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Ingenieurs-Check : Praxiserfahrung und interkulturelle Kompetenzen

  • -Aktualisiert am

Drei Praktiker erklären, was den Berufsstart erleichtert. Bild: F.A.Z.

Drei Praktiker erklären, welche Eigenschaften jungen Ingenieuren den Berufsstart erleichtern.

          Junge Ingenieure müssen selbstbewusst sein und verständlich argumentieren können – dafür brauchen sie Praxiserfahrung.

          Als Engineering-Dienstleister unterstützen wir Industrieunternehmen bei der Entwicklung neuer Produkte und Technologien. Dafür arbeiten unsere Mitarbeiter entweder als Fachkräfte direkt im Kundenunternehmen, oder eines unserer technischen Büros übernimmt gleich den ganzen Entwicklungsprozess. Projektarbeit erfordert sehr gute Kommunikationsfähigkeiten der einzelnen Teammitglieder. Deshalb sollten Ingenieure selbstbewusst sein und verständlich argumentieren können. Berufseinsteiger haben dafür oft noch nicht die nötige Erfahrung, deshalb bieten wir Seminare zur Schulung der Präsentations- und Kommunikationsfähigkeiten an.

          Bei uns können Berufseinsteiger innerhalb weniger Jahre eine große Bandbreite an Projekten und Kundenunternehmen kennenlernen. Um hier erfolgreich zu sein, braucht ein Ingenieur natürlich fachliches Wissen, aber auch die Kompetenz, flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren und Probleme kreativ zu lösen.

          Wer sich bei uns als Hochschulabsolvent bewirbt, sollte unbedingt praktische Erfahrung mitbringen. Wir erleben es immer wieder, dass sich viele Studenten ausschließlich am Institut engagieren. Das hilft ihnen zwar, falls sie später in der Forschung arbeiten wollen. Aber die Studienzeit sollte auch dafür genutzt werden, verschiedene Berufsfelder kennenzulernen. Über diesen Weg erhalten Studenten zudem Einblicke in wichtige Software-Tools der Industrie, deren Lizenzen für Universitäten leider oft zu teuer sind.

          Elisa Wicke, Manager Recruitment bei Ferchau Engineering

          Wer erfolgreich gründen will, muss sein Produkt kritisch betrachten und dessen Markttauglichkeit einschätzen können.

          In der Region Aachen erkennen wir einen klaren Trend hin zum Unternehmertum. Viele Studenten kommen mit ihren Ideen, Forschungs- oder Promotionsergebnissen zu uns ins Gründerzentrum, um daraus ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Jedes Gründerteam bekommt dafür einen Berater zur Seite gestellt, der die Schwierigkeiten bei der Gründung technikbasierter Unternehmen kennt.

          Auch wenn die technologieorientierte Gründerszene besonders im internationalen Vergleich noch Luft nach oben hat, sehen wir in Deutschland ein enormes Potential für Ausgründungen im Ingenieurwesen. Technische Innovationen bieten eine sehr gute Ausgangssituation für erfolgreiche Gründungsvorhaben.

          Es kommt immer wieder vor, dass junge Ingenieure die Marktfähigkeit ihrer Entwicklung vernachlässigen und den Kundennutzen ihrer Innovation nicht konsequent genug hinterfragen. Wir erklären ihnen dann, dass ein technisch einwandfreies Produkt nicht gleichzeitig auch unternehmerischen Erfolg bedeutet.

          Erfolgreiche Gründer zeichnet die Fähigkeit aus, offen für Anregungen oder Kritik zu sein und flexibel sowie pragmatisch auf unerwartete Situationen reagieren zu können. Zudem gibt es viele Möglichkeiten, sich fehlendes betriebswirtschaftliches Wissen anzueignen. Zum Beispiel in Universitätskursen rund um Entrepreneurship, Gründertrainings oder in Seminaren der Industrie- und Handelskammer. Gründerteams, die unterschiedliche Kompetenzen vereinigen, sind zudem oft erfolgreicher als Teams, bei denen alle Gründer in sehr ähnlichen Bereichen ausgebildet sind.

          Martin Heese, Leiter des Gründerzentrums der RWTH Aachen

          Gute Noten sind kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Konzerne verlangen von Berufseinsteigern Persönlichkeit, soziale und interkulturelle Kompetenz.

          Für uns ist ein Bewerber aus dem Ingenieurwesen vor allem interessant, wenn wir neben seinen fachlichen Kompetenzen auch ein klares Profil mit seinen persönlichen Interessen erkennen können. Ingenieure punkten nicht mehr ausschließlich mit guten Noten und ihrer Leidenschaft fürs Automobil. Wir wollen wissen: Welche Interessen hat jemand? Engagiert er sich in sozialen Projekten? Hat er eine breite Allgemeinbildung? Uns ist der Gesamteindruck aus fachlichen, sozialen und interkulturellen Fähigkeiten ebenso wichtig wie ein Topabschluss.

          Als Weltkonzern erwarten wir außerdem sehr gute Englischkenntnisse. Heutzutage darf Englisch für Ingenieure kein Problem mehr sein. Im Vergleich zu früher beobachten wir eine deutliche Verbesserung. Das ist gut, trotzdem besteht bei den Absolventen natur- und ingenieurwissenschaftlicher Fächer immer noch Nachholbedarf. Damit die Zusammenarbeit von Ingenieuren in zunehmend internationalen Teams funktioniert, sind auch interkulturelle Kompetenzen gefragt. Deshalb rate ich Ingenieuren, im Studium unbedingt ein Auslandssemester oder ein internationales Praktikum zu absolvieren.

          Aber auch im Hinblick auf die fachliche Kompetenz haben sich die Anforderungen stark verändert. Den klassischen Ingenieur gibt es noch immer, jedoch bilden Ingenieure heute in vielen Funktionen die Schnittstelle zwischen Technik und IT. Von daher sollten sich Absolventen interdisziplinäre Kenntnisse aneignen, zum Beispiel in technischer Informatik oder Kybernetik.

          Anna-Maria Karl, Leiterin Global Talent Sourcing bei Daimler

          Quelle: F.A.Z.

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