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Karriere als Comedian : Wie wird man eigentlich Comedian? | Im Interview: Bernhard Hoëcker

  • -Aktualisiert am

Bernhard Hoëcker: „In Statistik war ich immer sehr gut: Die Wahrscheinlichkeit, erfolgreicher Künstler zu werden, war sehr gering.“ Bild: Karin Maigut

Comedian Bernhard Hoëcker ist bekannt aus Fernsehsendungen wie „Switch“ oder „Genial daneben“. Wie wurde aus dem VWL-Studenten ein erfolgreicher Künstler?

          Manche Studentenjobs sind richtig demütigend, sagt Bernhard Hoëcker. Seine Studienzeit finanzierte sich der heutige Comedian mit Bühnenprogrammen auf Hochzeiten und bei Firmenveranstaltungen oder mit sogenannter Industrie-Kunst. Den schlimmsten Job in diesem Bereich, erzählt er, habe er einmal bei einer Veranstaltung der Post ausgeübt. Damals wurde eine neue Briefform vorgestellt, und er, Hoëcker, junger Student, war an diesem Abend als Briefzusteller engagiert worden. Die Veranstaltungsgäste überreichten ihm Briefe, und er brachte die Kuverts zu den Adressaten an die anderen Tische. „Ein Gast sprach mich an und sagte: ‚Und du bist also ein Student, der sich hier Geld dazuverdienen möchte? Find ich super!‘“, erinnert er sich. „Ich dachte: nein, ich bin Künstler. Ich bin verdammt noch mal Künstler!“

          Seit diesem Abend sind mehr als 20 Jahre vergangen. Bernhard Hoëcker umklammert eine Tasse mit Pfefferminztee in einem als Garderobe umfunktionierten Allzweckraum des schmucken Schlosses der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Bedburg nahe Jülich. Nebenan, im großen Rittersaal, beklebt ein Bühnentechniker gerade noch die letzten der rund 250 Plätze mit Sitznummern. Am Abend steht Hoëcker mit seinem neuen Programm „So liegen Sie richtig falsch“ auf der Bühne. Künstler sein, das war schon immer sein Traum. „Aber nie mein Plan.“

          Doch bevor er sich seinen Traum verwirklichen konnte, schrieb sich der gebürtige Pfälzer 1993 an der Universität Bonn für das Fach Volkswirtschaftslehre ein. Zwar hatte er schon zu Schulzeiten mit Schulfreunden, darunter Bastian Pastewka, die Truppe „Comedy Crocodiles“ gegründet, zusammen traten sie auf Hochzeiten oder Firmenevents auf. Doch obwohl ihn das begeisterte, blieb Hoëcker realistisch, denn: „In Statistik war ich immer sehr gut: Die Wahrscheinlichkeit, erfolgreicher Künstler zu werden, war sehr gering.“

          Mit seinem Studium verbindet Hoëcker gute Erinnerungen. Er mochte das Leben an der Uni und bewunderte Studenten, die den Lehrstoff scheinbar aufsogen. Er selbst jedoch konnte nur jene Inhalte lernen, die ihn auch tatsächlich interessierten. „Hat mich eine Vorlesung nicht begeistert, habe ich komplett abgeschaltet“, berichtet er. Und so brach er sein Studium vorzeitig ab. 1996 besuchte Hoëcker ein Casting des Senders ProSieben, der Darsteller für die neue Parodiesendung „Switch“ suchte. Bernhard Hoëcker nahm teil – und wurde engagiert. „Als die Zusage kam und ich die ersten Piloten drehte, dachte ich zum ersten Mal, dass es möglich sein könnte, das Künstlersein zum Beruf zu machen.“ Ursprünglich hatte Hoëcker sein Studium zunächst für ein Semester unterbrechen wollen – aber aufgrund des Erfolgs der Sendung stieg er nicht wieder ein.

          So wurde aus dem VWL-Studenten plötzlich ein landesweit bekannter Comedian. Doch: Was nach reinem Spaß klingt, sei harte Arbeit, sagt er. Und auch heute, nach 71 Folgen „Switch“ und diversen anderen Fernsehauftritten, sei er beim Dreh noch immer aufgeregt. „Alle Scheinwerfer sind auf dich gerichtet. Es ist still. Und dann sagst du deinen ersten Satz.“ Dieser eine Moment löst bei Hoëcker auch heute noch Kribbeln aus – bei Fernsehaufnahmen genauso wie bei Liveauftritten. Zwischen Bühne und Fernsehen will sich der Bonner nicht entscheiden müssen – aus emotionalen und aus wirtschaftlichen Gründen. „Die Unsicherheit, dass morgen alles vorbei sein kann, ist immer da“, sagt er. Dafür helfe es, zwei Standbeine zu haben. Schließlich könne es sein, dass ihn sein Publikum plötzlich nicht mehr mag. Von heute auf morgen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert“, scherzt er, „ist zumindest nicht gleich null.“

          Quelle: F.A.Z.

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