, der auf den ersten Blick so gar nicht dem Klischee des eigenbrötlerischen Computer-Nerds entspricht. Seit 2007 forscht er für das Robotics Innovation Center, das zum Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz gehört und das mit der European Space Agency (ESA) und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zusammenarbeitet. Kühn ist Informatiker und Projektleiter. Mit seinem Team aus Mechatronikern, Bionikern, Konstrukteuren und Physikern entwickelt er einen Prototyp, einen Roboter namens iStruct, eine affenähnliche Maschine, die irgendwann mal über den Mond laufen soll. Wann? „Das dauert noch.“ Kühn ist einer, der vorsichtig ist, der genau überlegt, was er sagt. Einer, der sich nicht festnageln lassen will. Die Besucherecke mit ihrem blauem Teppichboden und der großen Yucca-Palme liegt im ersten Stock eines Rotklinkergebäudes im Firmenpark der Uni Bremen. Auf dem Ecktisch steht ein Schachspiel. Kühn setzt sich auf das Sofa.

          Was fasziniert Sie daran, mit Robotern zu arbeiten?
          Daniel Kühn: Es gibt keinen besseren Moment als den, wenn dein Roboter das erste Mal das Bein bewegt oder besser noch: durch den Raum läuft. Das ist einfach klasse.

          Aber das reicht doch wahrscheinlich nicht aus. Woran forschen Sie am Robotics Innovation Center genau?
          Wir entwerfen und programmieren Roboter, die sich in extremen Umgebungen wie im Weltall oder in der Tiefsee bewegen sollen. Also an Orten, die für den Menschen gefährlich werden können. Die Roboter sollen zum Beispiel im Weltraum knifflige Arbeiten ausführen, wie in eine Kraterspalte klettern und nach Wasser suchen. Sie sollen Gesteinsproben entnehmen oder Rohstoffe finden, die dann zur Erde zurücktransportiert werden. Ideal wäre es, wenn das Weltraumteam den Roboter von der Station auf der Mondoberfläche aus lenken, ihm Befehle geben könnte. Vorstellbar ist eine Mannschaft, die jeweils zur Hälfte aus Menschen und aus Robotern besteht. Mit so einem gemischten Team könnte man immense Kosten sparen.

          Sie nennen ihn den Weißen Raum. Mit einem Sicherheitsschlüssel öffnet Daniel Kühn die Tür zum Forschungslabor. Sein Arbeitsplatz ist ein hoher Raum mit fünf PCs. In der Mitte hängt iStruct in einer Vorrichtung. „In dieser Position können wir besser an ihm experimentieren“, sagt Kühn. Nur der Kopf des Roboters hat eine Verkleidung, sonst ist er nackt, man sieht die Platinen, die Kabel, Sensoren, die Wirbelsäulenkonstruktion, die ganze Elektronik, die in ihm steckt und die Kühn mit ausgetüftelt hat. Felix Bernhard stellt sich vor. Der 36-Jährige gehört seit zwei Jahren zum Unternehmen. Bernhard hat Bionik studiert, eine Wissenschaft, die sich damit beschäftigt, Prinzipien aus der Natur auf die Technik zu übertragen. Bernhard hat monatelang am iStruct-Fuß gesessen, hat Tierfilme und Bücher studiert, hat den menschlichen Fuß untersucht und dann einen mit zwei Zehen entwickelt, einen, der einen festen Kontakt zum Boden herstellt.

          Was kann Ihr Roboter besonders gut?
          iStruct ist ein vierbeiniges Laufsystem, das sich wie ein Schimpanse bewegt. Die Größenverhältnisse, also Wirbelsäule, Vorderarme, Beine sind identisch. Er wiegt 22 Kilogramm, so viel wie ein zierlicher Affe. Diese Konstruktion macht ihn in seinen Bewegungen unheimlich flexibel. Dieser Forschungsroboter hat viele Vorteile gegenüber starren Systemen. Erstens hat iStruct diese besonderen Füße, die mit je 49 Drucksensoren ausgestattet sind und mit denen er nicht so leicht rutscht. Dann haben wir ihn mit der aktiven Wirbelsäule ausgestattet, die er krümmen kann. Gute Voraussetzungen für Einsätze auf dem Mond mit steinigen Böden, Sand und Hängen. Aber um dort wirklich nützlich zu sein, müssten wir ihn noch weiter programmieren, sodass er nach Befehlen handelt, wie: „Gehe zu einem bestimmten Punkt!“, „Starte die Messreihe!“

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