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Was machen Absolventen im öffentlichen Dienst? : Aufregender Staatsdienst

Bild: dpa

Ist der öffentliche Dienst wirklich so langweilig, wie alle behaupten? Stimmt das Vorurteil von Stempeluhr, Zeitunglesen und „Mahlzeit“ ab halb 11? Und das alles in einem starren, vorgezeichneten Lebensweg? Keineswegs. Es gibt Menschen, die finden den Job beim Staat alles andere als öde.

          Manchmal ist Stefan Kuczera der Buhmann vom Amt. Das sind die Momente, in denen der 28-
          Jährige sich herausgefordert fühlt: Er möchte, dass wütende Bürger verstehen, warum sie eine Mauer oder einen Wintergarten nicht bauen dürfen. Kuczera ist Referendar für den höheren bautechnischen Verwaltungsdienst in Pulheim, einer Stadt mit knapp 54 000 Einwohnern im Speckgürtel von Köln. Nach dem Raumplanungs-Studium an der TU Dortmund hatte er dort die erste Zusage bekommen - und ist inzwischen froh darüber: Im öffentlichen Dienst sieht er eine bessere Perspektive für seinen Beruf als in der freien Wirtschaft. Denn Kuczeras Vorstellung von der Gestaltung öffentlicher Räume deckt sich mit denen seines Arbeitgebers: wie Städte aussehen und wo Grünanlagen angelegt werden sollen, dass Straßen nicht beliebig zugebaut werden dürfen, sondern ein einheitliches Bild bieten müssen.
          Da stört es ihn auch nicht, dass er an sein abgeschlos­senes Studium noch das zweijährige Referendariat dranhängen muss. Danach wird Kuczera Bauassessor sein. Und will sich voraussichtlich wieder in einer Kleinstadt bewerben, als stellvertretender Amtsleiter im Stadtplanungsamt zum Beispiel. „In einer überschaubaren Struktur kann man was bewegen“, sagt er.
          Die Arbeit ruht im Moment, denn Kuczera muss lernen, für die sogenannte „Große Staatsprüfung“. Vier Klausuren, eine mündliche Prüfung und eine Hausarbeit gehören dazu. Während er lernt, wird er weiterbezahlt, nach E13 aus dem TVöD, dem Tarifvertrag für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes. Netto bleiben dem Beamtenan­wärter nach Abzug der Beiträge zur privaten Krankenversicherung 1050 Euro. Kuczera findet das okay: „Für einen Ingenieursabsolventen ist das eigentlich katastrophal,
          als Ausbildungsgehalt aber viel.“ Eine spätere Festanstellung ist ihm quasi sicher, das Einstiegsgehalt liegt dann zum Beispiel in seiner Tarifgruppe 12 bei 2723 Euro brutto. Nach einigen Jahren sind es in der höchsten Stufe an die 4300 Euro brutto.
          Wem die Arbeit in einer Stadtverwaltung zu beengt ist, der kann im öffentlichen Dienst auch international arbeiten. Zum Beispiel bei den Vereinten Nationen. Bei deren Unterorganisationen gibt es Stellen für Juristen oder BWLer, für Naturwissenschaftler oder Mediziner. Wer dort ankommen will, muss mindestens zwei Fremdsprachen fließend sprechen, wichtig sind Praktika oder Erfahrungen in der Entwicklungshilfe. Älter als 32 dürfen die Bewerber nicht sein.
          Nikola Rass, 35, hat Geographie studiert und arbeitet in Bonn im Sekretariat des UNCCD, einer Konvention der Vereinten Nationen gegen Wüstenbildung. Rass und ihre Kollegen fungieren als Bindeglied zwischen den UN und den 193 Ländern, die gemeinsam gegen die zunehmende Wüstenbildung kämpfen wollen. Die UN haben in einem Zehnjahresplan fünf Ziele verfasst, die Rass jetzt in die früheren Aktionspläne einarbeitet. Sie überprüft die Ursachen für die fortschreitende Wüstenbildung und ob das Budget für bestimmte Entwicklungsländer erhöht werden muss, damit die Vereinten Nationen dort effektiv arbeiten können. Oder welche technischen Neuheiten in den betroffenen Gebieten eingesetzt werden könnten.
          Für Nikola Rass war schon immer klar, dass sie im Bereich der Landwirtschaft oder der ländlichen Entwicklung arbeiten will: Ihre Diplomarbeit schrieb sie über „Trockengebiete und Nomaden in der Mongolei“, sie machte ein Praktikum bei der IFAD in Rom, einem Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung, sie arbeitete in Kenia bei der Internationalen Union für die Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen.
          Bei der UNCCD ist sie 2009 über eine Stelle des Bundes gelandet, öffentlicher Dienst also. Die Regierung verfügt über ein Kontingent an Jobs, um den UN deutsche Nachwuchskräfte zu vermitteln. Maximal drei Jahre zahlt der Bund das Gehalt von Rass, immerhin fast 4000 Euro im Monat. Steuerfrei, denn UN-Beschäftigte werden vom Fiskus nicht behelligt. Noch steht sie auf der untersten Stufe der Karriereleiter bei den Vereinten Nationen. In ihrer Abteilung könnte sie es bis zum „Coordinator“ bringen - eine Art Managerposten. Langweilig jedenfalls dürfte ihr so bald nicht werden.

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