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Ingenieure im Mittelstand : Harmonie statt Hierarchie

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Bei Knauer in Berlin werden flache Hierarchien gelebt: Marc Diener, Hardware-Entwicklungsleiter, und Friedrich Lassak, Absolvent. Bild: Gregor Anthes

Kurze Wege kennzeichnen die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in mittelständischen Unternehmen. Das ist auch bei Hochschulabsolventen gefragt.

          Beim Audiospezialisten Sennheiser kommt es auf den guten Ton an. Anderswo gehört ein Faible für Tiere dazu. „Unser spannendster Auftrag war, eines unserer Laborgeräte so weiterzuentwickeln, dass man damit Dopingproben bei Rennkamelen durchführen konnte“, erinnert sich Alexandra Knauer, Inhaberin des Berliner Familienunternehmens Knauer Wissenschaftliche Geräte GmbH. Und im baden-württembergischen Engen gehören bei der Förster-Technik GmbH regelmäßige Stallbesuche beim Landwirt zum Aufgabenportfolio der dortigen Ingenieure – das Unternehmen aus Süddeutschland ist weltweiter Marktführer in der Herstellung von Fütterungsautomaten für Kälber.

          Während die Kopfhörer und Mikrofone von Sennheiser von einer breiten Öffentlichkeit und vielen Musikstars genutzt werden und das Unternehmen eine international bekannte Marke ist, stehen Unternehmen wie Knauer oder Förster-Technik eher selten im Rampenlicht. Alle drei zeichnet freilich aus, dass sie zu den Markführern oder Hidden Champions in ihrer Branche gehören und zudem inhabergeführt sind. Was die Aktivitäten in Forschung und Entwicklung betrifft, „sind wir ebenso gefordert wie die großen Konzerne“, sagt Marc Diener, Hardware-Entwicklungsleiter bei Knauer. Jährlich werden zehn Prozent des Jahresumsatzes, der bei 18 Millionen Euro liegt, in Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten investiert. Die kleineren mittelständischen Unternehmen stellen daher regelmäßig Hochschulabsolventen ein, wenn es auch nur zwei oder drei im Jahr sind.

          Bei Förster-Technik mit seinen 115 Beschäftigten arbeiten 20 Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung, bei Knauer sind es 14 Mitarbeiter im Bereich Hardwareentwicklung und sechs Mitarbeiter im Bereich Softwareentwicklung. Je größer das Unternehmen, desto mehr Stellen gibt es für die frisch ausgebildeten Akademiker.

          2.700 Mitarbeiter beschäftigt die Sennheiser Electronic GmbH & Co. KG weltweit, 338 von ihnen sind an vier Forschungs- und Entwicklungsstandorten am Stammsitz im niedersächsischen Wennebostel, in Zürich, Singapur und San Francisco mit der Neu- und Weiterentwicklung von Audiotechnik beschäftigt. Pro Jahr kommen zwischen 15 und 20 neue Absolventen in diesem Bereich dazu. Gut die Hälfte seines Umsatzes von 635 Millionen Euro macht Sennheiser mit Kopfhörern für den Endverbraucher, den anderen Teil mit professionellen Produkten wie Mikrofonen und drahtlosen Übertragungssystemen. Sennheiser hat sich in seiner Branche den Ruf eines Innovationstreibers erworben: Der erste offene Kopfhörer wurde in Wennebostel entwickelt. Heute geht es auch um spezielle Entwicklungen, etwa wenn die amerikanische Popsängerin Pink bei ihren Shows artistische Saltos am Trapez schlagen will und dabei ein Mikrofon am Körper tragen muss, das alle Töne sauber zum Klingen bringt. „Unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sind international aufgestellt. In San Francisco haben wir die Nähe zum Silicon Valley und arbeiten an zukunftsweisenden Technologien, in Singapur entwickeln wir Consumer-Produkte, und in Zürich arbeiten wir an Zukunftskonzepten, wie unsere Kunden in fünf bis zehn Jahren unsere Produkte verwenden“, so Wolfgang Isermann, Direktor People Development bei Sennheiser.

          Bei aller Internationalität bleibt der Mittelständler bodenständig: Die Forschungsergebnisse aus aller Welt werden auf dem firmeneigenen Innovationscampus in Wennebostel zusammengetragen und dort in die verschiedenen Projekte übertragen. „Das ist der Schmelztiegel. Man muss nicht alle Stationen und Länder durchlaufen“, so Isermann. „Hier trifft man in der Projektphase die Kollegen, hier gibt es ruhige Ecken, wo beim Kaffee die Kommunikation gefördert wird.“

          Das Headquarter von Sennheiser in Wennebostel: Auf dem Innovationscampus werden die firmeneigenen, internationalen Forschungsergebnisse zusammengetragen.
          Das Headquarter von Sennheiser in Wennebostel: Auf dem Innovationscampus werden die firmeneigenen, internationalen Forschungsergebnisse zusammengetragen. : Bild: Sennheiser

          Weltweit agieren

          Welche Größe mittelständische Unternehmen auch immer haben: Viele agieren auf internationalen Märkten. Die Labormessgeräte von Knauer finden sich in 60 Ländern, die Fütterungsautomaten von Förster-Technik werden in 50 Ländern vertrieben. „Jährlich vergeben wir vier Masterarbeiten, die sich oft an internationalen Themenschwerpunkten orientieren und Projekte aus der Sicht des chinesischen oder kanadischen Kunden betrachten und vor allem die Tiergesundheit in den Mittelpunkt stellen. Mit diesen Arbeiten können die Absolventen uns und wir sie besser kennenlernen“, sagt Thomas Förster, gemeinsam mit seinem Bruder Markus Inhaber des badischen Anlagenbauers, der jährlich zwischen drei und fünf Absolventen einstellt.

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