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Karriere als Ingenieur : Die Visionäre: Karriere als Bauingenieurin

Julia Schuler, 30, Bauingenieurin in der Tragwerksplanung Bild: Privat

Viele junge Studenten träumen von einer Karriere als Ingenieur. Der HOCHSCHULANZEIGER stellt junge Berufseinsteiger vor, die an Zukunftsprojekten mitwirken. Julia Schuler, 30, arbeitet als Bauingenieurin an nachhaltig nutzbaren Stadien.

          Ich wollte schon immer Ingenieur werden, weil …

          … ich mich immer sowohl für Mathe und Physik als auch für Architektur und Entwerfen interessiert habe. Das konstruktive Bauingenieurwesen verbindet Technik mit Gestaltung, man lernt, durch Kreativität in der Statik faszinierende und gleichzeitig wirtschaftliche Bauwerke zu erschaffen, und kann so aktiv am Stadt- und Landschaftsbild mitwirken. Der Gedanke, irgendwann das gebaute Resultat seiner Planung erleben zu können und zu sehen, was man erarbeitet hat, war außerdem immer ein großer Anreiz.

          Meinen Karriereeinstieg bei Schlaich Bergermann und Partner als Bauingenieurin in der Tragwerksplanung habe ich gewählt, weil …

          … es ein internationales Planungsbüro in Stuttgart mit Standorten in Metropolen wie Berlin, Paris, New York, São Paulo und Schanghai ist. Dadurch lassen sich internationale Kontakte knüpfen. Ich konnte im Ausland arbeiten und einen Einblick in Arbeitsweisen anderer Länder bekommen sowie Fremdsprachen im Projektalltag anwenden. Hier werden spannende und abwechslungsreiche Projekte in den Bereichen Dachtragwerke, Brücken und Hochbauten bearbeitet. Dabei wird besonders viel Wert auf statisch und zugleich ästhetisch sinnvolle Entwürfe gelegt, wobei man als Ingenieur auch gestalterisch in den Entwurfsprozess mit eingebunden wird.

           

          Karriere als Bauingenieurin: Fußballstadien in Katar

           

          Heute arbeite ich an …

          … diversen Wettbewerben für Fußballstadien in Katar. Hier geht es darum, eng mit den Architekten zusammenzuarbeiten, um einen gestalterisch außergewöhnlichen und technisch fundierten Entwurf zu erarbeiten, mit dem man den Bauherrn überzeugt und hoffentlich für die weitere Planung des Projekts beauftragt wird. Solche Projekte sind natürlich sehr begehrt, weil sie hohe Popularität besitzen und viel Aufmerksamkeit erhalten. Nach meinem Berufseinstieg habe ich als Erstes am Hazza Bin Zayed Stadium in Al Ain, Abu Dhabi, mitgearbeitet, für das wir das Stahl-/Membran-Tragwerk von Dach und Fassade geplant haben. Durch die Optimierung des bestehenden Entwurfs wurden wir anschließend mit der weiteren Planung beauftragt und konnten das Projekt bis zur Fertigstellung begleiten.

          Mit diesem Projekt trage ich dazu bei, dass ...

          … hochwertige Ingenieurskunst international Anwendung findet. Qualitativ gute, materialgerechte und dauerhafte Konstruktionen beeinflussen die Infrastruktur nachhaltig. Heutzutage ist es bei der Planung solcher Sportstätten immer wichtiger, vielen nicht technischen Anforderungen gerecht zu werden, um eine Konstruktion zu schaffen, die langfristig sinnvoll nutzbar ist.

           

          Arbeiten als Ingenieurin: Praktika sind wichtig

           

          Bei meinen Bewerbungen habe ich gemerkt, dass …

          … Praktika sowohl im Ingenieurbüro als auch bei der Baufirma und auf der Baustelle sehr hilfreich sind, um im Bewerbungsverfahren praktische Erfahrungen einfließen lassen zu können. Man spricht anders über ein Problem, dem man sich schon einmal aktiv angenommen hat, als wenn alles bloße Theorie ist, das merkt das erfahrene Gegenüber sofort. Die praktische Anwendung kommt im Studium manchmal etwas zu kurz, von daher sollte man sich bewusst Zeit für Praktika nehmen. Das gilt ebenso für Auslandsaufenthalte. Weiterhin sind soziale Kompetenzen heute enorm wichtig, wie zum Beispiel für die Arbeit im Team und die gemeinsame Entwicklung eines guten Gesamtergebnisses.

          Die Herausforderung meiner Arbeit ist für mich, …

          … dass ich mich immer wieder auf ein neues, manchmal gänzlich unbekanntes Problem einlassen muss. Das erfordert viel Einsatz, Lernbereitschaft und Geduld, bietet dabei aber auch viel Abwechslung und Entwicklungspotential. Der Zeitdruck im Projekt ist manchmal extrem hoch, besonders wenn es um ausländische Bauvorhaben geht. Daran muss man sich gewöhnen. Manchmal sind Überstunden nötig, das testet die Belastbarkeit. Von Beginn an trägt man mit diesem Beruf eine enorme Verantwortung für das Funktionieren eines Gebäudes und somit auch für Umwelt und Gesellschaft. Diese erfordert eine bewusste und bedachte Arbeitsweise.

           

          Tipp für Ingenieursstudenten: Interesse für andere Kulturen entwickeln

           

          Studenten, die Ingenieur werden wollen, empfehle ich, …

          … Praktika und Auslandserfahrungen zu sammeln. Für weltweite Projekte empfiehlt es sich, Sprachen zu lernen und Interesse für andere Kulturen und internationale Kommunikation zu entwickeln. Teamfähigkeit und Offenheit für Neues sind neben der fachlichen Kompetenz ebenso wichtige Komponenten, um gemeinsam besondere Lösungen zu entwickeln und Spaß an der Projektarbeit zu haben.

          Wenn ich könnte, dann …

          … würde ich dafür sorgen, dass die Rolle des Bauingenieurs in der Gesellschaft mehr Bewusstsein und Anerkennung findet. Vielen Menschen ist gar nicht klar, was ein Bauingenieur eigentlich macht, dabei hat unsere Arbeit einen großen Anteil an ihrem täglichen Leben. Diese Bedeutung sollte sich auch in der öffentlichen Wahrnehmung wiederfinden.

          Julia Schuler

          Julia Schuler, 30, Bauingenieurin in der Tragwerksplanung, Schlaich Bergermann und Partner, Stuttgart

          Studium: Bauingenieurwesen, Karlsruher Institut für Technologie

          Abschluss: Diplom-Ingenieurin, 2011

          Quelle: F.A.Z.

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