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Dichtung und Wahrheit : Was ist dran an den Klischees über Consultants?

Die Arbeit als Consultant ist besonders hart – viele junge Leute sind schnell ausgebrannt. Klischee oder Tatsache? Bild: Frederik Jurk / Sepia

Nur Karriere im Kopf, ständig unterwegs und schnell ausgebrannt: Über das Beratungsgeschäft ranken sich viele Klischees. Was dran ist, erzählen uns die, die es am besten wissen müssen – junge Consultants.

          Klischee 1: Als Consultant kann man nur mit einem Masterabschluss Karriere machen.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Während meines Studiums der Wirtschafsinformatik (B. Sc.) habe ich ein Praktikum in einem Beratungsunternehmen absolviert und dort meine Abschlussarbeit geschrieben. Statt anschließend weitere Semester mit einem theoretischen Masterstudium zu verbringen, wollte ich lieber für Kunden arbeiten. Mit zunehmender Erfahrung bekam ich auch mehr Verantwortung. Nach sechs Jahren in mittelständischen Beratungen wechselte ich den Arbeitgeber. Kollegen mit einem Master- oder MBA-Abschluss haben die gleiche Verantwortung und denselben Karierelevel wie ich – das geht natürlich nur, wenn viel Wert auf die praktische Erfahrung und die individuellen Fähigkeiten gelegt wird und weniger auf akademische Titel. Meine Erfahrung ist, dass Kunden die fachliche Erfahrung wichtiger ist als die im Studium gelernte Theorie. Die Konzepte und Modelle aus der Lehre sind nicht ohne weiteres auf Kundenprojekte übertragbar. Natürlich ist es wichtig, das theoretische Modell strukturiert an die Kundenbedürfnisse anzupassen – diese Fähigkeit lässt sich während des Studiums nur durch Praktika oder Engagement in einer studentischen Beratung erlernen. Die Praxiserfahrung während des Studiums ist ein wesentliches Differenzierungsmerkmal für Bewerber und kommt gut beim Vorstellungsgespräch an.

          Interviewpartner: Christian Reich
          Alter: 31
          Beruf: IT Strategy Consultant bei Accenture
          Studium: Wirtschaftsinformatik (Bachelor of Science), vorher Fachhochschulreife und Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann



          Klischee 2: Als Consultant ist man ständig unterwegs und lebt aus dem Koffer, darunter leidet das Privatleben.

          Tatsächlich gehört das Reisen und Arbeiten an unterschiedlichen Orten zum Berufsbild des Beraters. Man spricht dann gerne von der „3-4-5“-Regel: Pro Woche verbringt man drei Nächte im Hotel, vier Tage beim Kunden vor Ort, und fünf Tage muss man für den Kunden arbeiten, wobei freitags aus dem Heimatbüro gearbeitet wird. Diese Regel trifft auf den ersten Karrierestufen bzw. in den ersten vier bis fünf Jahren nach dem Studienabschluss fast immer zu. Ab der Karrierestufe Manager (Projektleiter) kommt es vor, dass man mehrere Projekte parallel betreut, und die Rhythmik wird eine andere. Das Bild des Beraters, der mit Trolley und Arbeitstasche durch das Flughafenterminal hetzt, ist also nicht ganz von der Hand zu weisen. So muss sich das Privatleben an Wochentagen bei Beratern anders gestalten: Zum Beispiel werden Trainingseinheiten im Sportverein ersetzt durch Laufen im Park oder durch eine Stunde im Fitnessbereich des Hotels. Meine Erfahrung nach knapp zehn Jahren in der Beratung: Das Privatleben verändert sich. Es leidet aber nicht. Das eine oder andere Zugeständnis muss man machen. Trotzdem lassen sich Familie, Freunde, Sport und alle anderen Aktivitäten gut mit dem Beruf des Beraters vereinbaren.

          Interviewpartner: Michael Zintel
          Alter: 33
          Beruf: Principal bei Arthur D. Little
          Studium: Betriebswirtschaft an der European Business School (ebs) in Oestrich-Winkel (Abschluss: Diplom-Kaufmann)


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