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Serie: Mein erster Tag : Mein erster Tag bei Zeiss

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Berufseinstieg im Mittelstand: Rebecca Hörth berichtet von ihrem ersten Tag bei Zeiss. Bild: Carl Zeiss AG

Wie sieht der Unternehmensalltag bei Firmen eigentlich wirklich aus? In unserer Serie „Mein erster Tag“ berichtet Rebecca Hörth von ihrem ersten Tag bei Zeiss.

          An ihrem ersten Arbeitstag ist Rebecca Hörth „sehr aufgeregt“, wie sie später erzählt. „Ich wusste nicht, was mich erwartet.“ Am Vorabend ihres ersten Tages war die 32-Jährige noch von Potsdam nach Aalen umgezogen. Am nächsten Tag wird sie am Empfang von der Personalreferentin der Firma Zeiss abgeholt. Um auf Nummer sicher zu gehen, ist Hörth wie bei ihrem Vorstellungsgespräch gekleidet: „Vielleicht ein bisschen zu schick.“ In der Hand hält sie eine Mappe mit den Bewerbungsunterlagen. Die gute Vorbereitung ist berechtigt: Den ersten Tag im neuen Job sollte man nicht unterschätzen, wie Karriereberater Jürgen Hesse sagt.

          Hörth kennt die Personalreferentin, die sie abholt, bereits. Zwei Vorgestellungsgespräche hatte sie im Vorfeld absolviert. Das zweite dauerte einen halben Tag lang: Übung, Rundgang und Einzelgespräche mit den künftigen Kollegen. Auch das Büro hatte sie damals schon gesehen. Vieles wirkt deshalb vertraut auf sie.

          Die Personalreferentin wirft einen Blick auf die Zeugnisse und bespricht mit ihr den Arbeitsvertrag. Dann bringt sie die neue Kollegin zu ihrem Vorgesetzen. Mit ihm schmiedet Hörth etwa anderthalb Stunden lang Pläne für die nächsten Monate – und geht mit ihm in die Kantine. Als sie beim Kaffee sitzen, kommen immer wieder Kollegen an ihren Tisch und begrüßen sie. Auch im Laufe der folgenden Tage lernt sie neue Kollegen kennen. Sie haben Hörths Foto in einem Aushang gesehen und wollen sich vorstellen. „Was haben Sie früher gemacht?“, „Woher kommen Sie“, sind die gängigsten Fragen.

           

          Der erste Arbeitstag: Training on the job

          Hörth hat Biologie und Mathematik auf Lehramt in Freiburg sowie Mathematik auf Diplom studiert. Anschließend promovierte sie am Max-Planck-Institut in Potsdam im Bereich Werkstofftechnik – mit summa cum laude, der Bestnote. Sie beschäftigte sich dort mit dem Heilungsverlauf von Knochen.

          Doch die Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft empfand sie als belastend. Für Zeiss entschied sie sich schließlich, weil sie den Bereich Medizintechnik spannend findet und die Firma forscht. Das mittelständische Unternehmen hat 25.000 Mitarbeiter und stellt Optik-Geräte her. Zur Zielgruppe gehören etwa die Maschinenbauindustrie sowie die Zweige biomedizinische Forschung und Medizintechnik. Hörth arbeitet bei Zeiss als Produktmanagerin. Sie ist zuständig für Mikroskope, die bei Augenoperationen angewandt werden.

          Erfahrungen in diesem Bereich hat Hörth an ihrem ersten Tag noch keine. Deshalb passt es gut, dass am Nachmittag ein Application-Training für die Mitarbeiter stattfindet. Dort lernt sie, wie die Operations-Mikroskope funktionieren und konfiguriert werden. „Das war natürlich etwas schwierig, weil ich ganz neu war und in dieses Training reingestolpert bin“, sagt sie später. „Andererseits war es gut, schon am Anfang so viel Wissen vermittelt zu bekommen.“ Statt den Computer einzurichten und nach Passwörtern zu fragen, sitzt sie am ersten Tag vor dem Mikroskop und fokussiert Glasaugen. „Das war ziemlich cool.“ Und das Training hat noch einen Vorteil: Sie kommt direkt ins Gespräch mit weiteren Berufseinsteigern. Gegen 17 Uhr fährt sie nach Hause – und hat bereits viel im neuen Job gelernt.

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