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Berufseinstieg als Architektin : „Ich bin diejenige, die Entscheidungen beeinflussen kann“

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Vanessa Hölzel, 30, hat an der Fachhochschule in Mainz Architektur studiert und 2011 mit Ingenieurdiplom abgeschlossen. Bild: Deutsche Invest Immobilien

Vanessa Hölzel, 30, arbeitet bei der DII Deutsche Invest Immobilien GmbH in Wiesbaden. Welche Aufgaben sie in der Projektsteuerung übernimmt, erzählt sie im Interview.

          Frau Hölzel, Sie sind aktuell als Projektingenieurin angestellt. Welche Tätigkeiten üben Sie auf dieser Position aus?

          Die Deutsche Invest Immobilien ist ein inhabergeführtes Unternehmen und spezialisiert auf Wohnimmobilien. Wir liefern alle Leistungen – vom Objektankauf, der Finanzierung, Objektentwicklung und -betreuung bis zum Abverkauf – aus einer Hand. Ich bin an jeder Bauaufgabe von Anfang bis Ende beteiligt. Die Herausforderung dabei ist es, die unterschiedlichen internen Wünsche zusammenzuführen und umzusetzen. Die Assetmanager bringen die Interessen der Mieter ein. Der Vertrieb legt seinen Fokus auf den Verkauf der Wohnungen. Die Käufer haben ebenfalls eigene Vorstellungen und wollen manchmal einen Grundriss komplett neu gestalten.

          Welche Rolle spielt Ihr ingenieurwissenschaftliches Studium für Ihre heutige Tätigkeit?

          Im Architekturstudium wird wenig über Einsatzbereiche eines Architekten außerhalb eines Architekturbüros gesprochen. Das Entwerfen steht extrem im Vordergrund. Da ich mich gegen diesen klassischen Weg entschieden habe, stellen Entwürfe heute nur einen Bruchteil meiner Arbeit dar. In einem Architektenbüro, wo sich der Architekt vor allem an öffentliche Vorgaben in der Planung und Entwicklung eines Projekts halten muss, sind noch einmal andere Inhalte gefordert. In meinem Job ist vor allem viel Kreativität gefragt. Denn ich bin diejenige, die Entscheidungen beeinflussen kann, die das Projekt entwickelt und steuert.

          Welchen Berufseinstieg haben Sie gewählt und warum?

          Nach meinem Studium habe ich über das vom Bund Deutscher Architekten aufgelegte spezielle Traineeprogramm Trax das Arbeitsleben kennengelernt. Die Teilnehmer durchlaufen ein halbes Jahr lang verschiedene Unternehmen, wobei es einen festen Hauptarbeitgeber gibt. Man bekommt einen Einblick in namhafte Architekturbüros, außerdem gibt es Wochenendseminare oder auch Architekturexkursionen zur Fortbildung und zum Austausch mit anderen Trainees des Programms.

          Welche Jobpositionen haben Sie seitdem durchlaufen?

          Im Anschluss an das Traineeprogramm war ich in Festanstellung und dann auch bewusst noch als freie Architektin unterwegs – bis ich wirklich alle Leistungsphasen, die ein Architekt anbietet, mindestens einmal in aller Tiefe durchlaufen hatte. Das reicht vom Ermitteln der Grundlagen für einen Auftrag über die verschiedenen Aufgaben der Planung und Auftragserteilung bis zur Bauleitung vor Ort. Auch die Immobilien, an denen ich mitgearbeitet habe, waren sehr unterschiedlich. Die Bandbreite reichte von Wohnungsbau über Sonderbauten bis hin zu öffentlichen Bauten. Ich wollte einfach wissen, wo ich langfristig hinwill. Seit zweieinhalb Jahren arbeite ich nun bei der DII, zunächst auf einer Juniorstelle. Nach etwa einem Jahr wurde mir dann mehr Verantwortung übertragen – jetzt steuere ich meine Projekte eigenverantwortlich.

          Gibt es etwas, das Sie an Ihrem Berufseinstieg überrascht hat?

          Durch das Traineeprogramm wurde ich gut auf das Berufsleben vorbereitet und konnte in allen Stationen Verantwortung übernehmen. Überrascht hat mich, dass mir als junger Absolventin von Beginn an viel Vertrauen entgegengebracht wurde. Darüber bin ich froh. Auf meiner aktuellen Stelle habe ich gemerkt, dass ich Teamarbeit sehr schätze. Ich würde mittlerweile sogar sagen: Ich bin ein absoluter Teamplayer. Bei uns ist der Austausch im Team und über die Abteilungsgrenzen hinweg sehr intensiv. Alle Führungsebenen sind involviert, wenn die jeweilige Abteilung über Fortschritte oder Probleme berichtet. Seinen Teil zum großen Ganzen beizutragen ist eine schöne Erfahrung, die ich sehr schätze.

          Was sind Ihre beruflichen Ziele?

          Ich denke gerade über eine Weiterbildung in den Sparten Asset- und Propertymanagement nach. Außerdem würde ich gern möglichst bald ein Neubauprojekt leiten.

          Was würden Sie angehenden Ingenieuren für ihre Karriere raten?

          Praxiserfahrung ist ein gutes Fundament, um vielen Anforderungen im späteren Berufsleben gewachsen zu sein. Für mich war es eine gute Entscheidung, das klassische Architekturbüro als erste berufliche Station zu wählen. Denn hier konnte ich das Erlernte in der Praxis anwenden und festigen. Auch abseits des klassischen
          Architekturbüros gibt es viele spannende Aufgaben und Einsatzbereiche für Architekten. Es lohnt sich, diese für sich zu entdecken.

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