http://www.faz.net/-i7g-8bzmg

Wirtschaftsethik : „Rüstzeug für Entscheidungen“

  • -Aktualisiert am

Im Berufsalltag gibt es immer wieder schwierige Entscheidungen zu treffen. Wirtschaftsethik hilft, sich richtig zu entschließen. Bild: Picture Alliance / Ikon Images

Interview mit Ernst von Kimakowitz, Dozent für Leadership-Skills an der Hochschule St. Gallen und Direktor des Humanistic Management Centers

          Wert und Werte – viele reden davon. Was verstehen Manager darunter?

          Werte können für den Manager persönlich eine andere Bedeutung haben als in seiner Funktion auf der oberen Führungsebene. Manager, mit denen ich spreche, sind meist integre, werteorientierte Menschen. In ihrer Rolle jedoch stehen sie unter enormem Druck, auch unpopuläre Entscheidungen treffen zu müssen. Im Vergleich zu börsennotierten Unternehmen haben Manager in Familienunternehmen, die längerfristige Ziele verfolgen, vielfach mehr Freiräume, um sich ein starkes Wertegerüst aufzubauen.

          Wie bauen Manager ein solches Wertegerüst auf?

          Indem Manager einem lukrativen Geschäft den Rücken kehren, wenn es stinkt. Oder dann, wenn sie verdienten Mitarbeitern gegenüber loyal bleiben, wenn diese einen Fehler gemacht haben. Dazu können Manager die Wertetreue ihrer Mitarbeiter, ihre Loyalität der Firma gegenüber, auf karriererelevante Weise belohnen – etwa in der jährlichen Beurteilung. Das sendet starke Signale an die gesamte Belegschaft, auch an die Öffentlichkeit.

          Wirtschaftsethik: Ernst von Kimakowitz über Ethik in Entscheidungsprozessen.
          Wirtschaftsethik: Ernst von Kimakowitz über Ethik in Entscheidungsprozessen. : Bild: privat

          Das hat Konsequenzen für die Betriebswirtschaftslehre ...

          „Business as usual“ gilt als nicht mehr zukunftsfähig, Gleiches gilt dann auch für „Education as usual“. Neben Fachwissen müssen wir den Entscheidern von morgen mehr Kompetenzen vermitteln und uns dabei auch von ein paar überholten Vorstellungen trennen. Wir sind mehr als permanent die Kosten und den Nutzen abwägende Menschmaschinen. Unternehmensgewinne sind ein notwendiges Mittel, um gesellschaftliche Bedürfnisse zu bedienen – nicht umgekehrt. Eine wirkliche Integration ethischer Fragen in die BWL-Kernfächer lässt aber noch auf sich warten.

          Wirtschaftsethik ist beliebt. Warum?

          Wirtschaftsethik wird immer populärer, aber eigenständige Lehrstühle in Wirtschaftsethik sind noch die Ausnahme. Studierende nehmen bestehende Angebote an, meine Vorlesungen und Seminare sind seit Jahren gut besucht. Die Kursteilnehmer fordern aber auch Veränderungen im BWL-Curriculum und kritisieren, obsolete Inhalte lernen zu müssen. Sie wünschen sich Rüstzeug für ihren Berufseinstieg. Innerhalb von Unternehmen wollen sie später nicht nur irgendeine produktive Rolle übernehmen, sondern auch gesellschaftliche Herausforderungen unternehmerisch anpacken. Diese „Can do“-Attitude für ethisches Wirtschaften wird manches Unternehmen auf den Kopf stellen.

          Welches Rüstzeug geben Wirtschaftsethiker den Kursteilnehmern mit auf den Weg? 

          Sie geben Orientierungswissen und praktisches Know-how, um auch auf unbekanntem Terrain Sachverhalte reflektieren zu können. Meine Studierenden wollen ihre eigenen, wertebasierten Entscheidungen treffen. Gerade dort, wo es noch keine Compliance-Regeln gibt, die im Einzelnen klären, was zu tun ist. Sie sollen sich trauen, ethisch relevante Fragen im Geschäftsalltag zu stellen, um die Spielregeln des Business kontinuierlich anzupassen. Wirtschaftsethik braucht Mut und starke Nerven, sie schult aber auch den Charakter, fördert integre Manager und sichert so den nachhaltigen Geschäftserfolg.

          Quelle: F.A.Z.

          Topmeldungen

          Opposition oder Regierung? : Goldene Leitern für die SPD

          Wie bekommt man die Sozialdemokraten wieder vom Oppositionsbaum herunter? Für Bundeskanzlerin Merkel könnte es sich als Glücksfall erweisen, dass im Schloss Bellevue ein Bundespräsident von sozialdemokratischem Blute sitzt.
          Mitfühlende Mutter Merkel: Doch Minderheit ist Mist!

          Fraktur : So viel Dank war nie

          Es fehlte eigentlich nur noch, dass der Cem dem Horst bei einem Joint das „du“ anbot.