http://www.faz.net/-i7g-9bwkl

Familienunternehmen : Mit Herzblut dabei

  • -Aktualisiert am

Anton Blanke, 29 Jahre, Projektmanager beim Automobilzulieferer Hella Bild: Hella

Wer bei einem Familienunternehmen einsteigen will, kommt auf der Suche nach dem passenden Unternehmen um etwas Rechercheaufwand nicht herum. Doch der lohnt sich.

          Mehr als fünfzig Jahre ist es nun her, dass Claus Hipp das Unternehmen seines Vaters Georg übernahm. Es war das Jahr 1964, Hipp hatte gerade seine Promotion in Rechtswissenschaften abgeschlossen. Für ihn war klar: Er wollte ins väterliche Unternehmen einsteigen. Und nicht nur das – er wollte Hipp weltweit bekannt machen. Das ist ihm gelungen. Unter seiner Leitung entwickelte sich Hipp zum größten deutschen Produzenten von Säuglingsnahrung. Das Unternehmen setzte im Jahr 2016 rund 630 Millionen Euro um, beschäftigt inzwischen mehr als 3.500 Mitarbeiter und bietet 336 verschiedene Arten von Babynahrung an.

          Hipp ist das, was man im klassischen Sinne ein Familienunternehmen nennt: eine Firma, an deren Spitze ein Mitglied der Gründerfamilie steht. Meist sind Familienunternehmen hochspezialisiert, haben eine Nische besetzt – und sind so zum Marktführer aufgestiegen.

          91 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind familienkontrollierte Unternehmen. Das umsatzstärkste deutsche Familienunternehmen ist Volkswagen (mit 231 Milliarden Euro Jahresumsatz), gefolgt von BMW (mit 99 Milliarden Euro) und der Schwarz-Gruppe (90 Milliarden Euro), zu der Lidl und Kaufland gehören. Abseits der familiengeführten Großkonzerne sind für Berufseinsteiger aber vor allem kleine und mittelgroße Familienunternehmen attraktiv: Sie bieten Absolventen sehr gute Karriereperspektiven. Der Weg zum Chef ist meist kurz, Berufseinsteiger können von Anfang an ihre Ideen einbringen – und in kurzer Zeit aufsteigen.

          Viele Familienunternehmen zählen zu den sogenannten Hidden Champions. Diese Firmen sind in ihrer Branche zwar Marktführer, aber dennoch weitgehend unbekannt. Rund 1.500 solcher Unternehmen gibt es hierzulande laut dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung. Das Problem: Sie sind für Berufseinsteiger oft schwer zu finden. Denn wer nicht weiß, wonach er sucht, dem hilft auch keine Suchmaschine.

          Einen ersten Überblick über Familienunternehmen geben Karrieretage, auf denen sich Mittelständler präsentieren, wie beispielsweise der Karrieretag Familienunternehmen. Auch Webportale wie „Karriere in Familienunternehmen“ helfen bei der Suche nach dem passenden Arbeitgeber. Auf der Plattform stellen sich Familienunternehmen vor und informieren über ihre Arbeitsweise, über offene Stellen, über Innovationen – und geben Einblicke in die Familiengeschichte.

          Denn gerade jahrzehntelange Tradition ist das, was Familienunternehmen für Berufseinsteiger besonders attraktiv macht. Kontinuität und Erfahrung schaffen Vertrauen – das wissen die Unternehmen. Deswegen werben sie damit auch offensiv. Nicht nur bei potentiellen Mitarbeitern, sondern auch bei den Kunden kommt das gut an. So stand Claus Hipp jahrelang persönlich vor der Kamera und sprach den vielzitierten Marken-Claim: „Dafür stehe ich mit meinem Namen.“

          Interview mit Anton Blanke, Projektmanager beim Automobilzulieferer Hella

          Herr Blanke, was macht ein Familienunternehmen für Sie attraktiv?

          An Familienunternehmen schätze ich, dass viel Wert auf die langfristige Entwicklung gelegt wird. Die Unternehmenskultur ist stark von der Gesellschafterfamilie geprägt. Hier stehen neben einem nachhaltigen profitablen Wachstum auch eine partnerschaftliche Haltung, Innovationsführerschaft und unternehmerische Eigenverantwortung im Mittelpunkt. Für mich bedeutet das ein hohes Maß an Freiheit und persönlicher Wertschätzung.

          Wie haben Sie einen Überblick über interessante Unternehmen gewonnen?

          Für mich waren Jobbörsen und Unternehmensmessen entscheidend. Ich habe mich dabei gezielt nach Unternehmen erkundigt, die in ihren Geschäftsfeldern besser sind als die Konkurrenz. Mir war es wichtig, in einem dynamischen, innovativen Unternehmen zu arbeiten. Denn ein solches Umfeld unterstützt mich als Berufseinsteiger bei meiner persönlichen Weiterentwicklung.

          Warum würden Sie Familienunternehmen als Arbeitgeber empfehlen?

          Aus meiner Sicht zeichnen sich Familienunternehmen durch Stabilität und Werteorientierung aus. Ich kann mich langfristig einbringen und zur Entwicklung neuer zukunftsweisender Technologien beitragen. Das gibt mir Sicherheit.

          Topmeldungen

          Mays Position nach dem Deal : Der Brexit macht einsam

          Premierministerin Theresa May verliert immer mehr Rückhalt. Nicht nur ein geordneter Brexit, auch ihre eigene Zukunft steht jetzt auf dem Spiel. Kann sie das verkraften?