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Forschen und Entwickeln : Ingenieure – die Triebfedern der Konzerne

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Fatma van Winssens forscht bei Bayer: Ihr Schwerpunkt ist die verfahrenstechnische Gesamtprozessoptimierung. Bild: Bernd Vogel

Ob Pharmazie, Energie, Elektronik oder Telekommunikation – Konzerne investieren viel Geld in Forschung, denn sie ist der Garant für zukünftige Geschäfte. Vier Ingenieure erzählen von ihrer Karriere.

          Mit weißen Kitteln und Laborforschung hat Fatma van Winssens Berufsalltag bei Bayer wenig zu tun: „Ich forsche im Bereich der verfahrenstechnischen Gesamtprozessoptimierung, mit Simulationsprogrammen und Analysen am Computer, wenn nötig kombiniert mit Experimenten. Wir analysieren zum Beispiel, wie die Kapazitäten eines Produktionsverfahrens erweitert werden können, oder erarbeiten innovative Alternativkonzepte.“

          Sie stieg mit 29 Jahren am Standort Leverkusen ein und übernahm bald die Leitung verschiedener Projekte im Bereich Pharmazie und Crop Science, dem Agrarwirtschaftsbereich des Konzerns. Ein Praktikum bei Bayer während ihrer Promotion führte sie in die Forschung, zuvor hatte sie Bioingenieurwesen an der TU Dortmund studiert. Sie ist die Schnittstelle zwischen Auftraggeber, internem Team und dem Team auf Betriebsseite. Das bedeutet, auch koordinative Aufgaben wie die Definition von Zielen, Ergebnispräsentationen und das Controlling liegen in ihrer Verantwortung. „Neue Technologien bringen immer neue Herausforderungen und Fragen mit sich – ich trage dazu bei, sie zu lösen, und leiste so einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft.“

          Bayer stellt bundesweit jährlich 300 Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung ein, von Auszubildenden bis zu Laborleitern, vom Naturwissenschaftler über den Ingenieur bis zum Pharmazeuten. Der Konzern achtet bei akademischen Bewerbern neben einer guten Studienleistung auf Persönlichkeit, soziale Kompetenzen, Kommunikations-Skills, praktische Erfahrungen und Englischkenntnisse. Van Winssen mag die Abwechslung ihres Jobs und überlegt, in ein paar Jahren noch einmal ins Ausland zu gehen. Zurzeit arbeitet die 31-Jährige 40 bis 48 Stunden pro Woche, manchmal im Homeoffice. Bayer bietet seinen Angestellten einen Betriebskindergarten, betriebliche Altersvorsorge und Gesundheitsförderung und bezahlt sie überwiegend übertariflich.

          Ihre Kommilitonen zog es häufig ebenfalls zu Konzernen – etwa zu Evonik, Merck und BASF. Neben vielfältigen Aufgaben und der Relevanz für die Gesellschaft ist die Jobsicherheit ein weiterer Aspekt, der für Konzerne spricht.
           

          Flexible Arbeitszeiten und Sicherheit

          Die Wirtschaftsingenieurin Susanne Manger ist bei Vattenfall in Berlin im Bereich Wärme, genauer im Product-Development tätig. Dieser Fokus war für sie entscheidend, den Schritt in den Konzern zu gehen. Zudem wollte sie Praxiserfahrung sammeln. Das hatte ihr zuvor als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität gefehlt. „Als Mutter möchte ich nicht alle drei Jahre darüber nachdenken, wie es beruflich weitergeht. Schon die Traineestelle, über die ich zu Vattenfall kam, war unbefristet. Ich wollte nach meiner Elternzeit außerdem Vollzeit arbeiten. Die dafür nötigen flexiblen Arbeitszeiten und die gegenseitige Rücksichtnahme waren nicht bei allen Arbeitgebern, bei denen ich mich beworben hatte, selbstverständlich.“

          Das Assessmentcenter für die Traineestelle beinhaltete unter anderem eine Gruppenaufgabe, einen Test in englischer Sprache, eine kreative Aufgabe, bei der Manger ein Konzept für ein Energieprodukt entwarf, und eine nachgespielte Szene zum Umgang mit Konfliktsituationen.

          Während der anderthalbjährigen Traineephase lernte sie alle Bereiche des Unternehmens kennen: „Für die Stelle, auf die ich vorbereitet wurde, war das sehr hilfreich. Ich kann erfolgreicher Produkte entwickeln, wenn ich unternehmensintern ein eigenes Netzwerk habe, wenn ich weiß, wie Vertrieb, Einkauf, Strategie und Co. zusammenarbeiten, und so Synergien nutzen.“ Während der Einarbeitung stand Manger ein Mentor zur Seite, außerdem besuchte sie verschiedene Seminare, zum Beispiel zu Konfliktmanagement und Selbstwahrnehmung. Nach einem halben Jahr übernahm sie erstmals Verantwortung bei einem größeren Projekt. Diese Einarbeitungsphase gibt es in den meisten Konzernen: Sie nehmen sich viel Zeit und setzen auf intensive Betreuung, um die Ingenieure auf ihren Job vorzubereiten und mit ihren Strukturen vertraut zu machen.

          Manger, die 37 Stunden pro Woche arbeitet, hat mit ihrem Manager in ihrem Vertrag klar geregelt, wie ihre Zukunft bei Vattenfall aussieht: Ein fünfjähriger Entwicklungsplan verzeichnet, welche Kompetenzen für ihre Stelle nötig sind und wie sie vertieft werden können.

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