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Gastkommentar : Ingenieure gestalten die Welt von morgen

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Dr. Reinhard Ploss (60) ist seit 2012 Vorstandsvorsitzender der Infineon Technologies AG. Er studierte Verfahrenstechnik an der TU München. Nach seinem Berufseinstieg bei Siemens/Infineon war er ab 1993 in verschiedenen Leitungspositionen tätig. Bild: Sylvia Wolf

Dr. Reinhard Ploss (60) ist Vorstandsvorsitzender der Infineon Technologies AG.

          In den vergangenen Jahrhunderten haben technische Erfindungen immer wieder dazu beigetragen, den Lebensstandard zu verbessern – sei es durch die Entdeckung der Elektrizität, die Erfindung des Automobils oder die Entwicklung moderner Kommunikationsmittel. Jeden Tag profitieren wir von diesen technologischen Errungenschaften. Gleichzeitig stehen wir vor neuen, anspruchsvollen Herausforderungen: 2050 werden mehr als neun Milliarden Menschen auf der Erde leben mit dem Wunsch nach Wohlstand, Frieden und einer lebenswerten Zukunft. Den wachsenden Bedarf an Wohnraum, Ernährung, Energie und Mobilität müssen wir mit knapper werdenden Ressourcen decken. Besonders dringend ist es, den Klimawandel zu stoppen: Der Ausstoß von Kohlendioxid muss deutlich reduziert werden. Durch die Verbindung der realen mit der digitalen Welt kann es gelingen, diese großen Herausforderungen zu lösen.

          Dafür braucht es Fachkräfte, die mit Leidenschaft und Erfindergeist den technologischen Fortschritt vorantreiben. Tiefgreifendes technisches Fachwissen ist eine Voraussetzung, reicht aber nicht aus, um große Veränderungen zu bewirken. Ein Ingenieur, der fachlich hervorragend ist, ist ein guter Erfinder. Damit Erfindungen zu echten Innovationen für den Menschen werden, braucht es zusätzlich den Blick für das große Ganze, den Nutzen der Technik für die Menschen. Ein Ingenieur mit Weitblick versteht Technologien und Produkte und erkennt deren potentielle Vorteile in der Anwendung. Und noch etwas zeichnet ihn aus: Er ist in der Lage, Menschen zu begeistern, sie zu kreativem Denken zu ermutigen. Darüber hinaus gelingt es ihm, die Fähigkeiten seiner Kollegen einzuschätzen, konstruktives Feedback zu geben und Aufgaben sinnvoll zu delegieren.

          In einem Unternehmen wie Infineon sind das die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Laufbahn. Deswegen sind viele Führungspositionen in technisch orientierten Unternehmen mit Ingenieuren besetzt, die Fachkenntnis mit Menschenkenntnis und Führungsstärke verbinden. In unserer globalisierten, komplexen Welt werden dabei vielfältige Teams immer wichtiger, also Teams mit Frauen und Männern aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen. Denn durch die Verbindung unterschiedlicher Perspektiven entstehen neue Ideen.

          Vor kurzem habe ich mit einer jungen Ingenieurin aus Mexiko gesprochen. Sie studiert Power-Engineering in Deutschland, um mehr über erneuerbare Energien zu lernen und internationale Windenergieprojekte zu unterstützen. Menschen mit dieser Einstellung, also Kompetenz und Veränderungswillen, werden wir immer brauchen.

          Wir befinden uns heute erst am Anfang des digitalen Zeitalters. Jetzt gilt es, die Chancen zu ergreifen, die uns diese Entwicklung bietet. Die Ideen von heute entscheiden darüber, wie lebenswert die Welt von morgen sein wird.

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